Journalismus zum PR-Zweck

Kommentar der anderen |

Großkonzerne wie Coca-Cola und Crédit Suisse starten eigene Internetmagazine, die mit journalistischen Inhalten aufwarten - Doch mit den aufwändig gestalteten Informationsdiensten sind auch kommerzielle Interessen verbunden

Wien - Auf den ersten Blick wirken sie wie ein ganz normales Nachrichtenportal: Artikel, Videos, Hintergrundberichte, Meinungsstücke, Social-Media-Elemente. Doch hinter den Websites verbirgt sich nicht etwa eine unabhängig arbeitende Redaktion, sondern eine Armada von Journalisten und PR-Spezialisten im Dienste eines Unternehmens. Großkonzerne wie Cisco Systems und Crédit Suisse haben in den vergangenen Monaten eigene Internetzeitungen lanciert. Das Ziel: Die Konsumenten durch eigene Inhalte zu ködern. Markenjournalismus nennt man diese Art der Berichterstattung.

Weltmarktführer Coca-Cola startete im November letzten Jahres das digitale "Journey", seit kurzem gibt es das Magazin auch auf Deutsch. Der Vorstandsvorsitzende Muhtar Kent hatte die Idee, das bereits zwischen 1987 und 1997 unter dem gleichen Titel erschienene Mitarbeitermagazin im Internet wieder aufleben zu lassen. Ein New Yorker Startup-Unternehmen kreierte die Website. Für den Internetauftritt verfassten die Redakteure mehr als 80 originäre Stücke. Neben 715 Bildern wurden mehr als 5000 Youtube-Clips ins Netz gestellt. Die Strategie scheint sich bezahlt zu machen: "Journey" erreichte im Jänner 1,2 Millionen einmalige Klicks. Zum Vergleich: Die renommierte Nachrichtenagentur Reuters registrierte im gleichen Zeitraum rund eine Million Klicks. Markenjournalismus macht den klassischen Medien Konkurrenz.

Eigenwerbung

Die Betrachtung von "Journey" führt zu einem differenzierten Befund. Einerseits wartet das Portal mit Gastbeiträgen namhafter Autoren auf, wie etwa dem republikanischen Kongress-Abgeordneten John Lewis, der zur Einhaltung der Gesetze gegen Menschenhandel aufruft. Andererseits publiziert der Informationsdienst auch Werbung in eigener Sache, wie etwa über eine junge Philippinin, die nach Abschluss ihres Wirtschaftsstudiums eine Führungsposition im Unternehmen einnimmt. Coca-Cola beschäftigt 44 fest angestellte Redakteure, hinzu kommen freie Mitarbeiter und Autoren.

Das Portal spaltet. Befürworter wie der "Forbes"-Redakteur Lewis Dvorkin argumentieren, dass die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung ohnehin nicht trennscharf zu ziehen sei. Dvorkin preist Markenjournalismus als ein neues Modell für "anzeigengestützten Journalismus". Die Idee lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wenn Anzeigen nicht mehr in Zeitungen zu platzieren sind, muss der Journalismus eben in die Anzeigen gebracht werden.

Kelly Toughill, Direktorin der School of Journalism an der University of King's College in Halifax, ist skeptisch. Für die Medienwissenschafterin ist journalistische Unabhängigkeit das höchste Gut. "Journalismus dient ausschließlich den Interessen der Leser. Und das ist bei Markenjournalismus eindeutig nicht der Fall." Es handele sich nicht um "richtigen" Journalismus. Gleichwohl könne man "guten Journalismus in einem unternehmerischen Umfeld machen". Scott Gurvey sieht das ähnlich. Der Reporter arbeitete für CBS News und für NBC sowie schließlich für das New Yorker Büro der TV-Sendung "Nightly Business Report" auf PBS. PR kam für ihn nie in Frage. Doch dann kam die Finanzkrise - und die Stellen schmolzen dahin. Gurvey heuerte bei "The Network" an, Newsroom der Firma Cisco Systems. Die Artikel, die er schrieb, erwähnten kein einziges Mal das Produkt Cisco. Für Gurvey besteht daher kein Interessenkonflikt. (Adrian Lobe, DER STANDARD, 2.5.2013)

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22 Postings
John Lewis

ist ein alter demokratischer haudegen und bürgerrechtskämpfer. den als republikaner zu bezeichenen, ist schon sehr beleidigend...

