Innsbrucker Mediziner fanden für Ichthyose verantwortlichen Gendefekt

2. Mai 2013, 12:50
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Innsbrucker Humangenetiker identfizierten eine Genmutation, die für die seltene und für Kinder potenziell tödliche Haut-Verhornungsstörung verantwortlich ist

Ein Team der Sektion für Humangenetik an der Innsbrucker Medizinischen Universität hat den für die angeborene Ichthyose verantwortlichen Gendefekt identifiziert. Bei dieser schweren Form der Verhornungsstörung der Haut ist die natürliche Balance zwischen Abstoßung und Neubildung kleinster Hautschuppen gestört. Die Studie wurde in der der dermatologischen Fachzeitschrift "Journal of Investigative Dermatology" veröffentlicht und sollen eine gezielte Diagnose und Therapieentwicklung unterstützen.

Bei Kindern lebensbedrohlich

Ichthyose äußert sich in trockener, rauer Haut mit einer großflächigen Schuppung und gelegentlichem Juckreiz. Die Symptome resultieren aus einer gestörten Barrierefunktion der obersten Hautschicht, der Hornhaut, deren Zellen gemeinsam mit dazwischen eingelagerten Fetten eine wasserabweisende Schicht zum Schutz vor Austrocknung und dem Eindringen von Keimen bilden. Die Haut Betroffener entwickelt große Hautschuppen und eine verdickte Hornhaut.

Leidet ein Kind bereits von Geburt an unter dieser Erkrankung, sprechen Mediziner von einer kongenitalen Ichthyose. Diese könne wegen stark erhöhter Infektionsgefahr lebensbedrohlich sein und müsse sofort durch wärmeregulierende Maßnahmen, sprich Brutkasten, behandelt werden. Mit einer Häufigkeit von 1:200.000 in Mitteleuropa zählt die Erkrankung zu den seltenen Krankheiten.

Das Krankheitsbild der kongenitalen Ichthyose kann durch Veränderungen in unterschiedlichen Genen verursacht werden. Mit der Identifikation des krankheitsauslösenden Enzyms Ceramid-Synthase 3 sei nun ein entscheidendes genetisches Bindeglied gefunden worden. "Auf der Grundlage genetischer Analysen an einer Familie aus Deutschland mit gehäuftem Auftreten der kongenitalen Ichthyose konnten wir nachweisen, dass das Enzym Ceramid-Synthase 3 (CerS3) eine entscheidende Rolle in der Ausbildung der Barrierefunktion der Haut innehat. Wir können außerdem darstellen, dass vor allem die langkettigen Ceramide am Aufbau der Hornhaut maßgeblich beteiligt sind", erklärte Dermatogenetiker Hans Christian Hennies.

Erblich bedingt

Grundsätzlich handelt es sich bei den meisten Ichthyosen um erblich bedingte Verhornungsstörungen. "Ist CerS3 durch eine Mutation in dem Gen CERS3 deaktiviert, wird der Prozess des Hornhaut-Aufbaus gestört und es entwickelt sich eine angeborene Ichthyose. Diese Form der kongenitalen Ichthyose kann nun anhand eines spezifischen genetischen Tests eindeutig nachgewiesen werden", so die Erstautorin der Forschungsarbeit Katja Martina Eckl.

Das durch die Erkenntnisse einhergehende bessere biologische Verständnis über die Funktion der langkettigen Ceramide würde auch neue Ansatzpunkte für die Entwicklung kausaler Therapiekonzepte bieten. Die bisherige Therapie beinhalte nämlich ausschließlich symptomatische Maßnahmen in Form von Bädern, Cremes und Salben.

"Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Deaktivierung von CerS3 bereits sehr früh in den Prozess der Differenzierung der hornbildenden Zellen (Keratinozyten) eingreift. Auf der Basis geeigneter Hautmodelle könnten ursächliche Behandlungsstrategien entwickelt werden, vorstellbar ist die Modulierung des Ceramid-Stoffwechsels", so Hennies. (APA/red, derStandard.at, 2.5.2013)

Die Studie:

Impaired Epidermal Ceramide Synthesis Causes Autosomal Recessive Congenital Ichthyosis and Reveals the Importance of Ceramide acyl Chain Length. Eckl KM, Tidhar R, Thiele H, Oji V, Hausser I, Brodesser S, Preil ML, Onal-Akan A, Stock F, Müller D, Becker K, Casper R, Nürnberg G, Altmüller J, Nürnberg P, Traupe H, Futerman AH, Hennies HC.
J Invest Dermatol. 2013 Apr 2. doi: 10.1038/jid.2013.153.

  • Die Forscher untersuchten Hautproben einer deustchen Familie, bei der die kongenitale (angeborene) Ichthyose gehäuft aufgetreten ist.
    foto: medizinische universität innsbruck/ eckl/zfd/ccg

    Die Forscher untersuchten Hautproben einer deustchen Familie, bei der die kongenitale (angeborene) Ichthyose gehäuft aufgetreten ist.

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