Nichts für Hobbyväter

András Szigetvari
3. Mai 2013, 16:04

STANDARD-Mitarbeiter berichten aus ihrem Familienleben: Redakteur András Szigetvari stürzte sich mit seinem Sohn in die Fluten

Der Auftrag aus der Redaktion klang simpel: "Geh mit deinem Kind zum Babyschwimmen und mach darüber einen Erfahrungsbericht", sagte die Kollegin. Mein Sohn, der neun Monate alte Jakob, besucht seit seinem dritten Lebensmonat einen wöchentlichen Babyschwimmkurs in Perchtoldsdorf bei Wien. Der Kleine ist laut seiner Mutter, der regelmäßigen Begleiterin, ein begeisterter Plantscher. Was sollte also schon groß schiefgehen? Die Sache war beschlossen: Für einen Tag würde Papa die Babyschwimmbegleitung übernehmen, um eine Story mit Tipps und Tricks für den Plantschkurs zu machen. Jakobs Mutter sollte in den Hintergrund treten und nur im ärgsten (Still-)Notfall zum Einsatz kommen.

Assistenz-Einsatz der Mutter

Dass die Sache nicht ganz so einfach laufen würde, war rasch klar, als der besagte Tag anbrach. Erste Herausforderung: Packen der Schwimmtasche. Neben dem Handtuch für die Eltern und für den Kleinen braucht Jakob ein Flaschi, Obst, eine Umziehdecke, einen Flaschenwärmer, Badehose, was zum Spielen, Putztücher, Windeln und eine Creme (rauhe Haut!). Während man das alles zusammensucht, muss man gleichzeitig den Kleinen bei Laune halten, die Mutter sollte ja wirklich nur zusehen.

Neben der richtigen Ausrüstung ist Time-Management essenziell. Um elf Uhr beginnt der Kurs. Wer zu spät wegfährt, riskiert, dass die Kinder unausgeschlafen zum Schwimmen erscheinen und rasch die Laune verlieren. Der Aufbruch war daher für zehn geplant. Um 10.05 Uhr war Jakob nicht einmal zur Hälfte angezogen. Als er fertig war, fehlte vom Autoschlüssel jede Spur (während das Kind schon in Overall und Mütze schwitzte), was zum ersten Assistenz-Sucheinsatz der Mutter und zum trockenen Kommentar: "Schreib das ja in deinen Artikel!" führte.

Time-Management ist alles

Um 10.20 Uhr war die Familie auf dem Weg. Selbst mit dem besten Zeitmanagement beginnt das Schwimmen mit Warten, denn die Kleinen wachen nach Ankunft nicht sofort auf. Immerhin ist man nicht allein, in den Autos rundherum saßen die übrigen Schwimmmamas.

Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich die zweite Herausforderung, das Umziehen, leichter meistern. Jakobs Schwimmkurs findet im Pool eines Privathauses statt. Im Gegensatz zu den Babykursen in öffentlichen Bädern ist der Vorteil dabei, dass das Becken allein den Babys gehört, wodurch sie weniger abgelenkt sind. Zu den Nachteilen gehört allerdings, dass es keine getrennten Umkleidekabinen für Mamas und Papas gibt. Babyschwimmen ist bis heute fast reine Frauensache. Vorausschauende Väter erscheinen also mit Badehose an. Das Umkleiden wurde dann zum ersten Vater-Sohn-Highlight, denn Jakob war von dem Gewusel der anderen Kinder derart abgelenkt, dass er auf seinen Umzieh-Protestschrei vergaß.

Um 10.55 Uhr ging's ab unter die Dusche, und um Punkt elf meldete der Papa der Schwimmtrainerin stolz Jakobs Anwesenheit. Allerdings schwand das Triumphgefühl rasch wieder. Der Kurs begann mit einem Kinderlied ("Was machen wir so gerne hier im Bad?"), und die sind für ungeübte Väter gar nicht einfach nachzusingen. Weil zum Lied auch noch eine Choreografie gehört, machte sich rasch das Gefühl breit, verloren zu sein. Die gute Nachricht lautet, dass die eigenen Peinlichkeiten (etwa wenn man blöd den anderen zuschaut, anstatt sich mit dem Baby im Arm im Kreis zu drehen) kaum auffallen, denn schließlich sind alle mit den eigenen Kindern beschäftigt.

