Teherans Bürgermeister: "Ahmadinejad hat uns mit Israel-Sagern geschadet"

2. Mai 2013, 11:59
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Mehrere potenzielle Präsidentschaftskandidaten verurteilen Hasstiraden des scheidenden Präsidenten gegen Israel als "kontraproduktiv" und "schädlich"

Im Iran distanzieren sich sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl immer mehr potenzielle Kandidaten von dem außenpolitischen "No Fear"-Kurs des scheidenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad. Mit seinen umstrittenen Äußerungen zum Holocaust und seiner mehrfachen Drohungen gegen Israel habe Ahmadinejad dem Land großen Schaden zugefügt, so der Tenor der Aussagen mehrerer hochrangiger iranischer Politpersönlichkeiten.

Nachhaltiger Schaden

"Wir haben durch die scharfe Rhetorik des Präsidenten sicherlich nicht profitiert. Sie war schädlich und kontraproduktiv", meinte der außenpolitische Berater des Obersten Geistlichen Führers Ali Khamenei, Ali Akbar Velayati, der als Vertreter der Konservativen für das Präsidentenamt kandidiert.

"Die Israel- und Holocaust-Sager des Präsidenten haben uns nachhaltig geschadet. Plötzlich wurde das Thema aufgepuscht, und am Ende müssen wir uns fragen, ob wir damit der iranischen Nation oder den Palästinensern irgendeinen Dienst erwiesen haben", kritisierte der Teheraner Bürgermeister Mohammad Bagher Ghalibaf.

In dieselbe Kerbe schlug auch der ehemalige Parlamentspräsident Gholam Haddad-Adel, der Schwiegervater vom Sohn Khameneis ist und sich ebenfalls der Wahl am 14. Juni stellen möchte. "Ich unterstütze die Holocaust-Leugnung des Präsidenten in keinster Weise. Sie hat uns nichts gebracht", so Haddad-Adel.

"Bittere Jahre"

Der ehemalige Atomchefunterhändler Hassan Rohani, der für die Reformer kandidieren möchte, ergänzte, dass das Ansehen des Iran in den letzten acht Jahren wegen der außenpolitischen Sager des Präsidenten auf einem Tiefpunkt angelangt sei. Der mächtige Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani letztlich unterstrich, dass der Iran durch die außenpolitischen Entgleisungen des Präsidenten in den letzten acht Jahren "bittere Jahre" erlebt habe. Viele Beobachter werten die Aussagen dieser namhaften Politiker als Versuch, die Reputation des Iran im internationalen Kontext wiederherzustellen. (APA, 2.5.2013)

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