Kein Leben ohne Suppenwürfel und Dosentomaten

13. Mai 2013, 18:32
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derStandard.at/Lifestyle hat kürzlich die User gefragt, ob und welche Fertigprodukte in ihre Einkaufstaschen und Kochtöpfe wandern - Das Ergebnis ist überraschend

Selber kochen boomt - zumindest im Fernsehen, wo die Jamie Olivers, Tim Mälzers, Andi Wojtas und Alex Frankhausers dieser Welt für das Publikum unermüdlich schneiden, dünsten, sautieren, raspeln, filetieren, backen und braten. Selbstverständlich vergessen die telegenen Koch-Gurus nicht zu betonen, dass sie bei der Auswahl ihrer Zutaten stets auf die beste Qualität achten.

Laut Meinung von Experten haben Kochsendungen aber kaum Einfluss auf eine bewusste und gesunde Ernährung. "Die meisten Sendungen sind eher visueller Lustgewinn, als dass man eine Lehre daraus zieht", betont etwa der Ernährungswissenschaftler Florian Schweigert von der Universität Potsdam.

Wie der Österreichische Ernährungsbericht 2012 zeigte, essen wir immer noch zu fett und zu salzig und können uns zu wenig für Obst beziehungsweise Gemüse erwärmen. Vor allem die Bevölkerung im Osten - also in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland - lebt ungesund und ist häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen als die Einwohner der westlichen Bundesländer.

Instant-Produkte und schnelles Essen

"Bei der Salzreduktion hängt man sehr von den Lebensmittelherstellern ab", ist Ingrid Kiefer von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) überzeugt. Denn mit dem zunehmenden Konsum von Halbfertig- und Fertigprodukten steige auch der Salzanteil in der Ernährung, so die Expertin.

Zudem ist der Fastfood-Trend ungebrochen, wie etwa ein Blick auf die Geschäftszahlen von McDonald's zeigt: Schließlich konnte der Konzern seit 2010 stetig sowohl Umsatz als auch Gewinn steigern.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit zum ersten Mal mehr als 100 Milliarden Packungen sogenannter Instantnudeln verkauft. Die Zahl der Fertignudelsuppen, die den Weg von der Industrie zum Endverbraucher fanden, lag konkret bei 101,4 Milliarden. "Diese Zahlen zeigen, dass Instantnudeln ein Grundnahrungsmittel geworden sind", sagte Norio Sakurai vom Welt-Instantnudel-Verband im Rahmen einer Pressekonferenz Ende April. Demnach verspeisen die Chinesen die meisten Fertignudelsuppen, die USA liegen auf Platz sechs, und in Westeuropa sind die Briten an der Spitze zu finden.

Kaum Puristen, hauptsächlich Pragmatiker

derStandard.at/Lifestyle hat kürzlich seine User gefragt, ob und welche Fertigprodukte in ihren Einkaufstaschen und Kochtöpfen landen. Das Ergebnis überrascht in mehrfacher Hinsicht: Einerseits gibt es unter den Postern kaum absolute "Frische-Puristen", die - angefangen von Brot bis zum Suppenfond - alles selbst kochen, auf der anderen Seite ist die Bandbreite der verwendeten Instant-Produkte sehr überschaubar.

Nudeln, Suppenwürfel oder -würze und Dosentomaten gelten weitgehend als vertretbar, um nicht zu sagen als Klassiker. Daneben sind Tiefkühlgemüse und vorgefertigte Teige alles andere als unbeliebt. Das hat durchaus nachvollziehbare Gründe: "Blätterteig selber machen? Alleine die Patzerei mit der Butter ist ein Wahnsinn, und ob der Teig nun maschinell im Industriemaßstab oder bei mir in der Küche gemacht wird, spielt eine rudimentäre Rolle", so der Kommentar eines Users.

Auch der Anteil von Lesern, die sich mit Fisch aus der Dose eine kulinarische Ölung verpassen, kann ohne Übertreibung noch als relativ hoch bezeichnet werden.

Singles essen anders

Keine Hemmungen, Fertigprodukte zu verwenden, dürften vor allem Singles haben. So schreibt der Leser mit dem Nickname "Franz A.": "Ich kaufe praktisch alles auch als Fertiggericht und probiere auch alles aus. Irgendwie freut mich Kochen nur, wenn es Mitesser gibt. Unter der Woche - alleine - wärme ich lieber auf." Und "Princess of Fame" berichtet: "Ich bin Single und habe gestern Abend eine Serbische Bohnensuppe aus der Dose gegessen. Eben esse ich 'Gyros Chicken Pasta', und zum Frühstück hatte ich einen Burger von McDonald's."

Nicht verschwiegen werden soll die Gruppe an Skeptikern, die der insgesamt doch sehr geringen Instant-Affinität unserer Leserschaft keinen Glauben schenken möchte und zu der auch Userin "Odette Suzette" zählt: "Mir kommen die Stellungnahmen hier reichlich geschönt bis scheinheilig vor!" In dieselbe Kerbe schlägt der Kommentar von "Phoenixdrache": "Etwas unglaubwürdig, dass hier alle angeben, doch nur hin und wieder passierte Paradeiser, Tiefkühlgemüse oder einen Bio-Würfel zu verwenden ..."

Selbst wenn die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen sollte, das große Geschäft kann sich die Fertignahrungsindustrie mit den Postern von derStandard.at/Lifestyle nicht erhoffen. (gueb, derStandard.at, 13.5.2013)

  • Der Suppenwürfel zählt zum Standardrepertoire unserer User.
    foto: derstandard.at/ped

    Der Suppenwürfel zählt zum Standardrepertoire unserer User.

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