Walzer und Wiener Linien

29. April 2013, 17:23
posten

Emotionale Verbindungen: Das Wiener Staatsballett zeigt in der Volksoper einen bunten Abend aus "Kreation und Tradition"

Wien - Zwei Fliegen mit einem Schlag schaffte Ballettchef Manuel Legris mit der Zusammenstellung des Marathonprogramms Kreation und Tradition in der Wiener Volksoper: Für die Traditionalisten ließ er seine Top-Tänzer Szenen aus alten Handlungsballetten präsentieren, und den Fans neuer Bewegungsformen demonstrierte er, dass sein Ensemble auch dieses Segment zu bedienen weiß.

Der Abend beginnt ein wenig zäh mit einem Pas de six aus dem sowjetischen Ballett Laurencia, das von einiger Nervosität der Tänzer geprägt scheint. Dafür ist Irina Tsymbal gleich danach eine wunderbar klare und exakte "Giselle" als der Inbegriff der romantischen Ballerina des neunzehnten Jahrhunderts.

Zeitlich ist die Kombination der einzelnen Ausschnitte eine wilde Mischung, denn darauf folgt eine Hommage an die Wiener Tänzerin und Reform-Choreografin des Jugendstils, Grete Wiesenthal. Vor der Pause noch eine starke Demonstration modernen klassichen Stils von Olga Esina und Roman Lazik in der Uraufführung The White Pas de Deux von András Lukác, Halbsolist des Staatsballetts, zur Musik Tschaikowskis aus Schwanensee. Im zweiten Teil des Abends dann ganz andere Töne und Movements in der Uraufführung Zeitverschwendung von Andrey Kaydanovsky. Zur (Tonband-)Musik von Dimity Cheglakov suchten die in Contemporary Dance gute Figur machenden Corps-de-Ballets-Tänzer ihre verlorene Zeit, und eine Off-Stimme räsonierte über die Wartezeiten bei den Wiener Linien und telefonische Sex-Hotlines.

Manuel Legris gestaltete, wiederum ganz klassisch, einen Ausschnitt aus Die Bajadere nach Marius Petipa.

Noch zwei Uraufführungen: Herzblume von Solist Eno Peci thematisiert die schmerzliche Trennung einer Mutter von ihrem Kind, eine stilistisch sehr feine und elegante Arbeit. Zum Abschluss dann eine ganz andere Richtung: Out of Tango von Ballettmeisterin und Choreografin Vesna Orlic. In dieser sinnlichen und emotionalen Verbindung von Ballett und Gesellschaftstanz brillieren der ehemalige Kinderstar Rebecca Horner und Solist Mihail Sosnovshi - sehr schön! (Barbara Freitag, DER STANDARD, 30.4.2013)

Nächste Termine: 3., 7., 28. Mai.

www.volksoper.at

  • Top-Tänzer in der Volksoper.
    foto: wiener staatsballett/barbara pálffy

    Top-Tänzer in der Volksoper.

Share if you care.