ÖVP auf Wählerfang: Geschenke als "Gesprächsöffner"

Reportage3. Mai 2013, 15:45
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Auf Tour mit der Abgeordneten Brigitta Pallauf - Berlakovich sorgt auch in Salzburg für Ärger

Folder, Visitenkarte, Kugelschreiber, Kekse und Mannerschnitten. Für die Damen Seifenblätter in einer Dose, für die Herren Spielkarten. Landtagsabgeordnete Brigitta Pallauf ist am Freitag auf Wahlkampftour im Kaiviertel in der Salzburger Altstadt. Sie kandidiert auf Platz zwei der ÖVP-Liste für die Landtagswahl am Sonntag. Die kleinen Geschenke lässt sie sich von ihren Helfern schon fertig vorbereiten, um sie gleich übergeben zu können. Sie sind ihre "Gesprächsöffner", erklärt Pallauf. "Ich stelle mich vor und gebe die Geschenke her, dann komme ich mit den Leuten ins Reden."

Hausbesuche zur Mobilisierung

Bis zur Landtagswahl in Salzburg sind es nur noch wenige Tage, ÖVP und SPÖ liefern sich den Umfragen zufolge einen Wettkampf um Platz eins. Seit neun Jahren regiert die SPÖ mit Gabi Burgstaller als Landeshauptfrau in Salzburg, davor stellte immer die ÖVP den Landeshauptmann. Der Salzburger Finanzskandal ist eine Chance für die Schwarzen, den Posten zurückzugewinnen. Gleich nach dem Bekanntwerden der Spekulationen hat ÖVP-Chef und Landeshauptfrau-Stellvertreter Wilfried Hauslauer Neuwahlen gefordert, die später von allen Parteien beschlossen wurden. Um zu gewinnen, setzt die ÖVP laut eigenen Angaben vor allem auf Hausbesuche. Insgesamt hätten die Funktionäre im Wahlkampf rund 70.000 Besuche gemacht, so die Salzburger Volkspartei.

Wie viele davon Brigitta Pallauf absolviert hat, weiß sie gar nicht. "Ich müsste einmal die Adressen durchzählen", sagt die 52-Jährige. Die ÖVP führt genau Buch, schließlich will man nicht zweimal zu denselben Leuten gehen. Pallauf ist für die Bewohner in Salzburg-Süd zuständig. Die Juristin ist eine der vier Kandidaten der ÖVP für das Regierungsteam, sie soll sich als Landesrätin um Frauen, Soziales und Bildung kümmern, seit 2009 sitzt sie im Landtag.

Wahlkampf bei den Unternehmern

Heute ist das "Kerngeschäft" dran, wie es Pallauf nennt. Sie und der Stadtpolitiker Peter Bernhofer klappern mit zwei jungen Wahlhelfern die Betriebe am Kajatanerplatz und in der Kaigasse ab. Bernhofer war hier früher Wirt des "Gasthauses zur Glocke" und Sprecher der Kaiviertler Wirtschaftstreibenden, er kennt jeden Betrieb und ist mit den Unternehmern per du. Er führt Pallauf durch das Viertel, bestimmt die Reihenfolge der Besuche und auch, bei welchen Inhabern im Geschäft vorbeigeschaut wird.

Ärger wegen Berlakovich

Obwohl der Wahlkampf bei den Unternehmern eigentlich ein Heimspiel ist, stößt die Landesrätin auch hier auf Kritik. "Ich habe mich schon sehr geärgert", sagt der Besitzer eines Einrichtungsgeschäfts. Ihm gefällt nicht, dass Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) in Brüssel gegen ein Verbot von Pestiziden gestimmt hat, die womöglich das Bienensterben beschleunigen. "Meine Stimme habt ihr, aber ich muss schon ordentlich schlucken", sagt der Geschäftsinhaber. Auch Pallauf ärgert sich über die Entscheidung des ÖVP-Ministers. Manchmal würde die Partei in Wien zu wenig auf die Landesparteien Rücksicht nehmen, meint sie. "Als ich das heute Früh im Radio gehört habe, habe ich mir gedacht: Danke!" Sie habe sich zwar mit den Pestiziden nicht genau beschäftigt, für sie klinge ein Verbot aber einleuchtend.

