Mit Progesteron gegen den plötzlichen Herztod

3. Mai 2013, 08:12
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Das Geschlechtshormon kann lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen verhindern

Das Long-QT Syndrom ist eine seltene angeborene oder durch unerwünschte Medikamentennebenwirkung erworbene Erkrankung, die Herzrhythmusstörungen (so genannte ventrikuläre Arrhythmien) hervorrufen und zu Bewusstlosigkeit oder zum plötzlichen Herztod führen kann. "Auffällig ist, dass Frauen mit dem Long-QT Syndrom ein deutlich höheres Risiko für diese Rhythmusstörungen haben als Männer", erklärt Katja Odening, von der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg Bad Krozingen und ergänzt: "Das betrifft vor allem die Zeit nach der Schwangerschaft, während die Schwangerschaft selbst einen gewissen Schutz bietet. Die Wissenschaflter werteten das als Zeichen dafür, dass Hormone einen Einfluss auf die Erkrankung haben. Das Team hat anhand von Tiermodellen untersucht, ob und über welche Mechanismen Geschlechtshormone das Risiko für Rhythmusstörungen beim Long-QT Syndrom 2  beeinflussen.

Die Mediziner des Universitäts-Herzzentrums konnten erstmals zeigen, dass das Geschlechtshormon Progesteron beim Long-QT Syndrom Herzrhythmusstörungen vermeiden und somit auch den plötzlichen Herztod verhindern kann. Östrogen dagen fördert diese potentiell tödlichen Herzrhythmusstörungen. Basierend auf der Beobachtung des protektiven Effektes von Progesteron, führten die Wissenschaftler zudem eine retrospektive Analyse der Long-QT Syndrom-Registerdaten von 1.400 Patientinnen durch. Diese zeigte, dass Progesteron – eingenommen als empfängnisverhütendes Mittel – bei Patientinnen mit Long-QT Syndrom protektiv wirkt.

Multicenter-Studie geplant

"Basierend auf diesen vielversprechenden tierexperimentellen und klinischen Daten planen wir jetzt eine internationale Multicenter-Studie zum therapeutischen Einsatz von Progesteron", sagt Odening. Ziel ist es, ein Medikament zu entwickeln, das den plötzlichen Herztod bei Long-QT Syndrom-Patienten verhindern kann. (red, derStandard.at, 3.5.2013)

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