GRAS: "Schade, dass Café Rosa nicht genug Zeit gegeben wurde"

Chat2. Mai 2013, 11:37
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Viktoria Spielmann, Spitzenkandidatin der GRAS, war zu Gast im Chat zur ÖH-Wahl

ModeratorIn: Wir begrüßen Viktoria Spielmann von der GRAS im Chat und bitten die UserInnen um Fragen.

Viktoria Spielmann: Schönen guten Morgen, ich freue mich sehr hier zu sein und freue mich die Fragen zu beantworten.

Palm_four: In den letzten Jahren wurden immer wieder Gesetze gegen die Positionierung der ÖH beschlossen (Familienbeihilfe, Studiengebühren). Welche Handlungsmöglichkeiten hat die ÖH Ihrer Auffassung denn eigentlich, daran etwas zu ändern?

Viktoria Spielmann: Zum einen braucht es natürlich die Verhandlungen der ÖH und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Die ÖH quasi in der Rolle der bildungspolitischen Playerin. Auf der anderen Seite muss natürlich auch, wenn es notwendig ist, protestiert werden, wie zum Beispiel damals bei der Familienbeihilfen-Kürzung.

Curre, puer!: Warum wurde das Café Rosa nicht an den RFS vermietet? Wurde noch weiteren potenziellen Mietern eine Absage wegen der Nichtvereinbarkeit mit den Grundsätzen des Cafés erteilt?

Viktoria Spielmann: Ja, prinzipiell ist es so, dass das Café Rosa unfraktioniert ist und ein Platz ist für politische Autonomie, dementsprechend hat die ÖH Uni Wien beschlossen nach diesem Grundsatz zu agieren.

KeineR_: Warum schließt ihr AG, JuLis und RFS von vornherein als KoalitionspartnerInnen aus?

Viktoria Spielmann: Ja, die Ag und die JuLis haben ein anderes Verständnis von Bildungspolitik, das mit unseren Grundsätzen nicht übereinstimmt, zum Beispiel sind sie für Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren. Der RFS lässt sich sowieso nicht mit unseren Grundsätzen vereinbaren, weil wir für eine offene Gesellschaft sind, die Menschen nicht ausschließt aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung.

ModeratorIn: Userfrage per E-Mail: Im Superwahljahr 2013 stürzen auffällig viele Parteien auf das Thema "Wohnen", allerdings oft ohne genaue Umsetzungsschritte aufzuzeigen. Welche Vorstellungen verstecken sich denn hinter Ihrer Forderung "Her mit leistbarem Wohn

Viktoria Spielmann: Es ist gut, dass alle Fraktionen das Thema Wohnen wichtig finden. Die VorreiterInnen-Rolle haben ja die Grünen im Herbst 2012 eingenommen. Konkrete Forderungen sind zum Beispiel, dass die VermieterInnen die Provision für die MaklerInnen übernehmen sollen, Ausbau und Neubau von leistbaren Studierendenheimen, der Zugang zu kommunalem Wohnbau und leistbare Mieten. Umgesetzt kann das durch die ÖH auf alle Fälle werden, weil sie sich regelmäßig mit den Zuständigen der verschiedenen Bundesministerien trifft. Hier müssen klare Zeichen gesetzt werden. Und ich freue mich, dass alle Fraktionen daran teilhaben werden.

mieswicht: Wer ist schuld am Cafe Rosa Debakel?

Viktoria Spielmann: Das Café Rosa ist ein ÖH Uni Wien Projekt. Es ist in diesem Zusammenhang schwierig einzelnen Personen die Schuld dafür zu geben.

Illudure: Ihrer Fraktion behauptet immer wieder das Frauen in der Schule schon strukturell benachteiligt werden, wie passt das mit den Zahlen zusammen das zum Beispiel 2011 6592 Frauen mehr, eine Reife- und Diplomprüfung positiv bestanden haben. Desweiteren s

Viktoria Spielmann: Dass es fast gleich viele StudienanfängerInnen gibt, ist laut neuesten Erhebungen nicht zu bestreiten. Wenn wir dann aber schauen wie es mit den weiblichen AbsolventInnen und dem weiblichen Universitätspersonal ausschaut, kommen wir in eine Schieflage. Dem muss entgegen gewirkt werden und die GRAS setzt sich für aktive Frauenförderung ein.

dancer1234: Was hältst du davon wenn ÖH-Vorsitzende direkt in die Politik gehen, sowie Sogi Mauerer?