Zahlt sich der Aufwand aus?

Zudem fühlt man sich mit Fortdauer des Kurses immer sicherer. Nach dem Singen folgte eine Schwimmscheiben-Übung (die Kind bekommen Gummischeiben unterm Arm, die Eltern sollen nur den Kopf halten und sie ziehen), die Papa und Sohn hervorragend meisterten. Auch über die wackelige Gummimatratze kletterte der Kleine und tauchte anschließend sogar. Aber zahlt sich der Aufwand aus? Definitiv. Übungen wie jene mit den Scheiben sind gut für den Gleichgewichtssinn und die Motorik der Babys, erklärt Jakobs Schwimmtrainerin Renata Kovacs-Schulze. Kinder, die früh ans Wasser gewöhnt werden, verlieren zudem die Angst. Aber natürlich soll die Sache vor allem Spaß machen, und den hatte Jakob sichtlich. Am Ende des halbstündigen Kurses lag er schon ganz entspannt in Papas Armen.

Allerdings ist Babyschwimmen nichts für Hobbyväter: Den meisten Kindern gefällt Schwimmen, sagt Jakobs Trainerin, Angst hätten sie nur, wenn sie sich nicht ans Wasser gewöhnen können, weil sie zu selten in den Kurs kommen. Das mit dem Lied sollte nächstes Mal auch besser klappen. Was machen wir so gerne hier im Bad? Na spritzen! (András Szigetvari, Family, DER STANDARD, 3.5.2013)  

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Dazu fällt mir sofort der Erfahrungsbericht übers Babyschwimmen von Jochen Malmsheimer.
Für alle die das deutsche Deutsch nicht prinzipiell ablehnen doch recht lustig:

http://www.youtube.com/watch?v=b... 2EE71709F9

ich bin auch alleine

mit meiner Tochter zum Mutter-Kind-Schwimmen gegangen. Wir haben beide überlebt, mehr sogar - es war ein richtiger Spaß für Beide! Und da die Mutter krankheitsbedingt im Bett bleiben musste - hatte ich keinen Rettungsschirm zur "Sicherheit" mit. und darum meine Frage: Wo ist mein Artikel?!?

Na, der traut sich was...

...in Anbetracht dessen, daß Männer prinzipiell als geborene Pädophile angesehen werden...

prinzipiell stellt sich mir die frage, wer männer prinzipiell als geborene pädophime ansieht?

ach, derrrr.. naja daaannn

Ein ganz großes Plus für Väter...

ist der sehr hohe m.i.l.f. - Faktor beim Babyschwimmen. So ehrlich muss man sein.

Geh bitte: Stillende Mütter sind keine MILFs.

Sondern?

Unberührbare Heilige?

wieso nicht?

naja...

bei unserem kurs waren alle recht blad. lassen sich halt viele gehen in der karenz. ich habe dann deswegen die lust verloren und habe wieder meine frau geschickt. was soll ich dort.

"...alle recht blad."

Kein Problem damit. Solangs nicht extrem wird.

leider richtig

ich war ein jahr lang babyschwimmen mit meiner nichte und kann das nur bestätigen, k.a. warum viele frauen die schwangerschaft und karenz benutzen um richtig aufzuspecken..
(viele männer schaffen das auch ohne schwangerschaft btw.)

ich bin selber ein bisserl auf der balderen seite. bin aber lustig und habe einen geilen job (mit gut knödl!). also egal.

