Occupy Sussex gegen die Uni als Fabrik

7. Mai 2013, 16:17
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Eine Besetzung, die zum Symbol für den Protest gegen die Privatisierung der britischen Hochschulen wurde: In Südengland radikalisierte sich der Protest von Studenten und Angestellten

Es war Mai 2012, als 235 Uni-Angestellte den Hörsaal verließen, in dem sie gerade erfahren hatten, dass ihre Arbeitsplätze privatisiert werden sollen. Mensas und Cafés, der Betrieb der Studentenunterkünfte und anderer nicht-akademischer Dienstleistungen sollten verkauft werden. Dazu verordnete das Rektorat ihren Angestellten zunächst zu schweigen.

Die Pläne der Universität Sussex in Südengland blieben nicht lange geheim. In den elf Monaten seitdem ist viel passiert. Nach wöchentlichen Treffen, kleineren Demos und erfolglosen Versuchen, die Gewerkschaften zu mobilisieren, wurde am 7. Februar der Konferenzsaal der Uni besetzt. Alle Verhandlungswege schienen erschöpft.

57 Tage - verschiedene Phasen einer Besetzung

Manchmal mussten Essen und Menschen heimlich an der privaten Sicherheitsfirma vorbei reingeschmuggelt werden. Politische Veranstaltungen mit Gästen wie Noam Chomsky, Konzerte, Seminare und Debatten. Bis hin zu Verhaftungen und schließlich einer gerichtlich verfügten Räumung des Konferenzsaals.

Occupy Sussex befürchtet eine radikale Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für das Personal. Im Raum steht auch die Frage, was folgt: Wird es auch Bibliotheken, IT-Dienstleistungen und Lehre und Forschung treffen?

Eine Marktwirtschaftslogik fegt über den Campus

Der Entwicklungsplan der Uni hat beispielsweise das Ziel, die Aktivitäten des Betriebs bis 2015 um 20 Prozent zu steigern. Dabei bleibt unklar, was wachsen soll, deutlich wird nur, dass die Uni als Unternehmen gilt. Diese Entwicklung ist keine Ausnahmeerscheinung, das britische Uni-Wesen wird radikal reformiert (siehe Wissen). Zu den Folgen zählen Kürzungen und Schließungen von "nicht rentablen und wettbewerbsunfähigen Fachbereichen" wie Philosophie, Soziologie und Geschichte.

Ebenso ist die Kampagne nicht auf den Campus beschränkt. Die auch internationale Unterstützung manifestiert sich in hunderten von Briefen, tausenden Unterschriften, Spenden bis hin zu der Demonstration am Campus, die mit 2000 Teilnehmern zur größten in der Geschichte der Universität wurde.

Ein gelbes Quadrat

Ein gelbes Quadrat, das Symbol der Kampagne, prangt inzwischen campusweit in Fenstern und an Jacken. John Duffy, einer der Manager, sagte, die Privatisierungspläne würden nicht stoppen, selbst wenn alle Angestellten und Studenten vor seinem Büro ständen, um dies zu verlangen.

Die Besetzung ist vorbei, aber der Protest geht weiter. Der finanzielle Druck, der durch Occupy Sussex entstanden ist, beträgt bereits mehr als eine Viertelmillion Pfund (rund 296.500 Euro). Ein Streik steht in der Luft, und das kann nicht ewig ignoriert werden. (Sarah Becker und Felix Zeisluft, DER STANDARD, 3.5.2013)

Die Autoren engagieren sich für Occupy Sussex.

Link:

sussexagainst privatization.wordpress.com

  • Ein Protest, der für viele steht: Briefe und Spenden erreichten Occupy Sussex. Man protestiert gegen Privatisierungen im Uni-Wesen.
    foto: sussexagainstprivatisation

    Ein Protest, der für viele steht: Briefe und Spenden erreichten Occupy Sussex. Man protestiert gegen Privatisierungen im Uni-Wesen.

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