Musikrundschau: Snoop Lion ganz im Fokus

    2. Mai 2013, 17:55
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    Rauchschwaden in den Blauen Bergen Jamaikas oder: Wenn sich ein Altrapper "Reincarnated" gibt

    SNOOP LION
    Reincarnated
    (Sony)
    Das ist ja mal ein schöner Kunstgriff. Altrapper Snoop Dogg, der alte Kifferkaiser aus L. A., hat beim Rauchen eine Erleuchtung gehabt. Eine Stimme befahl ihm, nach Jamaika zu gehen, den alten Namen und das frühere Leben abzulegen und als Snoop Lion wiedergeboren zu werden.

    Gemeinsam mit dem US-Produzenten Thomas Pentz alias Diplo alias Major Lazer ballerte er sich in den Geejam Studios in Portland nahe Port Antonio und in Bob Marleys altem Tuff Gong Studio in Kingston das Hirn endgültig mit purem Gras in unterarmgroßen Joints weg. Er singt nun zu gemäßigtem Hightech-Reggae und technoiden Ballermann-Dancehall-Riddims über Kiffen als politische Auflehnungsgeste (Rebel Way) oder darüber, dass man als Kiffer um Gottes willen immer ein Feuerzeug dabei haben sollte (Lighters Up). The Goody Good und Smoke The Weed behandeln wohl ebenfalls das Thema Rauchen.

    Sein Duett mit Teenie-Superstar-Altspatz Miley Cyrus (Miley Cyrus, Oida!!!) belegt aber, dass er offensichtlich vom Zimmermädchen im Luxusresort über den Bergen von Kingston einmal ordentlich Schimpfe bekam, weil er danebengeascht hat: Ashtrays and Heartbreaks. Das Ganze ist realsatirisch natürlich kaum zu toppen. Sehr wahrscheinlich haben sie sich in Jamaika vor Lachen noch Wochen danach wegen des lustigen Mannes aus Amerika gebogen. Also, eher innerlich. Lachen ist schnell einmal anstrengend und artet in Arbeit aus.

    Eine gleichnamige filmische Dokumentation über die ganze Faschingssause gibt es auch. Darin sagt Snoop Lion auf der Suche nach dem Geist Bob Marley als wiedergeborener Rasta Sätze wie: "I'm tired of rap. Get older, get wiser. Big wiser like Budweiser. Like Bob." Vom Straßengangster, der rappte, weil dort teilweise weniger geschossen wurde, über die Produktion von Pornofilmen und eine kurzfristige Mitgliedschaft in der Nation of Islam bis zu den Rauchschwaden in den Blauen Bergen Jamaikas am Grab Bob Marleys war es ein weiter Weg.

    Dass man als Rasta den ehemaligen afrikanischen Despoten Haile Selassie verehrt, Frauen als niederes Dienstpersonal und Gebärmaschinen behandelt und von Homosexualität als schwerer Sünde spricht, passt biografisch allerdings wie die Faust aufs Auge. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 3.5.2013)

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      foto: sony
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