Konrad: "Ich sehe es als Gottes Fügung"

Interview2. Mai 2013, 17:59
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Otto Konrad über eine mögliche Regierungsbeteiligung des Teams Stronach in Salzburg und finanzielle Unterstützung von seinem Chef

Otto Konrad, ehemaliger Tormanntrainer der Nationalmannschaft, tritt für das Team Stronach in Salzburg auf dem zweiten Listenplatz an. Im Interview mit derStandard.at erzählt er, warum er den Job beim ÖFB und als Unternehmensberater im Gesundheitsbereich für die Politik aufgegeben hat. "Das hat natürlich finanzielle Einbußen zur Folge. Das Kranke an unserem System ist ja auch, dass du wenn du dich politisch outest, mit solchen Konsequenzen rechnen musst", sagt Konrad.

derStandard.at: Sie haben einmal erzählt, dass Sie Frank Stronach getroffen haben und sich bei den politischen Ideen sehr ähnlich waren. Wie ist es zu diesem Treffen gekommen?

Konrad: Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich ein Interview gegeben. Damals ist gerade herausgekommen, dass Frank Stronach in die Politik gehen will. Der Redakteur hat mich gefragt, mit wem ich gerne einmal frühstücken würde. Ich habe geantwortet: mit Frank Stronach. Drei Tage später habe ich einen Anruf bekommen, bei dem es geheißen hat, dass er mich gerne treffen würde. Wir haben uns dann zwar nicht zum Frühstück, aber zum Mittagessen getroffen. Mir ging es darum, den Menschen kennenzulernen. Ich habe mit ihm geredet, und er hat mir den Film über sein Lebenswerk gezeigt. Dann hat er mich gefragt, wie es bei mir ausschaut.

derStandard.at: Was haben Sie ihm erzählt?

Konrad: Meine Familie hatte zwar nicht viel Geld gehabt, aber ich bin in einer goldenen Generation groß geworden. Ich habe neben dem Fußball immer gearbeitet. Heute habe ich eine 17-jährige Tochter. Der möchte ich das Leben noch angenehmer gestalten. Ich habe zu ihm gesagt: Wir haben ein Generationenthema. Ich weiß, dass die Generation meiner Tochter das auslöffeln muss, was wir verbockt haben. Dann schaut er mich an und sagt: Du hast es verstanden. Er hat zu mir gesagt, dass er noch immer so viele Firmen hat und solche Leute wie mich brauchen kann, ich soll mir einen Termin ausmachen. Da haben wir noch lange nicht von Politik gesprochen.

derStandard.at: Sondern da ging es um die Mitarbeit bei Magna?

Konrad: Da ging es um die Menschen. Sowohl Stronach wie auch Konrad. Er hat gesagt: Du taugst mir, du hast fachlich einiges Wissen, vor allem im Gesundheitsbereich. Das war im Herbst. Dann habe ich mich mit seiner Mitarbeiterin Kathrin Nachbaur getroffen. Da haben wir auch über das politische Engagement gesprochen. Ich habe gesagt, dass ich das Expertenteam im Bereich Gesundheit unterstützen kann. Dann war plötzlich Salzburg Thema. Ich habe gesagt: Na ja, uninteressant ist das nicht. Ich war zwar bereit, Risiko zu tragen, aber kein Mensch weiß, wie das ausgeht, wenn ich mich politisch engagiere. Stronach hat gesagt: Das Politische ist das eine, Aufgaben in meinen Unternehmen ist das andere, wir teilen uns das Risiko. Ich habe auch drei Hearings durchgemacht zum Thema Politik. Die müssen natürlich auch wissen, was hat der Otto Konrad überhaupt gemacht, wie schaut die Vergangenheit aus.

derStandard.at: Was waren das für Hearings, wer war da?

Konrad: Das war im Frank-Stronach-Institut, wo Personalentwicklung gemacht wird. Da waren die Parteimitglieder Karin Prokop und Waltraud Dietrich dabei, die zwei anderen will ich namentlich nicht erwähnen. Da ist es darum gegangen, wie weit bin ich in Wirtschaft und Politik drin. Sie haben dann gesagt, dass bei mir eigentlich alles da ist, was der Frank Stronach haben möchte. Er möchte Quereinsteiger haben, die auch seine Werte unterschreiben. Damit habe ich überhaupt kein Problem gehabt. Ich habe sogar ein Persönlichkeitsprofil erstellen lassen, von mir selbst. Ich habe mich testen lassen, ob ich für die Politik geeignet bin. Da ist wirklich überall ein super Plus herausgekommen.

derStandard.at: Sie haben gesagt, dass Sie mit Frank Stronach gemeinsam das Risiko tragen, was meinen Sie damit?