Viktoria Spielmann: Es ist sehr begrüßenswert, dass eine junge und kämpferische Frau nun für die Grünen in den Nationalrat einziehen wird. Sigrid Maurer hat die absolute Kompetenz, was Bildungs- und Sozialpolitik anbelangt und wird eine gute Verhandlungspartnerin sein.

nexxxus: Cafe Rosa: Das vorhersehbare wirtschaftliche Scheitern, wurde von seitens GRAS unter anderem mit der Schwangerschaft der GF begründet. Ist dies nicht hochgradig sexistisch?

Viktoria Spielmann: Vorhersehbar war das wirtschaftliche Scheitern nicht, denn wie wir wissen gibt es bei allen Investitionen Business-Plans, die nicht ganz kalkulierbar sind. Das Café Rosa war als langfristiges Projekt angedacht. Zum Thema sexistisch: Ich finde es wichtig, dass die Frau selbst definiert, ob es ein sexistisches Verhalten ist oder nicht. Ich habe mit der Person nicht gesprochen und kann das daher nicht beurteilen. Ich glaube nicht, dass eine feministische ÖH Exekutive sexistisches Verhalten an den Tag legt.

rankpfe: Hallo! Wie bist du persönlich zur GRAS gekommen, warum hast du dich gerade für diese Fraktion und keine andere entschieden?

Viktoria Spielmann: Zur GRAS bin ich bei den letzten ÖH Wahlen dazugekommen. Für mich war es sehr wichtig mich einer feministischen und gesellschaftspolitischen Bewegung anzuschließen. Nach meinem ersten Treffen mit der GRAS war schnell klar, dass ich mit den Grundsätzen übereinstimme. Ein anderer Beweggrund war unter anderem dass mir die Familienbeihilfe gestrichen worden ist und ich die damalige ÖH Vorsitzende Sigrid Maurer im Parlament dagegen kämpfen gesehen habe. Das motivierte mich auch gegen Ungerechtigkeiten gegenüber Studierenden zu kämpfen.

die_kritische_stimme: Wie stellt sich GRAS die Zukunft der Studiengebühren vor? Geht es realistischerweise ohne Gebühren?

Viktoria Spielmann: Die bildungspolitische Debatte wird immer nur an der Oberfläche behandelt und nicht an der Wurzel gepackt. Studiengebühren sind nicht die Lösung, sondern die seit Jahren dringend notwendige Ausfinanzierung der Hochschulen. Der Staat muss endlich die zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts zur Verfügung stellen und politische Verantwortung übernehmen, anstatt alles auf die StudentInnen und die Hochschulen abzuwälzen.

tina kluge: Wäre es medial nicht besser nur eine Spitzenkandidatin zu haben statt ein Team? Wer von euch wird Vorsitzende, wenn ihr die Wahl gewinnt?

Viktoria Spielmann: Es geht uns darum den basisdemokratischen Grundsatz der GRAS nicht nur auf dem Papier stehen zu haben, sondern ihn auch aktiv zu leben. Um Hierarchien einen Riegel vorzuschieben sehen wir es als unsere Aufgabe das auch nach außen zu kommunizieren. Nach der Wahl wird es eine Bundesvollversammlung der GRAS geben. Die Bundesvollversammlung ist sozusagen das höchste Gremium der GRAS, in dem alle GRAS AktivistInnen bundesweit teilhaben können. Dort wird dann basisdemokratisch beschlossen, wer von uns Beiden den Vorsitz innehaben wird. Klar ist auf jeden Fall, dass ich und Marie gemeinsam in die Bundesvertretung gehen werden.

KeineR_: Die gras ist doch basisdemokratisch, warum habt ihr dann überhaupt Spitzenkandidatinnen?