"Auf den ersten Blick wirken sie wie ein ganz normales Nachrichtenportal"

Wenn das so wäre, könnte ich mich ja noch einigermassen entrüsten. "Journey" wirkt aber auf den ersten Blick wie ein Cocacola-Magazin. Und dahinter "verbirgt" sich beim besten (oder schlechtesten) Willen niemand. Ich habe eben zum ersten Mal reingelesen und habe keinen Appetit (oder Durst) auf mehr bekommen. Aber wieso wir jetzt alle "oh!" und "ah!" und "schrecklich!" rufen müssen, erschliesst sich mir nicht...

immerhin weiß ich

wer dahintersteht und wessen interessen vertreten werden, wenn die seite von coca cola gemacht wird. bei vielen zeitungen oder gar beim staatsfunk weiß ich das aber nicht, die "information" ist aber genau so gesteuert.

Journalismus zum PR-Zweck

gilt für alle medien...teufel schimpft den beelzebuben

Ever heard of Content Marketing? Anyone!?

Die Tageszeitungen sind halt auch nur PR der Regierenden

Umso schöner, dass nun jeder seinen eigenen PR-Kanal aufmachen kann ;-)

Wer in Zukunft mit einer Zeitschrift Geld verdienen will, muss objektiv und qualitativ hochwertig berichten. Für Propaganda wollen halt immer weniger Menschen zahlen.

Schön wärs...

aber ich glaube, es wird eher umgekehrt sein. Wer mit Journalismus Geld verdienen will, wird sich immer öfter irgendeinem Propagandazweck unterordnen müssen, weil das Geld nur mehr von diesen Stellen kommt. Die User (als abstraktes Kollektiv) sind leider nicht (mehr) in der Lage, Dünnpfiff a la "Weekend" und "E-Media" von Journalismus zu unterscheiden, und greifen daher zum Gratisblatt. "Is ja eh wurscht für die U-Bahn, und warum soi I für was zoin, was es eh auch gratis gibt.".

Aber ich hoffe, ich irre mich hier zu 100%!

ernsthaft?

in dem artikel wird mit keinem wort red bull erwähnt?

Naja, verglichen mit Coca Cola und Crédit Suisse ist Red Bull eine eher kleinere Nummer.

Mit The Red Bull Bulletin spielt das Red Bull schon seit Jahren - eher sind die anderen hintennach...

Im Medien-Business?

Dein Nick passt!

Selbst die Firmenzeitung er REWE (Maxima) hat mehr Kauf-Leser und das Firmenradio (Radio Max) hat mehr Hörer

als alle RB Medien zusammengerechnet. Von einer größeren Mediennummer ist RB - selbst in Österreich - noch weit entfernt.
Ich glaube die Obdachlosenzeitung in London hat mehr Auflage als Seitenblicke und das Alternative Stadt-TV in London deutlich mehr Seher als Servus TV.

Ich glaube schon das die RB Medien einen guten Job machen und ganz beachtliches leisten. Aber, die Bedeutung reicht halt nicht weit über Salzburg raus.

Genau, Andkos!

Habe den Artikel nur auf RedBulletin gescannt...ist nicht gekommen...mMn wertlos!

Echt? Die haben kommerzielle Interessen?

Na dann bleib ich halt hier, wo man eine Zeitung samt Portal betreibt, und keinerlei Interesse daran hat, Geld zu verdienen.

genau wie servus!

Schock Horrror

Unternehmen hat kommerzielle Interessen!
Was kommt als nächstes? "Enthüllung: der Papst ist katholisch!"?

Uebersetzung

PS Die Legitimierung von Abschiebungen und Rechtsverweigerungen durch Berichte ist legal, wichtig ist nur ob Cola ein Internetmagazin macht fuer minder ausgebildete Journalsiten.

WOW - Erkenntnisgewinn zum Tag:

Unternehmen machen PR - und das sowohl als Magazin(hat der Autor wohl übersehen) als auch im Netz. Ja. Und?

"Auch" kommerzielle Interessen, das ist ja wirklich süß

Wenn Coca-Cola etwas ins Web stellt, was sollen sonst für Interessen dahinterstecken, wenn nicht die von Coca-Cola?

Und wer ist Adrian Lobe?

Arbeitet der auch für Coca Cola? Oder für Pepsi?

2 klicks mit google u sie finden ihn

Markenjournalismus der verlogensten Art

macht eine Getränke-Vermarktungs-Firma,
die ein Getränk, das ein Thailänder erfunden hat, vermarktet,
ein Getränk, das wie Zucker-Gelee-Picce schmeckt,

schreib lieber was über Red Bull, Adriano !

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