Von der Votivkirche in den Hörsaal

7. Mai 2013, 16:28
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Die aktuellen Flüchtlingsproteste sind Thema einer Ringvorlesung an der Uni Wien

Während der letzten Monate brodelte es an vielen Orten dieser Welt. Occupy, Wutbürger, Arabischer Frühling - die Protestbewegungen sind durch die neuesten technologischen Entwicklungen vor allem eines geworden: schnell. Für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung kann diese Geschwindigkeit ein Hindernis bedeuten - an der UniWien findet dieses Semester eine Ringvorlesung statt, die dem entgegenwirken will.

Zwei der drei Leiter der Lehrveranstaltung "Migrationsregime und aktuelle Flüchtlingsproteste", Ilker Ataç und Stefanie Kron, bestätigen, dass die Forschung zu sozialen Bewegungen aktuellsten Entwicklungen oft nachhinke: "Normalerweise findet eine Vorlesung wie diese erst in zwei Jahren statt", sagt der Politikwissenschaftler Ataç. Allein schon räumlich habe es Sinn gemacht, die Ereignisse im benachbarten Votivpark zum Gegenstand einer Lehrveranstaltung an der Uni Wien zu machen, ergänzt die Soziologin Kron.

Ein Blick in das Programm der Ringvorlesung, die jede Woche von etwa 150 Studierenden aus unterschiedlichsten Studienrichtungen besucht wird, offenbart einen interdisziplinären Zugang. Vortragende sind dabei nicht nur Wissenschafter aus verschiedenen Disziplinen, sondern auch Aktivisten und Künstler. Im Zentrum stehe die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen politischem Aktivismus und wissenschaftlicher Forschung gestaltet, beschreibt Ataç den Zugang.

Bewusstsein schaffen

Vertreter der Refugees eröffneten die Ringvorlesung. Für sie stelle der Kontakt zu Universität und Studierenden ein wichtiges Element ihrer Aufklärungsarbeit dar, sagt Khan Adalat bei einem Besuch im Servitenkloster. "Wir wollen nicht ständig als Opfer dargestellt werden, sondern den Leuten klarmachen, wie die Situation für Menschen, die nach Österreich kommen, aussieht." Für Kron ist dieser Ausspruch eine der Besonderheiten der aktuellen Flüchtlingsproteste - "sie gehen über praktische Forderungen hinaus".

Den Organisatoren der Ringvorlesung war es außerdem wichtig, neben unterschiedlichen Akteuren auch eine internationale Perspektive zu ermöglichen. Mit einer Aktivistin aus Griechenland wird etwa auch die Situation für Flüchtlinge in einem Land an der EU-Außengrenze diskutiert.

Das Refugee-Camp schlägt sich allerdings nicht nur in der Ringvorlesung nieder. "Eine ganze Reihe Studierender hat sich entlang der Proteste politisiert", sagt Kron. Einige nahmen die Proteste als Anlass zur Forschung. Eine Handvoll Studierende der Internationale Entwicklung haben einzelne Aspekte der Refugee-Bewegung zum Thema ihrer Diplomarbeit gewählt. (Lara Hagen, DER STANDARD, 3.5.2013)

Die Ringvorlesung findet jeden Donnerstag von 18.30 bis 20 Uhr im Hauptgebäude der Uni Wien im Hörsaal 28, statt.

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