Pakistan: Staatsanwalt im Mordfall Bhutto erschossen

3. Mai 2013, 16:16
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Chaudhry Zulfiqar erlag im Spital seinen Verletzungen - Weiterer Politiker in Karachi erschossen

Islamabad - In Pakistan spitzt sich die politische Krise rund um den früheren Staatspräsidenten Pervez Musharraf zu. Der Staatsanwalt, der im Mordfall Benazir Bhutto ermittelt, wurde am Freitag in Islamabad auf offener Straße erschossen, teilte die Polizei mit. Erst am Mittwoch war in diesem Fall der Hausarrest gegen Ex-Präsident Musharraf verlängert worden.

Das Fahrzeug von Staatsanwalt Chaudhry Zulfiqar wurde in einem Wohnviertel der pakistanischen Hauptstadt beschossen. Zulfiqar wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag, sagte ein Polizeisprecher.

Starker Einfluss Musharrafs beim Militär

Beobachter sehen in dem Mordanschlag eine Warnung an die Justiz im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Musharraf. Dieser hat immer noch starken Rückhalt im einflussreichen Militär, das eine Verurteilung des Ex-Generals nicht dulden dürfte.

Musharraf selbst hatte Mitte April - nachdem ein Gericht in Islamabad überraschend seine Inhaftierung angeordnet hatte - davor gewarnt, dass das Vorgehen der Justiz zu "unnötigen Spannungen zwischen den unterschiedlichen Grundfesten des Staates und zu einer Destabilisierung des Landes" führen könne.

Mitschuld an Ermordung vorgeworfen

Musharraf wird vorgeworfen, mitverantwortlich für die Ermordung von Oppositionsführerin Benazir Bhutto gewesen zu sein. Sie starb Ende Dezember 2007 bei einem Bombenanschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung. Musharraf war damals Präsident, trat aber wenige Monate später zurück, um einem von Bhuttos Partei angestrengten Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen.

Der Ex-Präsident kehrte im März nach Pakistan zurück, um ein politisches Comeback zu starten. Die pakistanische Justiz stellte ihn jedoch wegen Vergehen während seiner Amtszeit unter Hausarrest und verhängte ein lebenslanges Politikverbot.

Sakulärer Politiker in Karachi erschossen

In Karachi ist am Freitag, eine Woche vor der Wahl, auch ein Kandidat, der in das nationale Parlament einziehen wollte, getötet worden. Saddiq Zaman Khattak von der säkularen Awami-Nationalpartei (ANP) sei zusammen mit seinem dreijährigen Sohn in der südlichen Hafenmetropole Karachi erschossen worden, teilte die Polizei mit. Demnach eröffneten Unbekannte von einem Motorrad aus das Feuer, als die beiden sich auf dem Weg von einer Moschee nach Hause befanden. 

Gewalt vor Parlamentswahlen

Vor der Parlamentswahl am Samstag kommender Woche häufen sich in Pakistan Anschläge und gewaltsame Übergriffe. Seit dem 11. April kamen dabei mehr als 60 Menschen ums Leben, darunter auch Lokalpolitiker. Saddiq Zaman Khattak ist der erste getötete Kandidat, der landesweit angetreten wäre. Für das von wechselnder Militärherrschaft geprägte Pakistan ist die Wahl eine Zäsur, weil erstmals nach einer vollen Legislaturperiode auf demokratischem Weg die politische Macht von einer Zivilregierung an die nächste übergeben werden dürfte. (red/APA, 3.5.2013)

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    Staatsanwalt Chaudhry Zulfiqar im Dezember 2010.

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