Heftige Kritik an VÖZ-Kampagne auch aus Deutschland

3. Mai 2013, 14:43
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Die Kampagne des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) schlägt nicht nur in Österreich hohe Wellen, sie stößt auch in Deutschland auf Kritik. Arm sei, wer mit "getöteten Larrys und Tiananmen-Google-Vergleichen Papier retten will", schreibt Stefan Plöchinger, Chefredakteur von sueddeutsche.de, auf Twitter. Wenig schmeichelhaft fällt auch das Urteil von Blogger Stefan Niggemeier aus: "Österreichische Verleger noch bekloppter als deutsche Verleger. Keine Ahnung, ob das als gute Nachricht zählt."

Für Wolfgang Blau, Ex-Chefredakteur von "Zeit Online" und nun Digitalstratege des "Guardian", agiert der VÖZ respektive dessen Präsident Thomas Kralinger auf einem "hohen Ross", weil einerseits die Vorzüge von Zeitungen gegenüber sozialen Medien betont würden, andererseits eine Erhöhung der Pressförderung auf 50 Millionen Euro jährlich gefordert werde. Und: Überleben würden nur jene Zeitungen, die Online und soziale Medien nicht als Feinde sehen würden, schreibt Blau auf Facebook.

VÖZ: Keine Kollision mit Urheberrecht

Neben der Botschaft der Sujets sorgt auch die Verwendung der Symbole für Diskussionen. Die Anspielung auf Twitter, Facebook und Google ist evident, laut Auskunft des VÖZ gegenüber derStandard.at wurde keine Genehmigung für die Logos eingeholt - mit dem Argument, dass die Symbole die Leistung eines Grafikers seien, die Interpretation liege "im Auge des Betrachters". Die Sujets kollidieren nicht mit dem Urheberrecht, so der VÖZ. Dessen Schutz fordern die Verleger ja vehement ein, etwa wenn es um ein Leistungsschutzrecht geht.

Symbole ein "Grenzfall"

Mit dieser Einschätzung dürfte der VÖZ rechtlich auf der richtigen Seite sein, wenngleich es sich um einen Grenzfall handle. Die Verwendung der Symbole von Facebook und Twitter sei nämlich auch ohne Zustimmung zulässig, meint Medienanwältin Maria Windhager gegenüber derStandard.at. Das "Like"-Symbol von Facebook etwa sei "urheberrechtlich nicht schutzfähig, weil es an der dafür erforderlichen Eigentümlichkeit des Symbols fehlt", so Windhager. Facebook könne die Verwendung des Logos in veränderter Form nicht verhindern. Der "Like"-Button ist zwar als Europäische Gemeinschaftsmarke geschützt, allerdings nur in Kombination mit dem Wort "Like". Und nur für gewisse Waren und Dienstleistungen.

Kein Monopol auf gezeichnete Vögel

Urheberrechtlich schwieriger ist es beim Twitter-Vogel. "Dieser ist immerhin eigentümlich genug, um urheberrechtlich schutzfähig zu sein." Allerdings, schränkt Windhager ein: Der im Sujet verwendete Vogel unterscheide sich erheblich vom Twitter-Vogel: "Der Abstand zur Originalgrafik ist so groß, dass auch argumentiert werden kann, dass ein eigenständiges Werk und keine unzulässige Bearbeitung vorliegt." Twitter habe kein Monopol auf gezeichnete Vögel. Schließlich könne sich der VÖZ noch auf eine freie Werknutzung berufen. "Ein Bildzitat ist etwa dann möglich, wenn eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bild stattfindet." Das sei in diesen Fällen gegeben. Ein weiteres Argument sei die "Freiheit der Kunst" oder die Möglichkeit zur "satirischen Überzeichnung". Ihr Resümee: Die Verwendung ist grenzwertig, aber vertretbar.

Abgrenzung gegenüber sozialen Medien

Das meint naturgemäß auch der VÖZ, der sich am Freitag noch einmal rechtfertigte. Den Verlegern gehe es bei dieser Kampagne lediglich um eine Abgrenzung: "Zeitungen und Magazine sind der Garant für unabhängige und ausgewogene Berichterstattung. Soziale Medien bieten die Möglichkeit des Meinungsaustausches und der fragmenthaften Information. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies kam auch im Text des Inserates klar zum Ausdruck", heißt es in einer Presseaussendung.

Soziale Netzwerke würden darüber hinaus die Meinungsvielfalt nicht zwingend befördern: "Nur weil  virtuelle 'Freunde' oder Follower in einem Netzwerk uniform eine Meinung vertreten, heißt das nicht, dass es keine anderen Meinungen gibt. Unabhängige Zeitungen und Magazine geben unterschiedlichen Standpunkten Raum, damit sich der Leser eigenständig eine Meinung bilden kann", meint VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. (Oliver Mark, derStandard.at, 3.5.2013)

foto: vöz
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