Gebi Mair: "Ich bin ein guter Populist"

Interview29. April 2013, 15:18
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Der grüne Landtagsabgeordnete erinnerte im Tiroler Wahlkampf Menschen an den jungen Haider. Dem kann er etwas abgewinnen

STANDARD: Vergangenes Jahr waren in Innsbruck Gemeinderatswahlen, die Grünen wurden damals mit 19 Prozent Zweiter hinter der ÖVP (22 Prozent). Was hat sich im letzten Jahr verändert?

Mair: Ein Jahr grüne Regierungsbeteiligung wirkt. Innsbruck ist geistig erblüht, die Leute merken, dass sich da etwas tut. Sie sehen, wer die Führungsrolle hat und das sind die Grünen. Die Wahl am Wochenende ist aber auch eine Bestätigung für meine Arbeit und mich als Person. Ich habe das Duell zwischen mir und Herwig van Staa (ÖVP) ausgerufen und das ist für mich entschieden worden.

STANDARD: Sie haben 2011 gesagt, die Leute haben Sehnsucht nach Politik mit Anstand, davon würden die Grünen profitieren, die ÖVP nicht. Die ÖVP hat nur marginal verloren und bleibt deutlich Erster. Haben Sie sich geirrt?

Mair: Nein. In Innsbruck hat die ÖVP mit Minus sechs Prozent deutlich verloren. Das ist ein Zeichen für Anstand und gegen die Politik der VP. In den Bezirken gibt es Sondersituationen: Da wird etwa die VP gewählt, damit der zweite Kandidat eine Vorzugsstimme kriegt, um den ersten zu stürzen. Wir sind die einzige Partei im Landtag, die dazugewonnen hat.

STANDARD: 2003 erreichten die Grünen in Tirol 15,59 Prozent, weit entfernt vom aktuellen Ergebnis mit 12,1 Prozent. Wieso stehen die Grünen in Städten besser da, als auf dem Land?

Mair: Von der Wählerstruktur sind wir in den Städten bevorzugt: mehr junge Leute, Studenten. Aber 2008 waren wir bei den Jungen nicht ganz so gut. Das ist kein Automatismus. Junge Menschen sind genauso mit Verstand gesegnet wie alle anderen. Man muss sie vor jeder Wahl überzeugen.

STANDARD: VP-Chef Michael Spindelegger findet, Schwarz-Grüne hätte Charme. Sehen Sie das so?

Mair: Wir haben der ÖVP ein klares Angebot gemacht und gesagt, wenn ihr euch um 180 Grad dreht, dann gerne. Schluss mit Seilschaften, Schluss mit Intransparenz.

STANDARD: Sie sind einer der schärfsten Kritiker von Günther Platter. Könnte eine Zusammenarbeit funktionieren?

Mair: Ich werde einer seiner schärfsten Kritiker bleiben und zwar völlig zu Recht. Aber bei einer Regierung hängt es an Inhalten und nicht an Personen. Aber der billigste Partner ist immer die Sozialdemokratie, weil sie keinen eigene Inhalte hat.

STANDARD: 2012 haben Sie Bundeschefin Eva Glawischnig kritisiert. Wie ist Ihre Sicht auf die Bundespartei heute, knapp ein halbes Jahr vor den Nationalratswahlen?

Mair: Die Grünen im Bund haben einiges gelernt. Wie Glawischnig im Wahlkampf auf die Menschen zugegangen ist, war Hundert zu eins. Sie ist offener und kommunikativer geworden. Die strategische Linie, die gefahren wird - die Grünen als einzige korruptionsfreie Partei - ist erfolgreich.

STANDARD: Müssen die Grünen populistischer werden?

Mair: Durchaus. Eines der erfreulichen Ergebnisse der Wahl war auch, dass die FPÖ verloren hat. Das passiert nicht von selbst. Wir sind den Leuten nahe gekommen, haben ihr Bauchgefühl angesprochen. Das ist wichtig. Mehrere Leute haben zu mir gesagt: "Sie arbeiten wie der junge Haider, nur mit den richtigen Inhalten." Das ist erschreckend, weil wer will schon mit Haider verglichen werden. Aber man kann eben manche dieser populistischen Instrumente auch für das Gute einsetzen.

STANDARD: Würden Sie sich als Populist bezeichnen?

Mair: Als "guter Populist", ja. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 30.4.2013)

Gebi Mair (29) ist seit 2008 Abgeordneter im Tiroler Landtag. Er hat Politikwissenschaften studiert. Mair gilt als einer der schärfsten internen Kritiker der Grünen.

  • "Wir sind die einzige Partei im Landtag, die dazugewonnen hat", sagt der grüne Tiroler Abgeordnete Gebi Mair.
    foto: die grünen

    "Wir sind die einzige Partei im Landtag, die dazugewonnen hat", sagt der grüne Tiroler Abgeordnete Gebi Mair.

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