Deutsche Telekom: Drosselung ab 2018 für alle

2. Mai 2013, 10:50
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Auch Bestandskunden werden spätestens bei IP-Umstellung von neuen Geschäftsbedingungen betroffen sein

Nachdem die Deutsche Telekom mit ihrer Ankündigung der De-facto-Abschaffung von Flatrates einen riesigen Proteststurm entfacht hat, legt das Unternehmen nun nach. Die Drosselung der Bandbreite bei Überschreitung eines gewissen Datenvolumens soll nicht nur Neukunden betreffen, sondern bis spätestens 2018 auch alle Bestandskunden.

Bestandskunden können sich bis 2018 wehren

In den kommenden fünf Jahren will der "rosa Riese" sämtliche Festnetzanschlüsse auf IP-Technologie umstellen. "Ich gehe diesen Versuch, den Status quo auf 2018 anzuwenden, nicht mit", erklärt der für Deutschland zuständige Niek Jan van Damme gegenüber der "Welt". "In fünf Jahren (...) werden wir in einer Internetwelt mit höheren Zugangsgeschwindigkeiten, neuen Partnerschaften, neuen Geschäftsmodellen, neuen Tarifen leben."

Dementsprechend seien aber auch die Limits für die ab 2. Mai für Neukunden geltenden, aber wahrscheinlich erst ab 2016 exekutierten Volumensbeschränkungen nicht in Stein gemeißelt. Bestehende Kunden können sich nur bis 2018 gegen eine Umstellung ihres Anschlusses auf "All-IP" sperren, spätestens dann wird die Umrüstung durchgeführt und bringt die neuen Geschäftsbedingungen mit.

Video demonstriert Surfen unter Drosselung

Das Modell der Telekom sieht vor, dass nach dem Verbrauch eines gewissen Datenvolumens die Bandbreite des Zugangs auf 384 Kbps gebremst wird, womit viele Dienste im Web praktisch unbenutzbar werden, wie ein Video des YouTube-Nutzers Patrick Hempel demonstriert, der dafür seine Internetverbindung softwareseitig auf diesen Wert beschränkt hat.

(Video: Surfen mit 384 Kbit)

Telekom bleibt bei ihrem Kurs

Die Kritik, die nicht nur von Userseite, sondern mittlerweile auch von Seiten der Politik geäußert wird, soll an diesem Vorhaben nichts ändern. "Für uns ist das Thema zu wichtig, als dass wir zurückrudern könnten", so von Damme weiter. Er sieht die Drosselung nach wie vor als faire Maßnahme und erklärt, dass auch jemand, der dauerhaft den Wasserhahn laufen ließe, mehr zahlen müsse, als andere. Eine Kündigungswelle konnte man bei der Telekom noch nicht verorten.

Weiter Diskussion um Netzneutralität

Ebenfalls noch nicht vom Tisch ist die Diskussion um Netzneutralität. Die Deutsche Telekom wird beispielsweise den durch den eigenen "Entertain"-TV-Dienst generierten Traffic nicht auf den Gesamtverbrauch des Nutzers anrechnen. Auch anderen Anbietern will man "diskriminierungsfrei" begegnen, wenn sie sich melden. Ob und unter welchen Konditionen also Services wie YouTube oder Video-on-Demand-Dienste sich nicht im Trafficprotokoll des Nutzers niederschlagen werden, ist nicht bekannt. (red, derStandard.at, 02.05.2013)

  • Eines der zahlreichen Satire-Plakate, mit der User die Telekom durch den Kakao ziehen.
    foto: friedemann weise

    Eines der zahlreichen Satire-Plakate, mit der User die Telekom durch den Kakao ziehen.

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