Fossile Knochen weisen auf bisher unbekannte Sauropoden-Art hin

5. Mai 2013, 21:36
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Greifswalder Geologe findet in Überresten aus Tongrube in Mecklenburg-Vorpommern unvollständigen Beckengürtel

Greifswald - Die Fossilien eines Dinosauriers aus Mecklenburg-Vorpommern stellen Forscher vor ein Rätsel. Möglicherweise handelt es sich um die Überreste einer bisher unbekannten Dinosaurier-Art. Der Greifswalder Geologe Sebastian Stumpf ordnete den unter Wirbeltierresten aus einer Tongrube bei Grimmen entdeckten unvollständigen Beckengürtel einer Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden zu. Aus der selben Tongrube stammen auch die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, welcher bislang als der einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns galt.

Stumpf befasste sich in seiner Masterarbeit mit Wirbeltierfunden der Tongrube Klein Lehmhagen. Die Knochenfunde stammen aus mehreren Privatsammlungen. Bei der Untersuchung der Funde entdeckte Stumpf neben den Knochenresten von Fischen und Meeresreptilien den unvollständigen Beckengürtel des neuen Dinosauriers. Form und Proportionen der Beckenknochen belegen die Zugehörigkeit zu der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden. Es scheint sich darüber hinaus sogar um eine neue Gattung und Art zu handeln.

Von der Aufstellung einer neuen Gattung und Art wurde jedoch vorerst noch abgesehen. Weiterführende Untersuchungen bzw. ein detaillierter Vergleich mit den bereits bekannten frühen Sauropoden (der späten Trias und frühen Jura) sollen die Verwandtschaftsbeziehungen des neuen Sauropoden innerhalb der Gruppe klären. Erst danach kann eventuell gesagt werden, ob es sich tatsächlich um eine neue Gattung und Art handelt.

Die größten Landwirbeltiere aller Zeiten

Die Sauropoden gelten als eine der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Dinosaurier. Sie besaßen einen langen Hals, einen langen Schwanz sowie einen verhältnismäßig kleinen Schädel. Die Gruppe brachte die größten Landwirbeltiere der Erdgeschichte hervor. Sauropoden traten erstmalig in der Obertrias auf und verschwanden im Zusammenhang mit dem katastrophalen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Bei dem neuen Sauropoden handelt es sich somit um einen der ältesten Vertreter seiner Gruppe. Die einstige Größe des Tieres kann aufgrund der fragmentarischen Erhaltung nur geschätzt werden. Vermutlich erreichte der neue Sauropode eine Gesamtkörperlänge von fünf Metern.

Die Tongrube Klein Lehmhagen bei Grimmen ist eine regional und international bedeutende Fundstelle unterjurassischer Wirbeltiere (Alter: rund 183 Millionen Jahre, Anm.). Bekannt geworden ist dieses Unterjura-Vorkommen aufgrund seines Fossilreichtums, unter anderem an Ammoniten, Belemniten, Fischen, Insekten und Meeresreptilien. Im Gegensatz zur gut bearbeiteten Wirbellosenfauna ist die Wirbeltierfauna dieses Unterjura-Vorkommens kaum bekannt. Eine Ausnahme sind die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, eines der wertvollsten Sammlungsstücke der Universität Greifswald, welche aktuell unter hohem finanziellem Aufwand der Universität restauriert werden. (red, derStandard.at, 05.05.2013)

  • Der Geologe Sebastian Stumpf zeigt einen teil der fossilen Knochen die möglicherweise zu einer bisher unbekannten Sauropodenart gehören.
    foto: anja ullmann/universität greifswald

    Der Geologe Sebastian Stumpf zeigt einen teil der fossilen Knochen die möglicherweise zu einer bisher unbekannten Sauropodenart gehören.

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