Ostkräfte zieht es in den Tourismus

29. April 2013, 18:12
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Nach der Arbeitsmarkt-Öffnung arbeiten vor allem in Ostösterreich viele Ungarn und Slowaken in Küchen und Hotelbetrieben

Osteuropäer haben hierzulande vor allem im Tourismus von der Öffnung des Arbeitsmarktes profitiert. Vor allem im Osten Österreichs arbeiten viele Ungarn und Slowaken als Kellner oder Hilfskraft.

Wien - Die Beseitigung der Arbeitsmarkt-Barrieren am 1. Mai 2011 für Bürger aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten hat vor allem dem heimischen Tourismus neue Kräfte beschert. Mit knapp 30.000 Personen ist die Branche Beherbergung und Gastronomie nicht nur der größte Arbeitgeber für die Zuwanderer, die Steigerung in den vergangenen zwei Jahren fällt laut Daten des Arbeitsmarktservice mit 110,5 Prozent auch am größten unter allen österreichischen Sektoren aus.

Jobben neben regulärer Beschäftigung

Es sind vor allem Ungarn und Slowaken, die in österreichischen Tourismusbetrieben einen neuen, teils zusätzlichen Broterwerb gefunden haben. "Je weiter östlich man geht, umso mehr Beschäftigte aus Osteuropa findet man", sagte Alexander Rauner von der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer dem STANDARD. Vor allem in Niederösterreich, Wien, Burgenland und Steiermark sei das Gros der Beschäftigten aus den neuen EU-Ländern zu finden.

"Es gibt viele Ungarn, die in ihrem Heimatland unter der Woche einer regulären Beschäftigung nachgehen und am Wochenende noch in einem Betrieb im Burgenland jobben", weiß Rauner. Kellner seien genauso darunter wie Hilfskräfte in der Küche.

In der St. Martins Therme und Lodge im Seewinkel, einem Leitbetrieb des Burgenlands, sind von den 200 Beschäftigten etwa 30 Prozent Ungarn.

Spanier und Griechen bleiben aus

Dass durch die 2014 anstehende Öffnung des Arbeitsmarktes für Rumänen und Bulgaren ein starker Zustrom an Arbeitskräften in österreichische Hotel- und Gastronomiebetriebe einsetzen werde, glaubt Rauner nicht. Trotz verschiedener Initiativen, tourismusaffine, arbeitslose Spanier oder Griechen nach Österreich zu locken, habe sich das mengenmäßig kaum ausgewirkt. So ist beispielsweise die Zahl der in österreichischen Tourismusbetrieben beschäftigten Spanier von 1594 im Jänner 2012 auf nur 1958 im Jänner des heurigen Jahres gestiegen.

Zweitstärkster Magnet für Ungarn, Polen oder Slowaken stellt die heimische Warenproduktion dar, in der zuletzt 17.461 Osteuropäer tätig waren. Der Zuwachs in den letzten beiden Jahren fällt mit 53 Prozent aber deutlich geringer aus als im Tourismus. Dahinter rangieren Handel (inklusive Kfz-Reparatur) und Bau mit jeweils gut 16.000 Beschäftigten aus den neuen Mitgliedsstaaten. Überall liegt der Zuwachs im Zweijahresvergleich unter dem Durchschnitt von 74,2 Prozent.

Nach Herkunft betrachtet haben sich vor allem Ungarn für einen Job in Österreich entschieden: Gut 55.000 Personen aus dem Nachbarland sind hierzulande beschäftigt, was gegenüber 2011 einer Steigerung von 96 Prozent entspricht. Dahinter folgen Polen (27.000), deren Zuwachs von unter 50 Prozent unterdurschnittlich war und Slowaken (21.000), deren Beschäftigung um 90 Prozent stieg. (Andreas Schnauder; Günther Strobl, DER STANDARD, 30.4.2013)

  • Vor allem im Osten Österreichs würde ohne Mitarbeit von Ungarn, Slowaken und anderen Personen aus Osteuropa in vielen Küchen und Hotelbetrieben vieles nicht mehr rundlaufen.

    Vor allem im Osten Österreichs würde ohne Mitarbeit von Ungarn, Slowaken und anderen Personen aus Osteuropa in vielen Küchen und Hotelbetrieben vieles nicht mehr rundlaufen.

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