Arbeiten mit Behinderung

Leserkommentar3. Mai 2013, 15:17
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Eine junge Frau im Rollstuhl über ihre Perspektiven und Ängste

Aufgrund der jüngsten Debatte zum Thema Arbeit und Behinderung möchte ich meine Meinung zu diesem Thema äußern.

Ich selbst bin auf den Rollstuhl angewiesen und gehe derzeit noch zur Schule. Heuer mache ich zum dritten Mal einen Sommerjob. Ein Praktikum im Sommer zu bekommen ist für niemanden leicht. Oft funktioniert das nur über Kontakte. Auch bei mir hat es über einen Kontakt geklappt (beim ersten Mal), da ich einfach zu spät dran war mit meiner Bewerbung. Doch die Jahre darauf ging es von selbst. Ich hab mich im ersten Jahr gut eingearbeitet und mich mit allen gut verstanden. Deshalb wurde ich im darauffolgenden Jahr sofort wieder genommen, das Angebot für das darauffolgende Jahr habe ich schon im Sommer zuvor bekommen. Am Ende des Praktikums.

Angst trotz guter Erfahrungen

Ehrlich gesagt habe ich trotzdem Angst nach der Schule ohne Job dazustehen. Nächstes Jahr mache ich die Matura und ich bin mir noch nicht sicher, was oder ob ich studieren soll. Ich denke, mit einem Studium habe ich mehr Chancen, trotzdem glaube ich, dass es wirklich schwierig wird einen Job zu finden.

Ich finde das nicht gut, immerhin bin ich top motiviert und möchte nicht zu Hause sitze. Genauso wie die anderen dies nicht möchten. Wenn es funktionieren kann, warum nicht? Ich denke, es ist wirklich viel machbar. Natürlich kann es sein, dass man mit einer Behinderung anfangs mal komisch angesehen wird, aber in der heutigen Zeit sollte ein Mensch in einem Rollstuhl kein Problem mehr sein.

Gleichberechtigung ist nicht nur ein wichtiger Punkt für Männer und Frauen, sondern auch für Menschen mit Behinderung. Unsere Gesellschaft hat sich schon weiterentwickelt. Allerdings kann die unsere Gesellschaft, und damit meine ich jetzt spezifisch die österreichische Gesellschaft, noch viel von anderen Nationalitäten lernen.

Wie umgehen mit Behinderten?

Bei meinem Sommerjob ist mir aufgefallen, dass die Österreicher nicht wissen ob beziehungsweise wie sie auf mich zugehen sollen. Dies betrifft natürlich nicht alle. Aber Menschen aus anderen Ländern (asiatische Länder, Italien, England, Amerika) gingen meistens sofort auf mich zu und hatten einfach keine Scheu.
Ich bin auch nur ein Mensch, so wie jeder andere Rollstuhlfahrer. Man kann mit uns normal umgehen, und manchmal brauchen wir ein wenig Hilfe.

Dass es einen besonderen Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderung gibt und außerdem noch andere schützende Gesetze, ist nicht negativ. Das ist zwar erschreckend für die Arbeitgeber, doch dafür gibt es Organisationen, die die Arbeitgeber darüber aufklären und ihnen die Angst nehmen (oder es zumindest versuchen).

Tagesstätten: Nicht immer die optimale Lösung

Es kann nachteilig sein, dass Menschen mit einer Behinderung oft sofort in eine Tagesstätte kommen, wenn sie keinen Job finden. Ich bin zwar froh, dass es solche Insitutionen gibt, aber ich denke, mindestens die Hälfte von diesen Personen könnte in einem normalen Arbeitsfeld arbeiten.

Einen Arbeitsplatz zu finden ist wirklich nicht leicht. Und wenn man dann mal im Job ist, heißt es ja noch nicht, dass es auch passen wird. Wenn die Kollegen vielleicht nicht bereit sind, einem zu helfen, kann das ganz schnell zum Albtraum werden.

Mittlerweile ist es jedoch schon so, dass viele Jugendliche mit Menschen mit Behinderung im Umfeld aufwachsen. Ich finde es gut, dass Menschen mit Behinderung in normale Schulen gehen können. Dies fördert das soziale Verhalten der Mitschüler. Deshalb denke ich, dass es in einigen Jahren weniger Menschen geben wird, die nicht wissen wie man mit Rollstuhlfahrern umgeht. Und so wird sich die ganze Gesellschaft anpassen. (Leserkommentar, Laura Gentile, derStandard.at, 3.5.2013)

Laura Gentile macht demnächst die Matura und lebt in Österreich. Dieser Beitrag ist ursprünglich auf ihrem Blog erschienen.

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