Viktoria Spielmann: Marie und ich definieren uns als Sprachrohr der StudentInnen und der GRAS. Uns ist bewusst, dass die ÖH gewisse vorgefertigte Strukturen hat, aber wir versuchen aktiv zu zeigen, dass es auch anders gehen kann. Wenn Mensch sich einer politischen Bewegung anschließt, muss es klar sein, dass es auch politische Verantwortungen gibt, die getragen werden müssen. Dafür stellen wir uns gern zur Verfügung.

HalloWelt46: Welche Koalitionsvarianten zieht die GRAS in Betracht?

Viktoria Spielmann: Die GRAS steht für eine progressive und nachhaltige Bildungspolitik mit gesellschaftspolitischem Anspruch. Deshalb würden wir gerne die Koalition wie sie die letzten zwei Jahre war weiterführen. Die Mischung aus GRAS, FLÖ, VSStÖ und Fest ist eine ideale Zusammensetzung der verschiedensten Blickwinkel.

the JJ: Warum werden die Julis auf Bundesebene ausgeschlossen aber nicht auf der WU, wo es eine Zusammenarbeit von Julis, VSSTÖ und GRAS im Rahmen der "Neuen ÖH WU" gibt

Viktoria Spielmann: Bei der GRAS gilt zum einen die Unigruppenautonomie, das heißt, dass die einzelnen GRAS Gruppen an den Unis autonom Entscheidungen treffen, damit ein Hierarchiegefälle ausgeräumt werden kann. Zum anderen hat die Aktionsgemeinschaft die absolute Mehrheit an Mandaten an der WU, die es zu brechen gilt, da die AG regelmäßig die ÖH vereinnahmt und es zu einer Vermischung kommt.

rankpfe: Die GRAS spricht sich für Lehrveranstaltungen zu Gender und Geschlechterforschung in allen Studienrichtungen aus. Wie sinnvoll sind solche LVs in Studienrichtungen wie Mathematik oder Bauingeniuerwesen? Was soll mit diesen LVs (speziell in o.g. Stud

Viktoria Spielmann: Es ist für uns als GRAS wichtig immer wieder darauf hinzuweisen, dass Frauen strukturell diskriminiert werden. Gerade bei den technischen Studienrichtungen braucht es eine Sensibilisierung bezüglich Geschlechterkonstruktionen, weil nur somit diese aufgebrochen werden können und sich daher gesamtgesellschaftlich was ändern kann. Ich halte diese Lehrveranstaltungen nicht nur für sinnvoll sondern für essentiell.

Theatre of Tragedy: Ich würd gern eine Frage aus einem vorigen Chat recyclen: "Warum wurden die Räumlichkeiten des Café Rosa noch nicht wiederverpachtet? Wie viel soll diese Ablöse bringen, mit der Teile des Schadens gedeckt werden sollen?

Viktoria Spielmann: Es ist ein ÖH Uni Wien Projekt. Die ÖH setzt sich an der Uni Wien aus VSStÖ, GRAS und KSV-LiLi zusammen. Diese Koalition muss sich so schnell wie möglich um eine konstruktive Lösung bemühen. Ich möchte gerne anmerken, dass weder ich noch Marie Teil der ÖH Uni Wien sind, sondern auf Bundesebene agieren.

lu__wu: Gratis Öffis - wäre so etwas wirklich finanzierbar?

Viktoria Spielmann: Einerseits gab es bis 1996 die Freifahrt für Studierende, dies soll wieder als Idee aufgebracht werden. Andererseits zeigt Tallinn (Hauptstadt von Estland), dass gratis Öffis möglich sind, wenn der politische Wille zur gerechten Budgetverteilung da ist. Ein positiver Nebeneffekt ist auch, dass dort innerhalb von einem Jahr der motorisierte Verkehr um satte 15 Prozent zurückgegangen ist. Dies ist auch in Österreich möglich.

Dunax: Stichwort Wahlkampf: Wie steht ihre Fraktion zu den Vorkommnissen in Innsbruck - die 100 000€ AG Kampagne und zur mutwilligen Zerstörung der Plakate an verschiedenen Uni Standorten??

