Technische Unis "übersetzen" Grundlagenforschung in Innovationen

1. Mai 2013, 11:59
7 Postings

IV-Präsident Kapsch: "Es muss cool sein, Technik zu studieren"

Wien - Die Wichtigkeit des Zusammenspiels zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung und in weiterer Folge zwischen Universitäten und Wirtschaft betonten Vertreter des Vereins "TU Austria" und der Industriellenvereinigung (IV) in Wien. Die Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien, Sabine Seidler, sieht die heimischen technischen Universitäten vor allem in der Rolle des "Übersetzers" von Forschung in Innovationen. Einig zeigten sich die Mitglieder des Zusammenschlusses der TUs Wien und Graz sowie der Montanuniversität Leoben bei der Präsentation ihres Positionspapiers auch darüber, dass technische Fächer attraktiver gestaltet und dargestellt werden sollten.

Die technischen Universitäten würden eine sehr wichtige Rolle im heimischen Innovationssystem spielen, erklärte Seidler. Die Rektorin betonte, dass sich diese Position vor allem in der starken Verbindung zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung begründe. Um diesen Transfer auch durchführen zu können, brauche es aber neben Zeit und Risikofreude auch die nötigen budgetären Mittel. Beim Einwerben von Drittmitteln seien die technischen Universitäten jedenfalls bereits sehr erfolgreich, so die TU Wien-Rektorin.

"Es muss cool sein, Technik zu studieren"

Mit der Gründung von TU Austria habe man auch das kooperative Vorgehen zwischen den Universitäten gestärkt. "Wir haben da keine Berührungsängste", erklärte der TU-Austria Präsident und Rektor der Montanuniversität Leoben, Wilfried Eichlseder. Neben dem Thema Kooperation und Forschung nehmen die Partner im neuen Positionspapier vor allem zur Qualität und Effizienz in der Lehre und zur Nutzung und Ausbau von Forschungsinfrastruktur Stellung. Gerade in der Technik sei man auf teure Ausstattung angewiesen. Um die internationale Konkurrenzfähigkeit zu sichern, brauche es daher eigene Finanzierungsmodelle für Infrastruktur-Investitionen.

Im Bereich der Lehre will man ebenfalls noch aktiver werden. Es gehe darum, die Attraktivität technischer Studien zu erhöhen. Man habe die Erfahrung gemacht, dass es Schülern manchmal schwer falle, sich unter technischen Fächern etwas vorzustellen, so der Vizerektor für Lehre an der TU Graz, Bernhard Hofmann-Wellenhof. Auch IV-Präsident Georg Kapsch ortet hier Aufholbedarf. Neben stärkerer öffentlicher Positionierung einschlägiger Studien gehe es darum, Stipendien auszubauen und auf Karriereoptionen hinzuweisen. "Es muss cool sein, Technik zu studieren", erklärte Kapsch.

Wechselbeziehung mit der Wirtschaft

Klar sei, dass in der Wirtschaft großer Bedarf an Technik-Absolventen bestehe. Mittlerweile hätten acht von zehn heimischen Unternehmen Probleme, technische Fachkräfte zu rekrutieren, etwa 20 Prozent der einschlägigen Job blieben unbesetzt, erklärte Kapsch. In das gleiche Horn stieß Eichlseder. Er verwies auf eine Umfrage, wonach in Österreich und Deutschland nur sechs Prozent der Jugendlichen Ingenieure werden wollen, in Südkorea seien es hingegen etwa 80 Prozent.

Neben der Steigerung der Attraktivität sei es zudem wichtig, dass die Universitäten Möglichkeiten haben, die Studierendenströme aktiv zu steuern. Der kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung könne man daher prinzipiell einiges abgewinnen, "an den Zahlen, die den Unis auferlegt werden, könnte man aber noch feilen", erklärte Hofmann-Wellenhof. Auf jeden Fall gelte es, den Betreuungsschlüssel in der Lehre zu verbessern, da hinke man im internationalen Vergleich noch deutlich nach. (APA, derStandard.at, 1. 5. 2013)

Share if you care.