Ankara verfolgt aufmerksam

2. Mai 2013, 18:33
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Selbstbewusste Regierung, aber wenig Echo im Land

Auf der Titelseite war es groß, aber dann doch wieder nicht ganz groß: "Sabahs Triumph", schrieb die türkische Boulevardzeitung links oben auf der Seite, als sie im Vormonat vor dem Verfassungsgericht recht bekam und die Neuvergabe der Presseplätze beim NSU-Prozess in München erzwang. Dass erst eine türkische Zeitung klagen musste, um den Starrsinn eines deutschen Gerichts zu brechen, und dabei einen großen symbolischen Sieg errang, ging in der Türkei selbst ein wenig unter.

Die Rivalität unter den türkischen Medien, die der regierungstreuen Sabah vielleicht nicht den Erfolg gönnen wollten, und der für die Öffentlichkeit viel wichtigere Beginn eines Friedensprozesses mit der Untergrundarmee PKK mögen dafür eine Erklärung sein.

Die türkische Diplomatie demonstrierte jedoch von Beginn an Selbstbewusstsein. Der Fortgang der juristischen Untersuchung werde weiter "aus der Nähe und mit Aufmerksamkeit" verfolgt, hieß es bereits letzten November in einer Erklärung des Außenministeriums. Vier Mitglieder des Menschenrechtsausschusses des Parlaments reisen zum Prozess nach München. Im Losverfahren haben neben Sabah die auflagenstarke Hürriyet, das kleine linke Blatt Evrensel, eine Nachrichtenagentur, Ebru TV und das türkische Büro von Al-Jazeera Plätze im Saal gewonnen. (mab, DER STANDARD, 3.5.2013)

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