Erbgut-Studie bestätigt evolutionären Sonderweg der Schildkröten

8. Mai 2013, 19:11
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Forscher analysieren zwei Spezies und stellen erstaunlich hochentwickelten Geruchssinn fest

Kobe - Ein internationales Team mit über 30 Forschern hat erste Entwürfe des Erbguts von zwei Schildkrötenarten erstellt und einige Teile davon genauer analysiert. So besitze die Chinesische Weichschildkröte (Pelodiscus sinensis) 1.137 Geruchsgene und damit mehr als die meisten Säugetiere, schreiben die Forscher im Fachjournal "Nature Genetics". Auch die zweite analysierte Art, die Suppenschildkröte (Chelonia mydas), habe ihren Genen zufolge einen guten Geruchssinn.

Die Auswertung der beiden Genome bestätigt darüberhinaus, dass Schildkröten einen recht eigenständigen evolutionären Zweig der Reptilien darstellen. Wobei "Reptilien" ohnehin kein taxonomisch eindeutiger Begriff ist, da er nicht die Vögel miteinschließt, diese aber den Krokodilen näherstehen als die Krokodile anderen Reptilien wie Echsen und Schlangen. Schildkröten sind evolutionär gesehen noch einmal ein Stück weiter davon entfernt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass sie sich vor etwa 267 bis 248 Millionen Jahren von ihrer Verwandtschaft abgespaltet hätten, berichtet das Team um Naoki Irie vom Riken-Zentrum im japanischen Kobe.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich Schildkröten als Embryo zunächst wie andere Wirbeltiere entwickeln, bevor sie umschalten und etwa den Panzer ausbilden. Seine Entstehung basiere teilweise auf genetischen Informationen, die ansonsten die Bildung von Gliedmaßen steuere, erläutern die Forscher. Sie fanden zudem einen ersten Hinweis auf ein sogenanntes "Methusalem-Gen". (APA/red, derStandard.at, 8.5.2013)

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    Die Chinesische Weichschildkröte ist eine Süßwasserbewohnerin Ostasiens und steht als beliebte Delikatesse kurz vor der Ausrottung.

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