Nichts für Hobbyväter

STANDARD-Mitarbeiter berichten aus ihrem Familienleben: Redakteur András Szigetvari stürzte sich mit seinem Sohn in die Fluten

Der Auftrag aus der Redaktion klang simpel: "Geh mit deinem Kind zum Babyschwimmen und mach darüber einen Erfahrungsbericht", sagte die Kollegin. Mein Sohn, der neun Monate alte Jakob, besucht seit seinem dritten Lebensmonat einen wöchentlichen Babyschwimmkurs in Perchtoldsdorf bei Wien. Der Kleine ist laut seiner Mutter, der regelmäßigen Begleiterin, ein begeisterter Plantscher. Was sollte also schon groß schiefgehen? Die Sache war beschlossen: Für einen Tag würde Papa die Babyschwimmbegleitung übernehmen, um eine Story mit Tipps und Tricks für den Plantschkurs zu machen. Jakobs Mutter sollte in den Hintergrund treten und nur im ärgsten (Still-)Notfall zum Einsatz kommen.

Assistenz-Einsatz der Mutter

Dass die Sache nicht ganz so einfach laufen würde, war rasch klar, als der besagte Tag anbrach. Erste Herausforderung: Packen der Schwimmtasche. Neben dem Handtuch für die Eltern und für den Kleinen braucht Jakob ein Flaschi, Obst, eine Umziehdecke, einen Flaschenwärmer, Badehose, was zum Spielen, Putztücher, Windeln und eine Creme (rauhe Haut!). Während man das alles zusammensucht, muss man gleichzeitig den Kleinen bei Laune halten, die Mutter sollte ja wirklich nur zusehen.

Neben der richtigen Ausrüstung ist Time-Management essenziell. Um elf Uhr beginnt der Kurs. Wer zu spät wegfährt, riskiert, dass die Kinder unausgeschlafen zum Schwimmen erscheinen und rasch die Laune verlieren. Der Aufbruch war daher für zehn geplant. Um 10.05 Uhr war Jakob nicht einmal zur Hälfte angezogen. Als er fertig war, fehlte vom Autoschlüssel jede Spur (während das Kind schon in Overall und Mütze schwitzte), was zum ersten Assistenz-Sucheinsatz der Mutter und zum trockenen Kommentar: "Schreib das ja in deinen Artikel!" führte.

Time-Management ist alles

Um 10.20 Uhr war die Familie auf dem Weg. Selbst mit dem besten Zeitmanagement beginnt das Schwimmen mit Warten, denn die Kleinen wachen nach Ankunft nicht sofort auf. Immerhin ist man nicht allein, in den Autos rundherum saßen die übrigen Schwimmmamas.

Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich die zweite Herausforderung, das Umziehen, leichter meistern. Jakobs Schwimmkurs findet im Pool eines Privathauses statt. Im Gegensatz zu den Babykursen in öffentlichen Bädern ist der Vorteil dabei, dass das Becken allein den Babys gehört, wodurch sie weniger abgelenkt sind. Zu den Nachteilen gehört allerdings, dass es keine getrennten Umkleidekabinen für Mamas und Papas gibt. Babyschwimmen ist bis heute fast reine Frauensache. Vorausschauende Väter erscheinen also mit Badehose an. Das Umkleiden wurde dann zum ersten Vater-Sohn-Highlight, denn Jakob war von dem Gewusel der anderen Kinder derart abgelenkt, dass er auf seinen Umzieh-Protestschrei vergaß.

Um 10.55 Uhr ging's ab unter die Dusche, und um Punkt elf meldete der Papa der Schwimmtrainerin stolz Jakobs Anwesenheit. Allerdings schwand das Triumphgefühl rasch wieder. Der Kurs begann mit einem Kinderlied ("Was machen wir so gerne hier im Bad?"), und die sind für ungeübte Väter gar nicht einfach nachzusingen. Weil zum Lied auch noch eine Choreografie gehört, machte sich rasch das Gefühl breit, verloren zu sein. Die gute Nachricht lautet, dass die eigenen Peinlichkeiten (etwa wenn man blöd den anderen zuschaut, anstatt sich mit dem Baby im Arm im Kreis zu drehen) kaum auffallen, denn schließlich sind alle mit den eigenen Kindern beschäftigt.

Zahlt sich der Aufwand aus?

Zudem fühlt man sich mit Fortdauer des Kurses immer sicherer. Nach dem Singen folgte eine Schwimmscheiben-Übung (die Kind bekommen Gummischeiben unterm Arm, die Eltern sollen nur den Kopf halten und sie ziehen), die Papa und Sohn hervorragend meisterten. Auch über die wackelige Gummimatratze kletterte der Kleine und tauchte anschließend sogar. Aber zahlt sich der Aufwand aus? Definitiv. Übungen wie jene mit den Scheiben sind gut für den Gleichgewichtssinn und die Motorik der Babys, erklärt Jakobs Schwimmtrainerin Renata Kovacs-Schulze. Kinder, die früh ans Wasser gewöhnt werden, verlieren zudem die Angst. Aber natürlich soll die Sache vor allem Spaß machen, und den hatte Jakob sichtlich. Am Ende des halbstündigen Kurses lag er schon ganz entspannt in Papas Armen.

Allerdings ist Babyschwimmen nichts für Hobbyväter: Den meisten Kindern gefällt Schwimmen, sagt Jakobs Trainerin, Angst hätten sie nur, wenn sie sich nicht ans Wasser gewöhnen können, weil sie zu selten in den Kurs kommen. Das mit dem Lied sollte nächstes Mal auch besser klappen. Was machen wir so gerne hier im Bad? Na spritzen! (András Szigetvari, Family, DER STANDARD, 3.5.2013)  

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