Viktoria Spielmann: Der 100.000 Euro Kampagne ging eine sehr intransparente Ausschreibung voraus, die vor allem die Oppositionsfraktionen sehr spät mitgeteilt bekommen haben. Zur Ausschreibung der Kampagne gab es keine objektiven Kriterien und den Oppositionsparteien wurde auch nicht klar mitgeteilt, um was es bei dieser Kampagne überhaupt gehen soll. Dass Plakate mutwillig zerstört werden, zeigt was für ein demokratisches Verständnis die AG mit ihrer Absoluten an der ÖH Uni Innsbruck in Richtung der Oppositionsparteien hat.

Georg Bürstmayr: vorausgesetzt, die GRAS bestimmt die nächsten 2 Jahre die Politik der ÖH mit: was stünde "on top of the list" - und was müsste erreicht werden, damit die GRAS von einem Erfolg spricht?

Viktoria Spielmann: Als erstes Projekt würden wir gerne ein Referat für Barrierefreiheit einrichten, da Studierende mit Behinderungen immer noch stark außen vorgelassen werden und wir als GRAS für eine inklusive Gesellschaft stehen. Weiters würden wir gerne einen Prozess der Mitbestimmungsmöglichkeiten der ÖH anregen und uns darauf konzentrieren wie alternative ÖH Strukturen ausschauen könnten.

charley-inc: Wann gab es bei der GRAS den letzten männlichen Bundesspitzenkandidaten?

Viktoria Spielmann: Soweit es mir bekannt ist, hat es das schon einmal gegeben, aber für die GRAS ist die oberste Priorität ihr feministischer Grundsatz, der dazu beiträgt Frauen zu ermächtigen mehr als fünfzig Prozent der Gesellschaft zu repräsentieren.

werner reisinger: weitere frage: immer wieder kommt es auf twitter von anonymen posterIennen, die laut kurzbio der GRAS nahe stehen, zu diffamierungen von journalistInnen und anderen kritischen personen. wäre es nicht an der zeit, sich von radikalen personen im GRAS

Viktoria Spielmann: Ich kann nur für mich sprechen, dass es wichtig ist, Kritik auch an JournalistInnen zu üben, das sollte aber in einem respektvollen Miteinander passieren.

temohpab: Warum gibt es keinen Koalitionswunsch mit KSV oder KSV-LiLi?

Viktoria Spielmann: Zur Erhaltung der progressiven Bildungspolitik schließen wir diese Fraktionen auch nicht aus.

gemmaluga: Wie stehen sie persönlich zum Versagen des Cafe Rosa?

Viktoria Spielmann: Ich finde es schade, dass dem mutigen Projekt nicht genug Zeit gegeben wurde und die AG anstatt konstruktiv mitzuarbeiten, politisches Kleingeld für ihre Fraktion herausschlagen wollte.

HalloWelt46: Was ist euer Wahlziel?

Viktoria Spielmann: Wir treten dieses Jahr an vier neuen Unis (Mozarteum Salzburg, MedUni Wien, Kunstuni Graz und Leoben) an. Dadurch erhoffen wir uns natürlich GRASige Zuwächse.

Palm_four: Der ÖH-Wahlkampf steht meiner Einschätzung nach ganz stark im Zeichen von Kritik an Wahlplakat-Vandalismus, Cafe Rosa, Kritik an der Aktionsgemeinschaft aus eigenen Reihen, etc. Fehlt Ihnen da nicht die inhaltliche Auseinandersetzung?

Viktoria Spielmann: Auf jeden Fall finde ich diese Einschätzung richtig und kann sie nur teilen. Mir ist es am wichtigsten, dass die Wahlbeteiligung raufgeht, ob dies dazu beiträgt, bezweifle ich. Genau deswegen ist es für uns als GRAS wichtig mehr Inhalte in den Vordergrund zu stellen, als politisches Hick Hack.

ModeratorIn: Die Zeit ist leider schon um. Danke für die vielen, vielen Fragen, die wir nicht alle stellen konnten. Danke auch an Viktoria Spielmann für den Besuch in der Redaktion. Morgen um 12 Uhr ist Florian Kraushofer von der FLÖ zu Gast bei uns.

Viktoria Spielmann: Danke für die äußerst interessanten Fragen. Es macht Spaß endlich Meinungen nach außen tragen zu können.

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