Nordkorea verurteilt US-Bürger

2. Mai 2013, 18:37
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15 Jahre Zwangsarbeit für "staatsfeindliche Verbrechen" - Kenneth Bae soll bettelnde Kinder gefilmt haben

Pjöngjang/Peking - Pjöngjangs isolierte Machthaber, die nach ihrem Raketen- und Atomwaffentest unter verschärften UN-Sanktionen stehen, provozieren seit Wochen die Außenwelt mit Angriffsdrohungen. Nun spielen sie ihren zweiten Trumpf aus, um die USA zum Nachgeben und zu direkten Verhandlungen zu zwingen. Das "Staatskidnapping", wie Südkoreas Medien es nennen, funktioniert so: Unter fadenscheinigen Beschuldigungen wird ein US-Amerikaner verhaftet und mit größter Härte abgeurteilt. Dann wartet der Norden ab: Ein hochrangiger US-Besucher, mit Vorliebe ein Ex-Präsident, wird nach Pjöngjang reisen und um Gnade bitten. Dann lassen sie den Verurteilten aus "humanitären" Gründen ausreisen.

Der zynische Kuhhandel wird derzeit offenbar mit dem am 3. November verhafteten US-Bürger koreanischer Abstammung Kenneth Bae vorexerziert. Er wurde wegen "staatsfeindlicher Verbrechen" zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Wenn Bae freikommt, wäre er der sechste US-Bürger, der seit 2009 auf diese Weise auf nordkoreanischem Boden verhaftet, verurteilt und abgeschoben wurde.

Bettelnde Kinder gefilmt

Wie Chinas Nachrichtenagentur Xinhua meldete, fällte das Oberste Gericht in Pjöngjang sein Urteil gegen Bae am Dienstag. Es gab es aber erst nach dem Maifeiertag am Donnerstag bekannt, um so maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Der Reiseleiter aus Washington war in die nordkoreanische Stadt Rason gereist, die an der Grenze zu China und Russland liegt. Dort wurde er verhaftet. Angeblich soll er bettelnde Kinder gefilmt haben. Das Gerichtsurteil nennt keine Details. Nach Angaben von Xinhua sagt es nur, dass Bae seine "Verbrechen des beabsichtigten Umsturzes gestand. Er hat aus Feindschaft zur DPRK (Nordkorea) gehandelt." Es gebe für "seine Verbrechen Beweise".

Südkoreanische Meldungen, Ex-US-Präsident Jimmy Carter wolle nach Nordkorea reisen, wurden von Carters Sprecherin dementiert. Offizielle Stellen in Seoul warnten, damit Nordkoreas Propaganda in die Hände zu spielen.

Verbindungen abgebrochen

Die Verbindungen zwischen Nord- und Südkorea sind fast vollständig abgebrochen. Bis auf sieben verwaltungstechnische Mitarbeiter verließen alle Südkoreaner die Sonderwirtschaftszone Kaesong, die letzte direkte Verbindung zwischen beiden Staaten. Die verbliebenen Südkoreaner sollten nur noch die Monatslöhne der 53.000 nordkoreanischen Arbeiter abrechnen und das Gelände bis Donnerstagabend ebenfalls verlassen.

Pjöngjang hat vor zwei Wochen alle Arbeiter abgezogen und damit die Produktion von 123 südkoreanischen Unternehmen zum Stillstand gebracht. Südkorea legte am Donnerstag einen Notfonds mit rund 207 Millionen Euro für seine betroffenen Unternehmen auf. (Johnny Erling, DER STANDARD, 3.5.2013)

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    Zwischen die Fronten geraten: Kenneth Bae.

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