Die Tücken des Picknicks

1. Mai 2013, 16:25
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Über das Für und Wider des Essens auf der grünen Wiese

"In Monaten mit R", so sprach da einst die Großmutter, "darf man nicht im Gras sitzen". Dem Picknick im Monat April wohnt also immer schon etwas Subversives inne. Aber auch im Wonnemonat Mai darf man ruhig die Konventionen vergessen, wenn man auf der Decke herum lümmelt und die Finger in die Salatschüssel steckt, weil die Gabeln zu Hause vergessen wurden.

Das Picknick auf der grünen Wiese ist also ein Garant für Freiheit. Aber: Wo Freiheit, da auch Gefahr! Die Gefahren, die so ein Picknick mit sich bringt, sind vielfältig. Der Plastikbecher mit Wein kann umfallen, der Rock verrutschen, ein Käfer kapert die Decke, die Ameisen wuseln, man bekommt den ersten Sonnenbrand oder wird von Spaziergängern beim Knutschen überrascht.

Weitaus gefährlicher noch ist das Picknick in exotischen Ländern. Wo die Tausendfüßler so groß sind wie Weißwürste (zum Beispiel in der Serengeti), sollte man keine Decke zum Mahl auf dem Fußboden ausbreiten. Das sagt schon der Hausverstand, wenn er nicht gerade für einen Billigladen im Einsatz ist.

Es soll aber schon vorgekommen sein, dass sich eine Gruppe von Touristinnen im fernen Costa Rica unweit des Regenwaldes der Österreicher bei einem spätabendlichen Stromausfall fröhlich scherzend auf der nachtschwarzen Wiese vor dem Hotel niedergelassen hat, um die Wiederkehr der Elektrizität zu erwarten. Einige Biere konnten organisiert werden, man hatte es nicht eilig. Auch die Sterne funkelten schön.

Erst als der Strom wieder da war, sahen sie die schwarzen Skorpione, die hier immer schon zu Hause waren. Also: Nicht fern der Heimat auf eine Wiese setzen, nie! Und schon gar nicht im April. (Tanja Paar, derStandard.at, 1.5.2013)

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    Beim Picknick gehört es dazu, das Marmeladebrot mit Ameisen zu teilen. Bei Skorpionen ist Schluss mit der Großzügigkeit!

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