Champions-League-Absenz auf ORF: Toooor!

2. Mai 2013, 17:58
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Während ein trauriger Messi das Match durchsaß, hielt ORF 1 mit "Plan B für die Liebe" dagegen

Womöglich wäre Roman Rafreider ein cooler ORF-Pressesprecher. Niemand vermag Schreckensnachrichten so elegant auf Erbsengröße runterzuschmelzen. Auch jene zur Champions League nicht, die eine ORF-Dauerschmach darstellt - er überträgt ja nicht.

Schrecklicher Mittwochabend also: Das Match zwischen Barcelona und Bayern wartete auf Puls 4 und ZDF, Rafreider aber kam seiner Informationspflicht locker nach. Er schilderte (ZiB 20) die dienstägige Dortmunder Freude über den Sieg gegen Real, stellte eine rhetorische Frage ("Wird es ein rein deutsches Finale?") und wünschte schließlich sogar einen "entspannten Abend".

Bei so viel Lässigkeit wäre auch eine Empfehlung, vom ORF auf Puls 4 umzuschalten, dringewesen, ohne dass der ORF-Chef gleich eine dienstliche Watschenverwarnung ausspricht. Das Match jedenfalls war interessant; an sich eines Senders würdig, der bei kommerziellen Spitzenprogrammen mit der Konkurrenz mitzuhalten nicht aufgibt und gerne sogar Stunden für adelige Glückstränen spendiert.

Während aber ein trauriger Messi das Match durchsaß, hielten ORF 1 mit "Plan B für die Liebe" und ORF 2 mit Tod in den Bergen dagegen (später mit Vergessene Welt und Pater Brown). Das mag zwar billiger sein und nicht erfolglos. Irgendwie peinlich bleibt es. Doch wer weiß! Vielleicht schöpfte der führende ORF-Kopf an diesem Abend durch Konsum von Puls 4 Kraft für bessere Entscheidungen.

Vielleicht vernahm er sogar, wie sein Torjubel mit den Bayern-Jubelgesängen aus anderen ORF-Räumen des Küniglbergs zu einem gewichtigen Chor verschmolz, dessen Botschaft der Chef als wichtiges Zukunftszeichen zu deuten wusste. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 3.5.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bayern demütigte Barcelona.

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