Deutschland: Mit Online-Beratung gegen Internetsucht

30. Mai 2013, 15:01
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Aktion "Das andere Leben" soll Bildschirmzeit von Jugendlichen reduzieren

Weil Jugendliche immer mehr Zeit in den Weiten des Webs verbringen, will die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) nun mit der Online-Beratungsplattform Ins-Netz-Gehen.de und dem Programm "Das andere Leben" dagegen halten. Informationen, Selbsttest und persönliche Beratung sollen 12- bis 18-Jährigen dabei helfen, wieder mehr Zeit abseits des Bildschirms zu verbringen.

Studie: 113 Minuten Internet pro Tag

90 Prozent der Jugendlichen finden das Internet für ihre Freizeitgestaltung wichtig. Damit lässt dieses Medium sogar das Fernsehen weit hinter sich, das nur bei 56 Prozent der Befragten eine bedeutende Rolle einnimmt. Im Schnitt verbringt die junge Generation 113 Minuten pro Tag im Internet und nutzt den Großteil dieser Zeit für Kommunikation über Messenger, Facebook und Co.

Die Zahlen stammen aus der Studie "Jugend. Information. Multimedia." aus dem Jahre 2011. Durchgeführt wurde sie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest. Die internetbasierte Umsetzung soll dazu dienen, möglichst viele Jugendliche zu erreichen.

Kampagne packt Klischees aus

Bei der Ansprache der Zielgruppe spart man jedoch nicht mit Klischees. So heißt es etwa in der Programmerklärung auf der Website: "Du bist ein begnadeter Computerspieler? Das Internet ist dein Zuhause? Manche User werden besonders geschickt im Umgang mit Computergames und anderen elektronischen Medien. Doch oft hapert es dann bei den praktischen Dingen im realen Leben oder im Umgang mit anderen Menschen."

In einer Videobotschaft schildert ein Mädchen: "Ich bin echt froh, dass mich meine Freundin darauf angesprochen hat, dass ich viel zu viel im Netz rumhänge. Ich hätte das sonst nie gemerkt. (...) Ich gucke jetzt auch genauer hin, was meine Freunde eigentlich so treiben und sage dann auch mal was. Und du?"

Selbsttest fragt bevorzugte Spiel-Genres ab

Man verspricht, die Programmteilnehmer "fit für den Alltag" zu machen. In einem Selbsttest, der 18 Abschnitt enthält, wird im ersten Schritt die eigene Situation beleuchtet. Der Aufbau ist allerdings hinterfragenswert, zur Eruierung einer etwaigen "Online-Sucht" werden unter anderem bevorzugte Computerspiel-Genres abgefragt, was in der abschließenden Auswertung aber in keiner Weise reflektiert wird. In einem weiteren Teil soll eingegeben werden, wie oft man sich bereits auf seine "nächste Internet-Sitzung" freut.

"Offline-Fähigkeiten" per Coaching schulen

Das Testergebnis dient anschließend als Grundlage für die Betreuung durch einen persönlichen Coach, der bei der Schulung und Nutzung der "Offline-Fähigkeiten" helfen soll. Die Beratung – der Helfer ist an die Schweigepflicht gebunden - kann bis zu vier Wochen andauern und wird mit "Real Life Challenges" angereichert. Diese umfassen beispielsweise die Anmeldung bei einem Sportverein, wie Heise schildert.

Ein Tool namens "Medienchecker" hilft bei der eigenen Kontrolle der Online- und Videospielzeiten. Ein "Online-Wecker" soll helfen, die aktuell am Rechner verbrachte Zeit im Auge zu behalten. Unter interessierten Teilnehmern werden zudem monatlich T-Shirts mit dem Aufdruck "Mach' den PC aus, sonst lösche ich das Internet!" verlost. (gpi, derStandard.at, 30.05.2013)

  • Mit zur Verlosung stehenden T-Shirts wirbt die Kampagne "Das andere Leben" um Interesse.
    foto: ins-netz-gehen.de

    Mit zur Verlosung stehenden T-Shirts wirbt die Kampagne "Das andere Leben" um Interesse.

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