Luftrollen und Treppengeschichten

Ansichtssache2. Mai 2013, 17:09
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Ob im "Tatort" oder bei "Inglourious Basterds": Ohne Stuntmen wie Tom Hanslmaier ginge es auf dem Bildschirm bedeutend gemächlicher zu. Fürs Rondo schlüpfte er in die neue Männermode - und zeigte uns seine waghalsigen Künste

In seinem ersten Job war er Marianne Mendt. Im letzten Tatort Adele Neuhauser. Das eine Mal raste er in einem Rollstuhl den Abhang hinunter, das andere Mal wurde er durch die Luft gewirbelt. "Die große Schwierigkeit", sagt Tom Hanslmaier, "ist aber gar nicht der Stunt selbst, sondern dabei die richtige Bewegungssprache hinzukriegen." Die charakteristischen Armposen der Marianne Mendt. Die Körperhaltung der Adele Neuhauser. "Die Cutterin hat bis zuletzt nicht gewusst, dass das nicht die Neuhauser ist, die da durch die Luft fliegt."

Tom Hanslmaier (41) gehört zu jenen wagemutigen Burschen, die in Filmen zwar andauernd zu sehen, aber kaum zu erkennen sind. Er springt aus fahrenden Autos, sprintet durch loderndes Feuer, seilt sich von Brückengeländern ab, fällt Treppen hinunter: ein Stuntman. Jedoch einer, der weniger über das mögliche Risiko als über die notwendige Sicherheit spricht. "Meine Arbeit beginnt erst, wenn ich der Technik hundertprozentig vertraue." Bis die Seile für das Rondo-Fotoshooting im Wiener Museumsquartier montiert sind, vergeht schon einmal eine gute Stunde. Das Wort "Gefahr" kommt Hanslmaier an diesem langen Tag kein einziges Mal über die Lippen.

Mit Tom Cruise und Brad Pitt tanzen

Die meisten Stuntmen waren in ihrem früheren Leben Rallyefahrer oder Extremsportler. Hanslmaier dagegen Tänzer. Vier Jahre studierte er in Linz zeitgenössischen Tanz, absolvierte Schauspielkurse, schrieb eine Abschlussarbeit über die kanadische Formation La La La Human Steps. Als ihn Hubert Lepka 1998 für eine Stunt-Aktion beim europäischen Kulturmonat in Linz buchte, kam er auf den Geschmack. In Berlin und in Köln machte er eine Ausbildung zum Stuntman, schließlich nahm ihn Willi Neuner, Österreichs Stunt-Kapazunder, unter seine Fittiche. "Die Herausforderung besteht am Anfang darin, an die Jobs zu kommen."

Die Erfahrungen im Tanz und im Schauspiel haben Hanslmaier dabei geholfen. Als "Charakterdarsteller mit körperlichem Hintergrund" bezeichnet er sich selbst, lange kann er darüber räsonieren, welche Rolle dem Körper im Schauspiel zukommt. "In einem Film, der im Zweiten Weltkrieg spielt, stirbt man zum Beispiel ganz anders als in einem Western." Wie hält man die Ellenbogen bei einem Sprint? Wie baut man bei einem Sprung Spannung auf? Gute Action-Schauspieler wie Tom Cruise oder Brad Pitt wissen das. Mit beiden hat Hanslmaier bereits gearbeitet. Tom Cruise lernte er bei den Dreharbeiten von Knight and Day in Salzburg kennen: "Ein extrem optisch denkender Schauspieler." Auf Brad Pitt traf er dagegen bei Inglourious Basterds.

Neue Rolle als Model

Hanslmaier gab einen der Offiziere im brennenden Kinosaal. Außerhalb von Berlin wurde ein eigener Kinosaal nachgebaut, man experimentierte mit Gasexplosionen und Feuerwalzen. 16 Drehtage brauchte man, bis die Szenen im Kasten waren. "Meine Visitenkarte" nennt Hanslmaier die Tatsache, dass er bei Tarantinos Racheepos mit dabei war: "Ein mehr als herausfordernder Job."

Und die Rolle als Model? Die war auch für Hanslmaier neu - und weitaus schwieriger als gedacht. Die Temperatur eisig, die Hosen dünn oder kurz und auf Protektoren musste er bei den meisten Outfits aus optischen Gründen verzichten. Dafür fand er die gezeigte Mode gar nicht so übel. Blöd nur, dass die Designer in Mailand und Paris ihre Hosen nicht so schneidern, dass auch noch ein Sicherheitsgurt darunter Platz hat. Denn dann, so Hanslmaier, "hätte ich mich sogar mit dem rosa Anzug anfreunden können".

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foto: jork weismann

Anzug und Hemd von Dior Homme, Brille von Saint Laurent, Schuhe von Petar Petrov.

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