Hisbollah-Chef gibt Einsatz von Kämpfern in Syrien zu

1. Mai 2013, 17:55
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Schiitische Milizionäre schützen nicht nur Grenzdörfer vor sunnitischen Rebellen, sondern nehmen auch aktiv an der Seite Assads im syrischen Bürgerkrieg teil

Die USA wollen unterdessen keine voreiligen Schlüsse aus einem Chemiewaffeneinsatz in dem Land ziehen.

Beirut/Washington/Damaskus – Informierte Kreise sprechen schon lange darüber, nun ist es offiziell: Kämpfer der libanesischen Hisbollah operieren und fallen im syrischen Bürgerkrieg. Das räumte Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah Dienstag im Interview mit dem von der schiitischen Gruppierung kontrollierten, libanesischen TV-Sender al-Manar ein. Davor hatte die Hisbollah nur zugegeben, dass ihre Milizen grenznahe schiitische Dörfer vor sunnitischen Aufständischen in Syrien schützten.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad, den die Hisbollah gemeinsam mit dem Iran unterstützt, könne nicht durch Gewalt gestürzt werden, erklärte Nasralah weiter: "Die Schlacht dauert lang. Wir sagen euch, ihr werdet es nicht schaffen, dieses Regime zu stürzen."  Die Verbündeten Syriens würden nicht zulassen, dass das Land "in die Hände der Amerikaner, der Israelis und sunnitischer Extremisten fällt" .

Laut Nasrallah sind Hisbollah-Kämpfer in Syrien getötet worden. Allerdings seien die Gefallenenzahlen bei weitem übertrieben. Sollte "die Situation weiter eskalieren" , könnte sich die Hisbollah dort aber noch mehr engagieren. Damit – und mit den Kämpfen zwischen Anti- und Pro-Assad-Kräften im Norden des Landes – droht der Libanon immer mehr
in den Konflikt im Nachbarland hineingezogen zu werden.

Bisher sind an die 70.000 Menschen im Bürgerkrieg in Syrien umgekommen. Die internationale Gemeinschaft scheute sich bisher, militärisch einzugreifen. US-Präsident Barack Obama erklärte allerdings, ein Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime würde eine "rote Linie"  darstellen und die USA an eine direkte Intervention denken lassen.

Beweise für C-Waffeneinsatz

Zwar gebe es inzwischen Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien, sagte Obama am Dienstag. Allerdings sei nicht lückenlos geklärt, was vorgefallen sei: "Wir wissen nicht, wie sie eingesetzt wurden, wann sie eingesetzt wurden und wer sie eingesetzt hat."  Es werde noch einige Zeit dauern, bis eine abschließende Entscheidung darüber getroffen wird, ob die von ihm gezogene "rote Linie"  überschritten sei oder nicht. "Ich muss sicherstellen, dass ich alle Fakten habe" , sagte Obama. Allerdings habe das Verteidigungsministerium bereits Optionen für eine Reaktion ausgearbeitet, sagte der Präsident, ohne Einzelheiten zu nennen.

Würden die USA ohne harte, nachweisliche Fakten Konsequenzen ziehen, könne dies dazu führen, dass man die internationale Staatengemeinschaft nicht von einem gemeinsamen Vorgehen überzeugen könnte, warnte Obama. Er spielte damit sowohl auf die Widerstände Russlands und Chinas gegen ein militärisches Vorgehen an, als auch auf die Vorgeschichte des Irak-Krieges. Damals hatte Obamas Vorgänger George W. Bush den Kriegseintritt damit begründet, dass Machthaber Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge. Dies erwies sich als falsch, was die Glaubwürdigkeit der Bush-Regierung massiv erschütterte.

In den USA und unter ihren Verbündeten gibt es auch eine Diskussion über Waffenlieferungen an die syrische Opposition. Bisher liefern die USA nur nicht-tödliches Material wie Kommunikationsgeräte oder Schutzwesten. Einige Nato-Partner plädieren für Waffenlieferungen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erteilte dem am Mittwoch eine Absage, ebenso Österreichs Regierung. (red/DER STANDARD, 2.5.2013)

 

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    Kalaschnikows im Olivenhain: Hisbollah-Kämpfer trainieren im Libanon für ihren Einsatz in Syrien. 

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