Aus Wien stammende MIT-Forscherin erhält Jung-Preis

3. Mai 2013, 16:00
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Molekularbiologin Angelika Amon befasst sich mit zellulären Ursachen der Krebsentstehung - 300.000-Euro-Auszeichnung gemeinsam mit Ivan Dikic erhalten

Cambridge/Hamburg - Die aus Österreich stammende Molekularbiologin Angelika Amon (46) vom Howard Hughes Medical Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge ist Freitagnachmittag in Hamburg mit dem Ernst Jung-Preis für Medizin ausgezeichnet worden. Sie teilt sich die von der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung vergebene, mit insgesamt 300.000 Euro dotierte Auszeichnung - einer der höchsten Medizin-Preise in Europa - mit Ivan Dikic, Direktor am Institut für Biochemie II der Frankfurter Goethe-Universität.

Angelika Amon ist den zellulären Ursachen der Krebsentstehung auf der Spur. Sie erforscht an Hefezellen das Phänomen der sogenannten "Aneuploidie". Damit werden bei der Zellteilung entstehende Gendefekte bezeichnet, die in fehlenden oder überzähligen Chromosomensätzen bestehen können und für schwerste Erkrankungen, unter anderem Krebs, verantwortlich sind. "Ein grundlegendes Verständnis dieser Mechanismen wird es uns erlauben, geeignete Diagnosen und Therapien zu entwickeln", betonte Ernst Hafen von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich laut Aussendung der Stiftung in seiner Laudatio auf Amon.

Wie eine Kopie von 3.000 Harry-Potter-Büchern

Hafen veranschaulichte dabei die gigantischen Dimensionen des täglich millionenfach im Körper stattfindenden Zellteilungsprozesses: "Die gesamte Information im Kern jeder Zelle umfasst drei Milliarden Buchstaben in doppelter Ausführung, denn all unsere Zellen enthalten eine Kopie der genetischen Information von unserer Mutter und von unserem Vater." Diese sechs Milliarden Buchstaben würden ungefähr 3.000 Harry-Potter-Büchern entsprechen. "Wenn nun aus einer Zelle zwei neue Zellen entstehen sollen, müssen alle sechs Milliarden Buchstaben ohne Fehler verdoppelt werden, das heißt, es müssen alle 3.000 Harry-Potter-Bücher kopiert werden", so Hafen. Gelingt das Kopieren nicht korrekt, fehlen Chromosomen oder sind zu viele vorhanden, entsteht eine Genommutation, die man als Aneuploidie bezeichnet.

Die Wissenschafterin und ihr Team untersuchen, wie sich die Aneuploidie auf die Zelle auswirkt bzw. welche Konsequenzen das hat. "Das hat uns erlaubt, den Krebs mit anderen Augen zu sehen und eine Achillesferse zu finden", so Amon. Sie sucht neue Substanzen, die diese Achillesfersen angreifen, die also speziell Zellen töten, die einen falschen Chromosomensatz haben. "Das ist der Ansatzpunkt, an dem wir arbeiten. Wir versuchen, einen Beitrag zur Entwicklung neuer Medikamente zu leisten." Sie hofft, "dass unsere Forschung einmal dazu beitragen wird, das menschliche Leben, die menschliche Gesundheit zu verbessern, beizutragen, dass Leute geheilt werden von Krankheiten, an denen sie früher gestorben sind."

Werdegang

Angelika Amon (geboren am 10. Jänner 1967 in Wien) ging nach ihrem Doktorat 1994 an der Uni Wien beim damaligen Chef des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP), Kim Nasmyth, an das Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge (USA) und wechselte 1999 an das MIT, wo sie seit 2011 einen Lehrstuhl für Krebsforschung innehat. Sie war die vergangenen drei Jahre Aufsichtsrätin im österreichischen Wissenschaftsfonds FWF und ist im Scientific Advisory Board des IMP und des Institute of Science and Technology (IST) Austria.

Mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold wurde Sir Salvador Moncada für sein wissenschaftliches Lebenswerk geehrt. Dass Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Acetylsalicylsäure wie Aspirin geholfen werden kann, geht nach Angaben der Stiftung zu einem Gutteil auf dessen Arbeit zurück. Den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis erhielt die 32 Jahre alte Assistenzärztin am Universitätsklinikum Erlangen, Anita Kremer. (APA, derStandard.at, 3. 5. 2013)

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    Angelika Amon

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