"Wir können einfach nur dramatisch"

1. Mai 2013, 13:31
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Borussia Dortmund feiert im Bernabeu - Entnervter Boss Watzke versteckte sich im Finish in der Toilette

Madrid - Nach dem Viertelfinal-Thriller gegen Malaga wurde für Borussia Dortmund auch das Halbfinale gegen Real Madrid zum Krimi. "Wir können einfach nur dramatisch", meinte der völlig entnervte BVB-Geschäftsführer Joachim Watzke nach der 0:2-Niederlage, die zum Aufstieg ins Finale der Champions League am 25. Mai in London reichte. Die Dortmunder Kicker feierten den größten internationalen Erfolg seit dem Champions-League-Triumph 1997 bis tief in die Nacht.

Zittern am stillen Örtchen

Watzke konnte in der Schlussphase selbst der Zuspruch des spanischen Königs nicht beruhigen. "Ich habe mich auf der Toilette eingeschlossen und mir die Ohren zu gehalten", gestand der Geschäftsführer. Erst als es keine "Stadionerschütterungen mehr gab", traute sich Watzke zurück in die Ehrenloge zu seinem prominenten Sitznachbarn Juan Carlos.

Dass schon am Samstag der - allerdings sportlich bedeutungslose - Bundesliga-Gipfel gegen Bayern München ansteht, interessierte am Dienstagabend niemanden. Selbst Trainer Jürgen Klopp hatte keine Einwände gegen eine rauschende Party: "Wenn ich der Mannschaft jetzt nicht gestatte auszugehen, bin ich ja ein Vollhorst."

Kein Vollhorst

Der historische Abend im Bernabeu versetzte auch den Trainer in Euphorie: "Das ist die außergewöhnlichste Leistung, von der ich seit langen, langen Jahren im Sport gehört habe." Die Zitterpartie in den letzten Minuten hätte sich Klopp natürlich gerne erspart: "Aber Borussia Dortmund gibt es nur all inclusive." Das spanische Sportblatt "Marca" titelte am Mittwoch: "Klopp nimmt das Bernabeu ein und verlässt das Stadion im Stil eines Triumphators."

"Wembley calling" stand auf den Shirts, mit denen der überragende Torhüter Roman Weidenfeller und seine Mitstreiter in die nächtliche Fiesta von Madrid starteten. Mit leuchtenden Augen ließ Sportdirektor Michael Zorc die wundersame Reise des noch 2005 von der Insolvenz bedrohten Clubs Revue passieren: "Man muss die Entwicklung sehen. Erst Meister, dann Meister und Pokalsieger und nun im Champions-League-Finale. Das ist ein Meilenstein", befand der Champions-League-Triumphator von 1997. "Damals sind wir glücklicher ins Endspiel gekommen."

Glück und Klasse

Trotz des üppigen 4:1-Polsters aus dem Hinspiel geriet der BVB im lauten Bernabeu mächtig ins Wanken. Viel Glück und die Klasse von Weidenfeller bewahrten die Dortmunder bereits in den ersten 20 Minuten vor einem frühen Rückstand. "Der König hat immer meine Hand gehalten. Er hat mich immer beruhigt, denn wir waren ja massiv unter Druck", sagte Watzke. Gerade als der BVB sich anschickte, die Partie nach Hause zu bringen, sorgte Real mit zwei späten Treffer von Karim Benzema (83. Minute) und Sergio Ramos (88.) für das große Zittern.

Das passte ins Bild der BVB-Saison auf internationaler Bühne. Schließlich war bei fast allen Partien höchster Unterhaltungswert garantiert. In den Gruppenspielen gegen Manchester City und Real kassierte der BVB in den Schlussminuten den Ausgleich. Beim 3:2 im Duell mit Malaga ebneten erst zwei Tore in der Nachspielzeit den Weg ins Halbfinale.

Alles geil

Der Erz-Dortmunder Kevin Großkreutz jubelte: "Wir haben so eine geile Truppe, so geile Fans, sind so ein geiler Verein. Wir haben es einfach verdient." Die überragende Champions-League-Saison hat dem Club bereits jetzt Einnahmen von mehr als 60 Millionen Euro gebracht.

Sichtlich übernächtigt bestiegen die Dortmunder am Mittwoch in der Früh das Flugzeug Richtung Heimat. Getrübt war die Freude nur bei Mario Götze. Schon nach 14 Minuten war die Partie für den künftigen Bayern-Profi wegen eines Muskelfaserrisses beendet. Der aus seiner Sicht höchst brisante Bundesliga-Gipfel am Samstag gegen den Tabellenführer aus München wird deshalb ohne ihn stattfinden. Sogar sein Einsatz im Champions-League-Finale ist fraglich. Das erste Bulletin von Klopp verhieß wenig Gutes: "Es wird eng für alles, was noch ansteht." (APA, 01.05.2013)

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    Robert Lewandowski und Marco Reus in inniger Umarmung am Rasen des Madrider Bernabeu-Stadions.

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