News aus der Welt des Royalen

Kolumne3. Mai 2013, 17:04
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Wie das ALBUM einen Habsburg adelte

Ein frischer Wind weht durch die Grachten der Niederlande! Königin Beatrix ist in den Ruhestand getreten, und "das Zepter" - es ist immer " das Zepter" - an Willem-Alexander und Máxima weitergegeben. Kein Wunder, dass es in Amsterdam tagelang zu enthusiastischen Freudenkundgebungen kam (Riesenpartys, Sektempfänge, zwei Messerstechereien).

Bemerkenswert auch diesmal die geschlechtsspezifisch ganz unterschiedlichen Reaktionen auf ein solches Event. Männer (so viel Generalisierung muss erlaubt sein) stehen royalen Rochaden indifferent gegenüber, Frauen sind völlig aus dem Häuschen und lassen bis zur Farbnote der letzten Puschel am Königinnenkostüm kein Detail der Feierlichkeiten unkommentiert.

Dieser weibliche Enthusiasmus ist verständlich, und im konkreten Fall ganz besonders. Schließlich ist Máxima nicht die einzige Dame mit einem " Prinz Pilsje" an ihrer Seite: Auch viele Bürgerliche haben hin und wieder gerne einen in der Krone, sodass ein klares Identifikationspotenzial gegeben ist. Wunderlich ist nur, dass das feminine Faible für das Königliche zwar ein ganzes Printsegment in Lohn und Brot hält (silberne, güldene, diamantene "Blätter"), das Fernsehen dieses Gefühlsbergwerk aber noch nicht entdeckt hat.

Wir haben zwar "Wir sind Kaiser", aber wie wäre es mit der dringend überfälligen Nachfolgesendung "Österreich sucht den Superkaiser"? Eine Castingshow für alle, die Kaiser, Königin oder eine ähnliche Führungsfunktion anstreben und die dafür nötigen Skills öffentlich erproben wollen: elegantes Anlegen von Hermelinmänteln, tadellos verabreichte Ritterschläge, Domestiken und Lakaien managen, Charity-Veranstaltungen über die Bühne bringen usf. Mein Großvater väterlicherseits, ein Monarchist reinsten Wassers, hätte sich das liebend gerne angesehen.

Weil wir schon beim Thema Hochadel sind, schließe ich heute mit einer kleinen persönlichen Anekdote. Vor ein paar Wochen schrieb ich im STANDARD-ALBUM eine sehr wohlwollende Besprechung von Eduard Habsburgs hübscher Erzählung Lena in Waldersbach. Habsburg schickte mir tags darauf eine Nachricht des Inhalts: "Das ist eine der schönsten Rezensionen, die ich je bekommen habe. Ich fühle mich geadelt." Und ich mich stolz! Einen Habsburger geadelt zu haben kann schließlich nicht ein jeder Rezensent von sich behaupten.   (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

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