Umschiffte Klippen, glanzvolle Wogen

3. Mai 2013, 17:30
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Dirigent Daniel Harding debütierte mit Wagners "Holländer" an der Wiener Staatsoper

Wien - Gerüchtweise sollen es manche als Fluch empfinden, dass Christine Mielitz' Inszenierung von Richard Wagners Fliegendem Holländer noch immer an der Wiener Staatsoper gezeigt wird. Doch bei Lichte betrachtet, erzählt die Arbeit aus dem Jahr 2003, die nun zum 49. Mal über die Bühne ging, geradezu schulmäßig die Handlung, fügt ihr nur einige wenige farbkräftige Interpretationsansätze hinzu.

Juha Uusitalo dürfte sich freilich erlöst gefühlt haben, als am Donnerstag nach zweieinhalb pausenlosen Stunden der Vorhang fiel, hatte er doch in der Titelpartie so manchen Kampf mit der eigenen Stimme auszufechten - immer wacker, manchmal aber deutlich jenseits des Gelingens.

Stephen Gould als sein amouröser Kontrahent Erik war da stimmlich ein viel zu starkes Gegenüber, um die Handlung noch einigermaßen plausibel erscheinen zu lassen. Zwischen prächtig metallischem Schmettern, das seinesgleichen sucht, ließ er auch so manche zarte Saiten durchklingen. Ähnliches könnte vom vorbildlich wortdeutlichen, im Volumen etwas verhaltenen Stephen Milling als Daland kaum behauptet werden. So wie Letzterer waren auch die Senta und der Steuermann mit Rollendebüts besetzt: Souverän umschiffte Anja Kampe alle Klippen der Partie, steuerte sämtliche dramatischen Spitzen und lyrischen Inseln zielsicher an, während Benjamin Bruns sich tadellos seiner Aufgaben annahm.

Und auch für Dirigent Daniel Harding war es ein erstes Mal, dem er sich mit viel Elan und Zugkraft widmete. Mag sein, dass das Orchester manchmal übersteuert klang; meist aber brandeten seine Wellen und Wogen mit Schwung und viel Glanz auf. Lässt man einige Wackler (etwa bei gemeinsamen Bläsereinsätzen) beiseite, so war das ein insgesamt respektables Staatsoperndebüt.  (Daniel Ender, DER STANDARD, 4./5.5.2013)

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