hier wird fast so lustig gepostet wie unter den Raucher-, Hundstrümmerl-, Wr. Linien oder Auto vs. Fahrrad-Threads. simpel scheint die Welt, schwarz oder weiß, Babyschwimmer oder nicht, Hobbypapa oder Superdad nach gutem alten patriarchalem Vorbild, weils imma so wao!

ja babyschwimmen ist mit viel Stress verbunden (Anfahrt, Abfahrt, richtiger Vor- und Nachschlafzeitpunkt, hundert Dinge mitnehmen, "Essen" vorher nachher) macht aber Spass. auch für Papas die sonst viel Zeit mit dem Baby verbringen. auch für die Babys selbst und ob mans nun glaubt oder nicht: unter richtiger Anweisung förderts die Motorik des Kindes. da nimmt man auch die doofen Lieder in Kauf! und nein Einwegschwimmwindeln braucht man nicht, dichte Badehosen tuns auch...

wenn Babyschwimmen zu viel Stress ist, sollten sie es bleiben lassen. Ihr Kind leidet mit ihnen, auch wenn es nicht versteht wieso.
Aber geben sie nicht nach dem ersten misserfolg auf: auf stress folgt routine! ja, das erste mal ist vermutlich sehr anstrengend. das zweite mal gehts schon leichter, und das dritte mal rennts wie am schnürchen.
der autor hat ganz recht wenn er schreibt "nichts für hobbyväter". gerade als hobbyvater sollten sie etwas mache, was sie gut können. wenn schwimmsachen packen und autoschlüssel suchen eine überforderung für sie darstellt, gehen sie in den park ums eck spazieren.

und ja es kostet was, das ist aber auch gut und fair so. ich erwarte ein sauberes Bad inkl. Sanitäranlagen, eine kompetente Leiterin und keinen Eso-Hokuspokus. das darf dann auch was kosten und im Vergleich zum rosa Bugaboo im Burberry Design mit Offraoadwechselräder für die Hügellanschaft in Pinkafeld ist es günstig.
in meinem Fall kostet das 14,50 EUR pro Einheit (30 min), das ganze dauert fast ein halbes Jahr. ich bin mir sicher die moralinsauren Pseudoexporten hier geben ähnliche Beträge für weitaus schwachsinnigere Freizeitgestaltung aus.

und jetzt her mit den roten Stricherln, die gefallen mir am besten!

da postet endlich mal einer mit ahnung!

meiner tochter macht es seit 3 jahren immer noch großen spaß, meinem sohn hätte es auch gefallen, der darf nur leider wegen seiner ohren im moment nicht; und ja, es ist teuer und das drumherum dauert länger als der spaß; na und?

na servas ...

ich frag mich grad, was dieser vater sonst so in den ersten monaten seines sohnes gemacht hat ... der tut ja so, als ob er seinen sohn das erst mal in händen hält.

Jaja, lauter Superpapis hier im Forum. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen - es gibt Situationen, da ist auch der Papa einfach "NichtdieMama" - zwar immer noch besser als jeder andere, aber halt doch nicht genug.

es gibt Situationen, da ist auch der Papa einfach "NichtdieMama

und zwar?

mir geht das als mama umgekehrt auch nicht besser

meine tochter geht mit ihrem papa jetzt seit 3 jahren zum babyschwimmen, seit 2 jahren ohne mich; wenn ich ihn jetzt ersetzen soll, hab ich auch keinen dunst, was ich zu tun hab und krieg das nicht so gut hin wie der papa; ist halt so;

Heute um 11 Babyschwimmen mit der 6 Monate alten T. Um 12:30 den 3,5 jährigen vom Kiga holen, dann nach dem Essen mit dem grossen um 15 Uhr Musikschule (mit der kleinen natürlich).
Ich glaub ich riech was- Hose voll- ich muss weg!

zur umkleide: in unserem kurs

gibt es zwar theoretisch getrennte kabinen, da aber häufig die ganze familie geht und dann in der kabine zusammenbleibt, ist das letztlich wurscht und jeder dirndld sich da aus, wo ein kastl frei ist.

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