Familiäres Steuersparen

2. Mai 2013, 17:44
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Ein enormer Anteil des Einkommens geht an die Steuer. Als Familie kann man sich zumindest einen Teil davon wieder vom Finanzamt zurückholen

Die Mustermanns bestreiten den Haushalt ihrer vierköpfigen Familie mit zwei Einkommen: Frau Mustermann verdient als Zahntechnikerin in Teilzeit 550 Euro. Herr Mustermann ist Elektromechaniker mit einem Gehalt von 3000 Euro. So kommen sie immerhin auf ein gemeinsames Bruttoeinkommen von 3550 Euro im Monat. Aber das Leben kostet – und Kinder auch, wie etwa der siebenjährige Max und die fünfjährige Marie: Tagesmutter, Kindergarten, Hort samt Essensgeld oder auch ein Ferienlager. Dazu kommen noch Alimente für Herrn Mustermanns Sohn Moritz, der bei seiner Exfrau lebt. Auch Kleidung, Fahrräder oder Spielsachen kosten, und das ist längst noch nicht alles. Außerdem gehen von Mustermanns Gehalt Monat für Monat rund 552 Euro als Lohnsteuer ans Finanzamt. Zumindest davon aber könnten sich die Mustermanns als Familie nach dem Jahresende über die Arbeitnehmerveranlagung wieder bares Geld zurückholen. Denn bestimmte Ausgaben für Kinder vermindern die Steuern – man muss nur wissen welche.

220 Euro Freibetrag

Einen Kinderfreibetrag gibt es für jedes Kind, für das man im Steuerjahr mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen hat. Bei den Mustermanns ist das sowohl bei Max als auch Marie der Fall: Sie erhalten also pro Kind 220 Euro, insgesamt also 440 Euro als Freibetrag von der Steuer zurück.

Von den Kinderbetreuungskosten für Max und Marie können die Mustermanns bis zu 2300 Euro pro Kind und Jahr von der Steuer absetzen, weil sie für beide Familienbeihilfe beziehen und beide Kinder  noch nicht zehn Jahre alt sind. Voraussetzung dafür ist außerdem, dass die Kinder von anerkannten Kinderbetreuungseinrichtungen oder pädagogisch qualifizierten Tageseltern betreut werden. Das trifft bei den Mustermanns zu: Für Maxens Betreuung geben seine Eltern 1570 Euro für den Hort, 600 Euro für das Essensgeld im Jahr aus, dazu kommt noch ein Ferienlager im Sommer, das 500 Euro kostet – macht insgesamt 2670 Euro.

2300 Euro davon verringern die Steuern. Bei Marie kosten das Essensgeld 500 Euro pro Jahr, dazu kommen 500 Euro für zusätzliche Tageselternbetreuung, macht 1000 Euro. Insgesamt können die Mustermanns also 3300 Euro ihrer Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen. Und sofern eines der Kinder später einmal ein Internat besuchen muss, weil sich in der Nähe ihres Wohnortes keine passende Schule befindet, gibt es auch wegen solcher Mehrkosten Freibeträge bei der Steuer.

Alleinerzieherabsetzbeträge

Außergewöhnliche Belastungen, die sich bei Kindern zum Beispiel wegen einer Behinderung oder Krankheiten ergeben, wirken sich ebenfalls die Steuer aus. Allerdings gibt es hier Selbstbehalte je nach Krankheit und Behinderungsgrad. Marie leidet an Zöliakie, braucht deshalb Diätverpflegung: Für die Eltern bedeutet das Mehrkosten, wovon sie aber 840 Euro bei der Steuer geltend machen können.

Für Alleinerziehende und Alleinverdienende gibt es Absetzbeträge: Als Alleinverdiener nach dem Steuerrecht gilt man, wenn man für zumindest ein Kind mehr als ein halbes Jahr Familienbeihilfe bezogen hat und in einer Ehe, Lebensgemeinschaft oder eingetragenen Partnerschaft gelebt hat und die Partnerin nicht mehr als 6000 Euro im Steuerjahr verdient hat. Weil Frau Mustermann sich von ihrem Bruttojahresgehalt zum Beispiel noch die Sozialversicherung oder den Gewerkschaftsbeitrag abziehen kann, kommt sie unter diese Grenze.

Der Alleinverdienerabsetzbetrag ist außerdem nach der Anzahl der Kinder, für die man Familienbeihilfe bezieht, gestaffelt: Bei einem Kind sind es 494 Euro, bei zwei 669 Euro, für jedes weitere Kind kommen 220 Euro dazu. Die Familie Mustermann erspart sich deshalb über den Alleinverdienerabsetzbetrag wegen der beiden Kinder 669 Euro ihrer jährlichen Steuern. Die Familienbeihilfe für Moritz bezieht schließlich dessen Mutter.

Einen Teil zurückholen

Unterhaltsabsetzbeträge gibt es für Kinder, die nicht im gleichen Haushalt leben, sofern man die Alimente nachweislich bezahlt hat. Herr Mustermanns ältester Sohn lebt bei seiner Exfrau. Wegen der Alimentezahlungen kann er als Unterhaltsabsetzbetrag 29,20 Euro monatlich, insgesamt also 350,40 Euro im Jahr von der Steuer absetzen.

Mehrkindzuschläge von 20 Euro im Monat gibt es für Familien ab dem dritten Kind, sofern ihr gemeinsames Jahreseinkommen höchsten 55.000 Euro ausmacht. Nur zwei Kinder der Mustermanns leben im selben Haushalt, sie erhalten also keinen Mehrkindzuschlag.

Insgesamt erhält die Familie damit genau 2992,40 Euro, also fast 3000 Euro als Steuergutschrift wieder vom Finanzamt zurück, sofern Herr Mustermann eine Arbeitnehmerveranlagung macht. Die lohnt sich übrigens auch für Frau Mustermann, obwohl sie keine Lohnsteuer gezahlt hat. Für sie gibt es zumindest 110 Euro an Negativsteuern. Eine Familie kostet also zwar immer mehr Geld, immerhin kann man sich aber zumindest einen Teil davon bei den Steuern wieder zurückholen. (Martina Madner, Magazin "Family", DER STANDARD, 2.5.2013)

Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung

Finanzministerium

Arbeiterkammer

  • Das Leben kostet – Kinder auch: Von der Steuer absetzen lassen sich u.a. der Kinderfreibetrag, Kinderbetreuungskosten und Alimentezahlungen.
    illustration: rawicka

    Das Leben kostet – Kinder auch: Von der Steuer absetzen lassen sich u.a. der Kinderfreibetrag, Kinderbetreuungskosten und Alimentezahlungen.

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