Konrad: Ich habe ja bei meiner Firma aufhören müssen. Das war ein Riesenverlust. Auch beim ÖFB musste ich aufhören. Das hat natürlich finanzielle Einbußen zur Folge. Das Kranke an unserem System ist ja auch, dass wenn du dich politisch outest, mit solchen Konsequenzen rechnen musst. Ich habe einen befristeten Dienstvertrag. Das ist kein Geheimnis. Ich bin aber in Salzburg der einzige. Das hat sich alles ergeben. Das ist Schritt für Schritt gegangen. Es ist nicht so, dass er gesagt hat: Engagier dich in Salzburg und dann bezahl ich dich. Das ist über seine Firma gegangen, wo er gefragt hat, ob ich sie da im Prozessmanagement unterstützen kann.

derStandard.at: Der befristete Dienstvertag ist in also nicht für die Arbeit in seinen Unternehmen, sondern für die politische Arbeit?

Konrad: Der ist ausgeweitet worden. Es steht schon drinnen, dass ich politisch unterstütze. Wenn ich dann sage, es ist doch nicht meines, dann kann ich mich wieder zurückziehen.

derStandard.at: Wie haben Sie entschieden, dass Sie in die Politik gehen wollen und nicht mehr Tormanntrainer sein wollen?

Konrad: Ich weiß nicht, ob ich Politiker werde.

derStandard.at: Sie sind politisch aktiv.

Konrad: Das stimmt, ja. Für mich war eines klar, wenn ich mich für das eine entscheide, fällt das andere weg. Frank Stronach hat zwar gesagt, dass ich beides machen kann, aber für mich war klar, dass der ÖFB sagen wird, dass das nicht geht. Ich habe mich dann mit dem ÖFB-Präsidenten Leo Windtner getroffen. Wir haben beschlossen, wir trennen uns einvernehmlich.

derStandard.at: Aber warum haben Sie sich dann tatsächlich dafür entschieden, Ihren Job als Tormanntrainer aufzugeben?

Konrad: Weil ich das, was sich vor allem in Salzburg abspielt, so etwas von satt habe. Wenn der Frank Stronach kommt und sagt, er will etwas verändern – wir reden ja da fast von einem Paradigmenwechsel – dann sehe ich es als Aufgabe, als Gottes Fügung, die Möglichkeit anzunehmen. In den nächsten 25 Jahren müssen wir in Salzburg vielleicht 70 Millionen Euro jährlich an Schuldentilgung zurückzahlen. Das ist nicht eine Generation, das sind zwei, die das abzahlen müssen. Wir haben 3,2 Milliarden Euro Schulden. Wir haben Spekulationspapiere und kein Mensch weiß, was die noch wert sind. Die SPÖ trägt das auch nicht nach außen.

derStandard.at: Wären Sie auch ohne Frank Stronach in die Politik gegangen?

Konrad: Nein, ich glaube nicht. Ich breche es immer auf das Wesentlich herunter: Das, was er möchte, der Hüter der Werte zu werden, das unterstütze ich. Und auch die Art der Politik, dass wir sagen, wenn etwas sinnvoll ist, dann unterstützen wir es als Partei. Da hat er einen riesengroßen Vorteil mit seinen Expertengruppen. Man kann konkrete Fragen einreichen und die Expertenrunden entscheiden politisch unabhängig.

derStandard.at: Aber wer diese Experten sind, weiß man ja nicht.

Konrad: Teilweise, ja. Diese Experten wollen sich nicht nach außen outen.

derStandard.at: Aber die gibt es?

Konrad: Ja klar, freilich. Die kriegen einen Auftrag, eine Expertise zu erstellen. Das kostet alles Geld. Bei Rot, Schwarz und Blau kriegen Experten einen Auftrag und dafür dann einen Job oder einen Gefallen. Wer zahlt das? Bei uns zahlt das Frank Stronach aus seiner Tasche.

derStandard.at: Warum sind eigentlich nicht Sie der Spitzenkandidat in Salzburg?

