Ein Kreuzfahrtschiff als Graffiti-Bühne

Ansichtssache2. Mai 2013, 15:15
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An der Nordküste von Wales arbeitet die Gruppe DuDug mit Graffiti-Künstlern an der größten Freiluft-Galerie der Welt und will so ein Schiff retten

Vor der Nordküste von Wales liegt seit 1979 ein 137 Meter langes und 4.500 Tonnen schweres Kreuzfahrtschiff auf dem Trockenen. Die "Duke of Lancaster" war von 1956 bis Ende der 70er-Jahre zu den schottischen Inseln, Belgien, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Spanien unterwegs und gehörte zu den nobelsten Schiffen, die zu jener Zeit auf den Meeren verkehrten.

1978 wurde sie zur Autofähre degradiert und sollte schließlich zu einem Spielplatz für Erwachsene an Land umfunktioniert werden. An der "Dee Esturay", wo der Fluss Dee in die Irische See mündet, wurde sie in einem großen Haufen Sand und Beton eingegraben, fixiert und mit Kino, Spielhalle, Restaurant und Hotelzimmern ausgestattet. Die Zeit als "Funship" dauerte nicht lange, und 1985 wurde das Vergnügungsschiff geschlossen. Seither verwittert, verrostet und vergammelt der Gigant.

Mit Spraydosen für den Tourismus

Die Innenräume sind erhalten und es wirkt, als würde die "Duke of Lancaster" nur auf Passagiere warten, um die Anker für eine neuerliche Fahrt zu lichten. Von außen jedoch gab das Schiff ein trauriges Bild ab - bis es von Graffiti-Künstlern entdeckt wurde. Im August 2012 wurde der lettische Künstler "Kiwie" dazu eingeladen, ein Bild an den Rumpf zu sprayen. Gemeinsam mit weiteren Künstlern aus Europa entstanden mit Einverständnis der Eigentümer unter dem Motto: "Your Ship Looks Like **** so wie painted it" die ersten Gemälde - zum Thema Korruption. Einige der Künstler aus der ersten Phase blieben anonym, die ganze Aktion hatte etwas Verwegenes, Illegales, Verbotenes - und wurde erst nach der Vollendung öffentlich gemacht. 

In einer zweiten Phase wurden zwischen März und April 2013 erneut internationale Graffiti-Künstler eingeladen, um sich an der Gestaltung zu beteiligen: Dale Grimshaw, SNUB23, Space Hop und Dan Kitchener erklärten sich bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Entstehung der Kunstwerke im Rahmen der zweiten Phase konnte mitverfolgt werden, die Namen aller Künstler waren bereits vorab bekannt.


121 Quadratmeter Protest: Die drei Affen von GOIN, die am Schiffsrumpf sitzen und nichts sehen, hören oder sagen, spielen auf den 30 Jahre andauernden Kampf des Schiffseigentümers mit dem Gemeinderat an, bei dem es darum geht, das Schiff wieder für Aktivitäten zu öffnen und so Touristen anzulocken. (Foto: Gary Dickinson)

Die größte Freiluft-Galerie der Welt

Mit der Spray-Aktion soll das Schiff wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und eine Wiedereröffnung erreicht werden. Zu diesem Zweck waren im Laufe des Projekts bis jetzt Künstler aus Lettland, Frankreich und Ungarn sowie aus Wales, Irland und England am Werk. Sie alle arbeiten daran, in einer wirtschaftlich angeschlagenen Region mit dem außergewöhnlichen Schiff eine neue, touristische Attraktion zu erschaffen.

Die Reaktionen auf das Projekt waren von Anfang an sehr unterschiedlich, da es sich für viele um "illegale Sprayereien" handelte. Mittlerweile würden sich die Meinungen aber ändern, da die Menschen erkannt hätten, dass sich dank der Graffitis das ehemals rostige Wrack in die "größte Open-Air-Galerie" der Welt verwandelt.

Nun wartet die Gruppe darauf, dass auch der Gemeinderat erkennt, dass das Projekt eine Chance für die Region darstellt. Zu diesem Zweck wurde kürzlich eine riesige Postkarte an den Gemeinderat von Flintshire geschickt, mit der DuDug daran erinnert, dass man sich mit Hilfe zahlreicher Künstler um die Revitalisierung des Wracks kümmert und dabei Unterstützung erwartet.

Die Eigentümer der "Duke of Lancaster" stehen auf jeden Fall hinter den Sprayern und hoffen, dass aus dem ehemals hässlichen, rostigen Wrack wieder eine Touristenattraktion wird.

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So sah die Duke of Lancaster aus, ehe die Gruppe DuDug sich ihrer annahm. Ein rostiges, verfallenes Schiff, das von außen nicht erahnen lässt, wie luxuriös es innen geblieben ist.

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