Das mysteriöse Verschwinden einer Socke

5. Mai 2013, 17:06
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Der Tag der verlorenen Socke am 9. Mai: Warum man eine treue Begleiterin nicht mit Füßen treten sollte

Es ist heute an der Zeit, zurückzublicken und uns an jene treue Gefährtin zu erinnern, derer wir verlustig gegangen sind. Sie hat uns in guten wie in schlechten Tagen begleitet, und meistens haben wir darauf nicht einmal einen Gedanken verschwendet. Sie war uns so nahe wie kaum jemand sonst. Am Morgen war sie die Erste, auf die unser Auge fiel, und am Abend die Letzte. Nur in der Nacht, da haben wir sie selten gebraucht, außer wir bibberten vor Kälte und sehnten uns nach jemandem, der uns dort wärmte, wo wir es am notwendigsten hatten. So wirklich warm wurden wir dennoch nie mit ihr.

Wir haben sie mit Füßen getreten, und allzu oft war sie olfaktorischen Zumutungen ausgesetzt, die kaum zu ertragen waren. Dafür schämen wir uns bis heute. Sie nahm es mit großer Gelassenheit, vielleicht auch aus dem einfachen Grund, weil sie nie einsam war. Während wir mutterseelenallein unseren Weg gehen müssen, hatte sie stets eine Gefährtin. Eine Zwillingsschwester. An guten Tagen glichen sie einander aufs Haar, an schlechten konnte es aber vorkommen, dass die eine nicht zur anderen passte. 

Tragisches Ende

Besonders tragisch war, wenn die eine plötzlich verschwunden war. Das kam leider öfters vor, als wir es für möglich hielten. In jedem Winkel hielten wir Ausschau, von der Waschmaschine bis zur Matratzenrille, doch meistens war die Suche vergeblich. Das Verschwinden der einen bedeutete unweigerlich das Entsorgtwerden der anderen. An all das wollen wir uns erinnern, wenn wir am kommenden Donnerstag, dem 9. Mai, wieder den "Tag der verlorenen Socke" begehen. Sie fehlt uns! (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 3.5.2013)

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    Am 9. Mai gedenken wir der verlorenen Socke.

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