Das geliebte, gefürchtete, fleißige Bienchen

Kopf des Tages2. Mai 2013, 19:53
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Eines steht unzweifelhaft fest: wie wichtig die Bienen für das ökologische Gleichgewicht und das Funktionieren der natürlichen Systeme sind

Es gibt wohl kaum ein Lebewesen auf diesem Planeten, das derart ambivalent wahrgenommen und für derart unterschiedliche Eigenschaften bewundert, respektiert und gleichzeitig gefürchtet wird. Da ist das sprichwörtliche "fleißige Bienchen", das ob seines unermüdlichen Arbeitseinsatzes in hohem Ansehen steht. Gleichzeitig wird sie gefürchtet wegen ihres Stachels - sie, die weibliche Biene. Denn die Männchen haben ja keinen. Gleichzeitig ist sie wiederum als Biene Maja ungeteilter Sympathieträger im Kinderzimmer.

Bewundert werden ihre Völker wegen ihrer sozialen Organisation - und doch stehen sie gleichzeitig für ein rigides Regiment. Allein der Umgang mit den Männchen: Kommen die beim Hochzeitsflug bei der Königin zum Zug, sterben sie gleich - bleibt ihnen dieses zweifelhafte Vergnügen verwehrt, werden sie vor dem Winter in der "Drohnenschlacht" ausgehungert, vertrieben, abgestochen. In der TV-Serie kommt das beim " faulen Willi" natürlich ein bisserl anders rüber.

Eines steht unzweifelhaft fest und wird uns in den letzten Jahren mehr und mehr schmerzhaft bewusst: wie wichtig die Bienen für das ökologische Gleichgewicht und das Funktionieren der natürlichen Systeme sind. Rund 80 Prozent aller Kulturpflanzen sind auf eine Bestäubung durch Bienen angewiesen. Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt direkt von der bienenfleißigen Arbeit ab. Und wenn die jetzt reihenweise sterben, haben wir ein wirklich gröberes Problem. Weltweit sind Milliarden an Bienen verendet - in Europa sind rund 40 Prozent der Bienenvölker verschwunden. In den USA sind bereits Mietbienenvölker unterwegs, die von einer Bestäubungsregion zur anderen transportiert werden, in China wird bereits versucht, Blüten händisch mit Pinselchen zu bestäuben, wie der Film More than Honey zeigt.

Die Ursachen sind offenbar vielfältig - so werden etwa Milben, Überzüchtung, elektromagnetische Strahlungen und vor allem aber Pestizide, mit denen Saatgut gebeizt wird, als Auslöser für das Bienensterben genannt. Das System dahinter ist aber allzu oft das gleiche: Ist es auf der einen Seite die Zucht in Richtung Produktionssteigerung bei den Bienen selbst - so sind es andererseits auch die Massenproduktion und Monokulturen, wegen derer Saatgut überhaupt gebeizt werden muss. Wie auch immer: Jedenfalls ist wieder einmal der Mensch zum gefährlichsten Feind einer Tierart geworden. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 3.5.2013)

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