"Wählen hat gar keinen Sinn mehr"

Eine Mitarbeiterin in einem Copyshop nimmt die Goodies von Pallauf zwar an, als diese sie aber bittet, die ÖVP zu wählen, sagt sie "Schauen wir mal". Sie wisse überhaupt nicht, wen sie wählen und wem sie was glauben soll. "Ich habe das Gefühl, Wählen hat gar keinen Sinn mehr", sagt die Mitarbeiterin. "Dass Sie mitbestimmen, ist aber wichtig", entgegnet Pallauf. Dann erklärt sie, dass sie selbst auch im Landtag belogen worden ist. Die Fragen zu den Finanzen in Salzburg seien falsch beantwortet worden, zudem habe sich die ÖVP vor allem um ihre eigenen Ressorts gekümmert. Dass die Volkspartei die erste Vollmacht für die Spekulationen in Salzburg unterschrieben hat, erwähnt sie nicht. "Die Politiker werden alle in einen Sack geschmissen, und dann wird draufgehaut", erklärt Pallauf der potenziellen Wählerin. "Ich gehöre da aber nicht dazu."

Trotzdem, die meisten Unternehmer, die Pallauf besucht, sind ihr gut gesinnt. "Ich habe euch schon per Briefwahl gewählt", sagt eine Bäckerin. Herzlich willkommen ist Pallauf in einem griechischen Restaurant. Der Wirt bittet ins Lokal und zeigt stolz ein Foto von sich und Parteichef Hauslauer. Viel bringt die Begeisterung aber nicht: Der Wirt darf nicht wählen. "Warum lasst ihr die Ausländer nicht wählen?", fragt er. Er habe sicher zehn Mitarbeiter, die der ÖVP ihre Stimme geben würden. "Ja, das haben wir leider auf der EU-Ebene noch nicht gelöst", meint Pallauf. "Ach, die EU", sagt der Grieche und winkt ab.

Stichelei gegen Burgstaller

Vor der Tour durch das Kaiviertel war Pallauf bei einer gemeinsamen Presskonferenz mit Haslauer. Der ÖVP-Spitzenkandidat hat dabei angekündigt, dass er und sein Team für die gesamte Legislaturperiode zur Verfügung stehen werden. "Die Wähler und Wählerinnen haben ein Recht darauf, zu wissen, wen sie wählen." Haslauer reagierte damit auf Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Diese hatte am Donnerstag angekündigt, dass sie im Fall einer Wiederwahl nach zwei Jahren zurücktreten und das Amt an einen Nachfolger übergeben könnte.

ÖVP-Funktionär Bernhofer ist sich nach den vielen Gesprächen sicher, dass die ÖVP die Wahl gewinnen wird. Allerdings seien sich seine Bekannten aus der SPÖ genauso sicher, dass Burgstaller wiedergewählt werde. Nach einer Stunde haben Pallauf und ihr Team alle Geschäftslokale abgeklappert. Die Abgeordnete kann jetzt Pause machen, am frühen Nachmittag geht es mit Betrieben in der Alpenstraße weiter. (Lisa Aigner, derStandard.at, 3.5.2013)

  • Die ÖVP setzt im Wahlkampf vor allem auf Haus- und Betriebsbesuche.
    foto: derstandard.at/aigner

    Die ÖVP setzt im Wahlkampf vor allem auf Haus- und Betriebsbesuche.

  • Brigitta Pallauf im Gespräch mit dem Pfarrer von Siezenheim.
    foto: derstandard.at/aigner

    Brigitta Pallauf im Gespräch mit dem Pfarrer von Siezenheim.

  • Am Freitag besuchte Pallauf vor allem Betriebe im Salzburger Kaiviertel.
    foto: derstandard.at/aigner

    Am Freitag besuchte Pallauf vor allem Betriebe im Salzburger Kaiviertel.

  • Der Griff in die Tasche mit den Wahlgeschenken ist schon automatisiert.
    foto: derstandard.at/aigner

    Der Griff in die Tasche mit den Wahlgeschenken ist schon automatisiert.

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