Konrad: Das Thema war kurz am Tapet. Ich habe von Anfang an gesagt, ich weiß, was ich kann und was nicht, ich bin absoluter Quereinsteiger. Mit genug Vorbereitung hätte ich es mir zugetraut. Wenn es einen besseren gibt, der in unser Team passt, unterstütze ich den natürlich. Mit dem Hans Mayr haben wir einen erfolgreichen Regionalpolitiker, der macht das gut. Wir sind ein Team und wollen auch so auftreten.

derStandard.at: Was macht Sie zum Gesundheitssprecher der Partei?

Konrad: Ich bin Bandagistenmeister und ich war bei Health-Care-Logistik und habe Unternehmensberatung im Gesundheitsbereich gemacht. Ich bin kein Mediziner.

derStandard.at: Was sind Ihre gesundheitspolitischen Forderungen?

Konrad: In Deutschland werden Krankenhäuser zugesperrt, wenn sie nicht kostendeckend sind. Das wäre bei uns schlecht, weil die Topografie anders ist. In Tamsweg zum Bespiel braucht man ein Schwerpunktkrankenhaus. Es muss uns aber auch klar sein, dass das derzeitige Gesundheitswesen nicht mehr finanzierbar ist. Es gibt im Gesundheitswesen nur zwei Kostenfaktoren: Sachkosten und Personalkosten. Bei den Sachkosten sind wir in Österreich ein Hochpreisland und zahlen teilweise das Doppelte oder Dreifache wie in Deutschland. In Niederösterreich hat es die Firma, bei der ich gearbeitet habe, geschafft, dass Ärzte nicht mehr das bekommen, was sie wollen, sondern das, was sie brauchen. Man muss sich auch Gedanken darüber machen, welches Krankenhaus wie und wo Sinn macht. Wir wissen auch, dass die Ärzte im Turnus so gut wie nichts verdienen. Ein Wahnsinn.

derStandard.at: Sie warnen davor, dass Linz, wenn es eine eigenen Medizin-Fakultät bekommt, in diesem Bereich an Salzburg vorbeizieht.

Konrad: Das Land Salzburg muss sich deklarieren. Will man die Medizinische Privatuniversität weiter unterstützen und weiter ausbauen, oder will man ganz einfach auf dieser Ebene weiterarbeiten. Dann kann es sein, dass uns Linz überholt. Das Budget vom Bund wird auf Graz und Innsbruck verteilt, jetzt kommt dann vielleicht Linz auch noch dazu. Es ist fraglich, ob in Salzburg die Finanzierung der Privatuni aufrechtzuerhalten ist. Es ist verabsäumt worden, die richtigen Schritte einzuläuten, um einen öffentlichen Status zu erreichen.

derStandard.at: Wie passt es zusammen, dass man antritt, um etwas am System zu ändern, und dann aber nicht regieren will?

Konrad: Wer hat das in Salzburg gesagt?

derStandard.at: Frank Stronach sagt, er will nicht in die Regierung.

Konrad: Reden wir jetzt über die Bundespartei oder die Landespartei?

derStandard.at: Also in Salzburg wollen Sie mitregieren?

Konrad: Das hängt davon ab, wie viele Stimmen wir bekommen. Der Grundsatz von Stronach ist, dass er alles unterstützt, was sinnvoll ist, und sich an seinen Werten Wahrheit, Transparenz und Fairness orientiert. Wir werden sehen, was in Salzburg passieren wird. Wir wollen Politik betreiben. Ob das jetzt von der Regierungsebene aus passiert oder als Oppositionspartei, das wird man sehen. Wir schließen es nicht aus. Wir müssen aber von den anderen Parteien die Zustimmung dafür bekommen, dass unsere Werte eingehalten werden. (Lisa Aigner, derStandard.at, 2.5.2013)

Otto Konrad (48) tritt in Salzburg für das Team Stronach auf Listenplatz zwei an. Er war unter anderem Tormann beim SV Salzburg Austria und hat eine Meisterprüfung als Bandagist abgelegt. Er hat einen Mastertitel in Projekt- und Prozessmanagament und war vor seinem Eintritt ins Team Stronach bei der InMEDiG GmbH als Unternehmensberater im Gesundheitsbereich tätig. Zudem war er Tormanntrainer bei der österreichischen Nationalmannschaft.

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    "Du hast es verstanden", soll Frank Stronach zu Otto Konrad bei einem ersten Treffen gesagt haben.

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