Neue Impressionen für alte Insider

3. Mai 2013, 18:01
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In New York kommt in den nächsten beiden Wochen Kunst im Wert von 1,4 Milliarden Dollar zur Auktion - nicht so Flöttls Ex-Picasso

Ende März wurde ein Deal bekannt, der Wolfgang Flöttls Puls kurzfristig beschleunigt haben wird. Andere mögen saftige Gewinne aus ihren Nebengeschäften mit Kunst lukrieren, nur dem in den Bawag-Skandal verwickelten Investmentbanker blieb derlei verwehrt. Die Notverkäufe seiner ehemals mit dicken Namen bestückten Sammlung bescherten ihm eher Einbußen: Edgar Degas 1991 für 9,93 Millionen Dollar (Christie's) erworbenes Gemälde Les Chevaux de Courses (1871/72) brachte 2004 (Sotheby's) nur noch 7,62 Millionen; für Van Goghs Gouache La Moisson en Provence (1888) hatte er 1997 bei Sotheby's 14,64 Millionen Dollar gelöhnt und bekam ebendort 2003 nur noch 10,31 Millionen.

Einen Zugewinn holte er sich dagegen für Picassos Le rêve (1932), auch wenn dieser höher hätte sein können, wie man seit kurzem weiß: Knapp 49 Millionen Dollar war ihm das Porträt Marie-Thérèse Walters bei einer Christie's-Auktion im November 1997 wert gewesen, 2001 reichte Flöttl es für 65 Millionen an Steve Wynn weiter. 2006 gedachte sich der Kasinomagnat wieder von dem Gemälde zu trennen, für 139 Millionen wollte er es seinem Freund Steven A. Cohen überlassen. Dazu kam es nicht, denn Wynn rammte unbeabsichtigt seinen Ellenbogen in das Meisterwerk.

Der Deal platzte - vorerst. Das Bild wurde restauriert, sein Wert war laut Experten jedoch auf 85 Millionen gesunken. Die Versicherung weigerte sich, für die Differenz (54 Mio.) auf den potenziellen Verkaufspreis aufzukommen. Dem Vernehmen nach habe man sich in einer Größenordnung von 45 Millionen Dollar geeinigt.

Rekordreibach

Vor einem knappen Monat verkaufte Steve Wynn das Werk nun für stolze 155 Millionen Dollar, und er dürfte abzüglich des Kaufpreises und der Restaurierungskosten (90.000 Dollar) theoretisch einen Reibach von - Châpeau! - fast 135 Millionen Dollar gemacht haben. Der neue Besitzer ist niemand Geringerer als der "alte" Interessent Steven A. Cohen, dessen SAC Hedgefonds nach Insidervorwürfen kurz zuvor zu einer Rekordstrafe von 614 Millionen Dollar verdonnert wurde.

Also gönnte sich Cohen quasi ein Trostpflaster in Form von Flöttls Ex-Picasso und könnte wohl schon den nächsten Anwärter auf seinem hochrangigen Sammlungs-Radar haben.

In New York gelangen in den nächsten beiden Wochen Kunstwerke zur Versteigerung, die gemäß den Erwartungen der Auktionshäuser bis zu 536 (Impressionist & Modern Art) bzw. bis zu 820 (Post War & Contemporary) Millionen Dollar einspielen sollen.

Picassos sind auch darunter, 139 insgesamt, vom 10. 000-Dollar-Linolschnitt bis zu Kalibern wie dem kubistischen Porträt von Françoise Gilot aus dem Jahr 1953 (7-10 Mio.; Christie's) oder der bemalten Metallskulptur von 1954, für die Picassos 19-jährige Nachbarin Sylvette in Vallauris Modell saß (12-18 Mio.; Sotheby's). Die aus amerikanischem Privatbesitz stammende Skulptur ist eine von insgesamt vier aus Blech gefertigten und anschließend bemalten.

Legendärer Denker

In der gleichen monetären Größenordnung wartet mit einer Taxe von acht bis zwölf Millionen Dollar bei Sotheby's eine Ikone der Kunstgeschichte, konkret Auguste Rodins Le Penseur, ein frühe Fassung von 1906, die ehemals für Ralph Pulitzer und noch unter Rodins Aufsicht gegossen wurde. 2010 hatte Sotheby's für eine spätere Ausführung des legendären Denkers bereits beachtliche 11,8 Millionen Dollar notiert.

Als das Highlight der Sotheby's-Entourage wird im Vorfeld der Abendauktion (7. 5.; Schätzwertsumme 162-235 Mio. Dollar) wahlweise Amedeo Modiglianis L'Amazone (20-30 Mio.), für die 1909 Baroness Marguerite de Hasse de Villers in schneidigem Reitoutfit Modell gestanden hatte, oder Paul Cézannes 1889/90 entstandenes Stillleben Les Pommes (25-35 Mio.) gehandelt.

Kontrahent Christie's wartet anderntags (8. 5.; 140-202 Mio.) mit einem Fauve-Klassiker André Derains auf, konkret mit dem Gemälde Madame Matisse au kimono, für das zumindest 15, wenn nicht 20 Millionen Dollar zu berappen sind. Auf der sicheren Seite darf sich der Einbringer von Chaim Soutines melancholischem Le petit pâtissier (ca. 1927) wähnen, dem Christie's im Bereich der angesetzten Taxe (16-22 Mio.) vorab ein Limit und sich selbst damit auch gleich einen neuen Künstlerweltrekord garantiert hat.  (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

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    Vor kurzem erwarb Steven Cohen Wolfgang Flöttls Ex-Picasso "Le Rêve (der Traum)"  für 155 Mio. Dollar.

  • Zu den 139 aktuell zur Auktion gelangenden Werken des Spaniers gehört die auf zwölf bis 18 Mio. taxierte Metallskulptur "Sylvette".
    foto: sotheby's

    Zu den 139 aktuell zur Auktion gelangenden Werken des Spaniers gehört die auf zwölf bis 18 Mio. taxierte Metallskulptur "Sylvette".

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