Marionnaud Österreich häuft Verluste an

3. Mai 2013, 11:01
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Es haben sich Millionenverluste angesammelt, was an der Funktion Österreichs als regionaler Anschubfinanzierer liegen könnte

Wien - Die Österreich-Tochter der französischen Parfümeriehandelskette Marionnaud machte 2011 bei einem Umsatz von 92,5 Millionen Euro einen Vorsteuerverlust von 52,9 Millionen Euro. 2010 waren es laut Firmencompass bei 90,5 Millionen Umsatz 9,6 Millionen Euro Verlust. "Diese Verluste bei diesem Umsatz zu machen, hat keine Logik. Das hängt mit der Holdingstruktur zusammen", wird Marionnaud-Österreich-General-Manager Martin Gaber im WirtschaftsBlatt zitiert. Seit 2002 wurden laut dem Bericht durchgehend Verluste geschrieben, rechne man diese zusammen, seien das 196 Millionen Euro.

Probleme in Spanien und Italien

"Das Holdingkonstrukt wurde 2001 oder 2002 vom Gründer Marcel Frydman so gebaut, seither verfolgt uns das", sagt Gaber. Marionnaud Österreich hat laut seinen Angaben den Ertrag in den vergangenen Jahren "deutlich zweistellig" gesteigert. "Wir sind kein Wackelkandidat wie manche anderen Einzelhändler. Wir wachsen und florieren." Diese internationalen Geldflüsse seien vom Österreich-Geschäft völlig getrennt.

Marionnaud Österreich ist eine 100-Prozent-Tochter der Marionnaud Parfumeries S.A. mit Sitz in Paris. Diese wiederum gehört der A.S. Watson, dem Einzelhandelsarm von Hutchison Whampoa, dem global tätigen Mischkonzern mit Sitz in Hongkong, zu dem auch "3", der drittgrößte Mobilfunkanbieter in Österreich, gehört. An der Österreich-Tochter hängen die Ländergesellschaften Schweiz, Deutschland, Marokko, Spanien und Italien. Gerade bei den letzten beiden scheint es alles andere als rund zu laufen, schreibt das Blatt.

Hohe Abschreibungen

So seien 2011 der Italien-Gesellschaft über Marionnaud Österreich 8,5 Millionen Euro zugeschossen und im selben Jahr abgeschrieben worden. In Spanien passierte Selbiges in einer Höhe von 18 Millionen Euro. In Deutschland wurden "Anschaffungskosten" in Höhe von mehr als 17 Millionen Euro abgeschrieben. Mit Zinsen und diversen ähnlichen Aufwendungen kommen die 53 Millionen Euro Minus zustande. Dem Vernehmen nach sehe Hutchison den Parfümeriehandel als langfristiges Investment und will sich von den defizitären Töchtern nicht trennen, sondern diese restrukturieren, heißt es weiter.

Eigenkapitalquote leidet

Marionnaud betreibt in Österreich 100 Standorte. Heuer sollen zwei weitere dazukommen und zwölf Filialen "komplett revitalisiert" werden, berichtet die Zeitung weiter. Gaber nimmt dafür einen hohen Millionen-Euro-Betrag in die Hand. Auch in den bereits bestehenden Online-Shop wird investiert. Der Umsatz liegt bei rund 95 Millionen Euro und soll heuer "leicht steigen".

Durch die Transaktionen hat dennoch die Eigenkapitalquote von Marionnaud Österreich gelitten. Bei Marionnaud Österreich ist sie 2011 auf 5,6 Prozent gesunken. Laut AKV liegt eine branchenübliche Eigenkapital-Quote bei 23 Prozent. Doch ein "Financial Support Letter" von A.S. Watson garantiert bei weiteren Ausfällen finanzielle Rückendeckung, schreibt die Zeitung. (APA, 3.5.2013)

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    An der Österreich-Tochter hängen auch die Ländergesellschaften Spanien und Italien. Gerade bei den letzten beiden scheint es alles andere als rund zu laufen.

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