Spurengase, gedruckte Zähne und Zelloberflächen

29. April 2013, 19:28
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Höchst dotierte private Förderung: Houska-Preise für wirtschaftsnahe Forschungsprojekte wurden vergeben

Der Wiener Karlsplatz erinnert daran, dass in Österreich wissenschaftliche Arbeit nicht immer gebührend gewürdigt wird: Dort sind Peter Mitterhofer, der Erfinder der Schreibmaschine und Josef Ressel, der Vater der Schiffsschraube, als Statuen verewigt. Doch zu Lebzeiten blieb ihnen jede Anerkennung versagt: Beide starben ohne Ehrung und verarmt.

Solche Schicksale verhindern möchte der Houska-Preis, der vergangene Woche zum achten Mal verliehen wurde. Die von der B&C Privatstiftung ausgelobte Auszeichnung ist der in Österreich höchstdotierte private Wissenschaftspreis: Insgesamt 300.000 Euro werden verteilt, allein das Siegerprojekt erhält 120.000 Euro. Bei der Prämierung stehen solche Projekte im Fokus, die schon bald im wirtschaftlichen Bereich eingesetzt werden können.

Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft nannte auch Josef Penninger als Maßnahme, um die Forschung hierzulande international konkurrenzfähig zu halten. Der Immunologe und Leiter des Institute of Molecular Biotechnology betonte in seiner Eröffnungsrede, dass angesichts massiver Forschungsförderung in anderen Ländern auch die Wirtschaft ihren Teil dazu beitragen sollte, um den Wissenschaftsstandort Österreich zu pflegen: "Wir müssen uns warm anziehen, um international weiterhin mitspielen zu können. Es wäre fantastisch, wenn auch österreichische Firmen daran glauben würden, dass öffentliche Innovation so wichtig ist, dass man dafür mehr Geld ausgibt."

Rezeptoren und Risiken

Bei den anwesenden Wissenschaftern ging keiner leer aus: Jedes der zehn nominierten Projekte erhielt bereits 10.000 Euro. Auf dem dritten Platz landeten Andreas Ebner und sein Team. Die Forscher von der Johannes-Kepler-Universität Linz haben Sensoren für Rasterkraftmikroskope entwickelt, die eine Auflösung im Nanometerbereich ermöglichen.

"So kann man mit einer extrem hohen Auflösung ein Abbild von Zelloberflächen erzeugen. Gleichzeitig lassen sich auch die Aktivitäten von Rezeptoren bestimmen. Damit kann zum Beispiel vor einer Operation ermitteln werden, wie riskant eine bestimmte Thrombose ist, weil man weiß, wie stark die jeweiligen Rezeptoren vertreten sind", führt Andreas Ebner aus. Einen medizinischen Bezug hat auch das zweitplatzierte Projekt: Jürgen Stampfl und seine Mitarbeiter von der TU Wien arbeiten daran, die Technologie von 3-D-Druckern zu verbessern.

Derzeit ist die mangelnde Qualität der eingesetzten Materialien ein Problem. Den TU-Forschern ist es nun gelungen, Werkstoffe zu entwickeln, mit denen sich Bauteile drucken lassen, die eine Qualität wie aus der Serienproduktion aufweisen. Ausgehend von diesen Ergebnissen könnte die 3-D-Drucker-Technik bald auch in der Zahnmedizin eingesetzt werden. "Unser Ansatz ist es, Werkstoffe zu entwickeln, mit denen Zahntechniker langfristig gesehen keramische Zähne ausdrucken können", erklärt Jürgen Stampfl.

Der Hauptpreis geht heuer an Armin Hansel und seine Kollegen von der Uni Innsbruck. Das Forscherteam entwickelte ein Messgerät für flüchtige organische Verbindungen. Der Einfluss dieser Verbindungen auf das Klima ist - im Gegensatz zu den Folgen von CO2 und Methan - wenig erforscht, auch deshalb, weil der Nachweis der Spurengase in der Luft bislang teuer und zeitaufwändig war. Das von Hansel und seinem Team entwickelte Verfahren liefert dagegen präzise Werte in Echtzeit.

Dieses Messgerät nutzen schon weltweit mehr als vierzig Forschungsinstitute in den Bereichen Umweltforschung, Biotechnologie und Qualitätssicherung. Auf dem Erfolg des Geräts will man sich aber nicht ausruhen. Armin Hansel: "Die Herausforderung bleibt, dass man mit einem überschaubaren Team weiterhin innovativ arbeiten kann und dafür den Zugang zu gut ausgebildeten Wissenschaftern hat." (Johannes Lau, DER STANDARD, 30.4./1.5.2013)

  • Der Physiker Armin Hansel gewann den Hauptpreis.
    foto: uibk

    Der Physiker Armin Hansel gewann den Hauptpreis.

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