ÖVP mobilisierte am besten

28. April 2013, 20:00
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Arbeitsplätze, Bildung und Kosten des täglichen Lebens wichtigste Themen für die Wahlentscheidung - ÖVP bei Pensionisten stark, Grüne punkten bei Jungen - FPÖ überzeugt nur jeden dritten ehemaligen Wähler

In Tirol hat sich der Wunsch nach einer Veränderung nicht durchgesetzt. Die rund 40 Prozent aller WählerInnen, die für die ÖVP stimmten, wollten die Partei weiter in der Landesregierung und Spitzenkandidat Günther Platter als Landeshauptmann sehen. Das waren die beiden stärksten Motive der ÖVP-Wähler, ergab die SORA/ISA-Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF. Ähnlich das Ergebnis Peter Hajeks für ATV: Die ÖVP-Wähler waren mit der Arbeit ihrer Partei zufrieden, und "alles soll so bleiben, wie es ist".

Wichtigstes Thema für die WählerInnen waren laut SORA-Daten die Arbeitsplätze (für 75 Prozent "sehr wichtig"), die schon in Niederösterreich und Kärnten im März jeweils das bestimmende Thema waren. Dahinter folgten Bildung (71 Prozent), Kosten des täglichen Lebens (70 Prozent) und die Bekämpfung der Korruption (69 Prozent).

Vergleichsweise weniger wichtig war die Debatte der Tiroler Parteien über die Agrargemeinschaften (für 47 Prozent "sehr wichtig). Auch Zuwanderung und Integration schätzten weniger als die Hälfte der Befragten als "sehr wichtig" ein.



Auch bei Hajek stehen Arbeitsplätze und Zufriedenheit ganz oben auf der Liste der Wahlmotive:

Hajek hat das Wahlverhalten auch nach soziodemografischen Merkmalen erhoben. Die ÖVP hat dabei vor allem bei der Generation über 50 punkten können:

Ältere und Zufriedene für ÖVP

Die ÖVP wurde in Tirol auch laut SORA-Daten überdurchschnittlich von Älteren sowie von Personen unterstützt, die die Entwicklung des Landes positiv sehen. Abgewandert sind hingegen WählerInnen, die mit der Entwicklung nicht zufrieden sind. Generell ist die ÖVP-Wählerschaft älter geworden: Während im Jahr 2008 noch mehr als ein Drittel der unter 30-Jährigen die ÖVP wählten, war es diesmal nur ein gutes Viertel (26 Prozent).

Stärkstes Motiv der ÖVP-WählerInnen für ihre Entscheidung war, dass die ÖVP in die Landesregierung kommen soll (82 Prozent "trifft sehr zu"), gefolgt vom Wunsch, Platter möge Landeshauptmann bleiben (74 Prozent), und der Ansicht, die ÖVP sorge für Stabilität (72 Prozent).

SPÖ mobilisiert Unzufriedene

Personen, die die Entwicklung des Landes negativ beurteilen, haben sich insbesondere für die SPÖ entschieden. Überzeugend fanden die SPÖ-UnterstützerInnen Spitzenkandidat Gerhard Reheis: Mehr als vier Fünftel der SPÖ-WählerInnen hätten ihm in einer Direktwahl zum Landeshauptmann ihre Stimme gegeben.

Grüne bei Jungen stark

Die Grünen wurden auch bei dieser Wahl vor allem von Jüngeren gewählt und erreichten bei den unter 30-Jährigen 20 Prozent. Wichtigste Wahlmotive für die Grün-WählerInnen waren die Kontrolle von Missständen, die Interessenvertretung und der Wunsch, die Grünen mögen in die Landesregierung kommen (jeweils für 72 bis 73 Prozent "sehr wichtig").

Vorwärts Tirol frischer Wind und Alternative zur ÖVP

Die Wählerschaft von Vorwärts Tirol unterscheidet sich von jener der ÖVP in der Einschätzung der Entwicklung des Landes seit der letzten Landtagswahl: Während ÖVP-WählerInnen diese überwiegend positiv sehen, herrscht unter Vorwärts-WählerInnen ein negatives Bild. Wichtigste Wahlmotive waren demgemäß der "frische Wind", den die neue Liste bringen sollte, und die Ansicht, es handle sich um eine "gute Alternative" zur ÖVP.

Kleinparteien und neue Listen

Mit elf Listen kämpften in Tirol mehr Gruppen denn je um Stimmen. Gemeinsam hatten die Kleinparteien und erstmals angetretenen Listen, dass ihre WählerInnen sich mehrheitlich erst unmittelbar vor der Wahl oder den zwei bis drei Wochen vor der Wahl entschlossen haben. 

Liste Fritz verliert an Nichtwähler

Die Liste Fritz konnte am Sonntag ihre Wähler aus dem Jahr 2008 nicht mehr mobilisieren. Tausende Stimmen gingen an die Nichtwähler verloren, geht aus den Wählerstromanalysen hervor. Abgewandert sind ehemalige Wähler der Liste Fritz etwa zur ÖVP, dem Team Stronach, den Grünen und Gurgiser & Team.

Laut den Daten der ARGE Wahlen hat die Liste Fritz knapp 13.000 Stimmen an die Nichtwähler verloren. Auch mehr als 9.000 ÖVP-Wähler aus dem Jahr 2008 sind dieses Mal nicht mehr zur Urne geschritten. Nichtwähler für sich gewinnen konnte Vorwärts Tirol (5.840). Gewonnen hat die ÖVP sowohl von der Liste Fritz (4.380) als auch von der FPÖ (3.840). Auch das Team Stronach hat die Liste Fritz Stimmen gekostet (2.590), ebenso die Grünen (2.170) und Gurgiser (4.700).

FPÖ kann nur jeden dritten ehemaligen Wähler überzeugen

Die Wählerstromanalyse von SORA weist gar 16.000 frühere Liste-Fritz-Wähler aus, die dieses Mal zu Hause blieben. Nennenswerte Zugewinne von 4.000 Stimmen konnte die Liste bei ehemaligen ÖVP-Wählern erzielen. Am besten mobilisiert hat die ÖVP, die 102.000 ihrer Wähler (74 Prozent) von 2008 wieder für sich gewinnen konnte. Den größten Verlust erlitt die ÖVP an Vorwärts Tirol (12.000).

Die SPÖ mobilisierte laut SORA 56 Prozent ihrer Wähler der letzten Landtagswahl wieder für sich. Den größten Verlust (8.000 Stimmen) erlitt die Partei an die Nichtwähler, gefolgt von der ÖVP (5.000).

Die FPÖ konnte demnach nur jeden dritten Wähler von 2008 wieder von sich überzeugen. Zugewinne kamen von der Liste Fritz, den größten Verlust erlitten die Freiheitlichen an die Nichtwähler. Die Grünen überzeugten laut SORA 58 Prozent ihrer Unterstützer der vergangenen Wahl. Sie gewannen Stimmen von der Liste Fritz und der ÖVP. Verluste für die Grünen gab es an Vorwärts Tirol und an die Nichtwähler. (APA/red, derStandard.at, 28.4.2013)

  • SORA-Wahltagsbefragung und Wählerstromanalyse Landtagswahl Tirol 2013

    Angaben zur Methodik
    Auftraggeber: ORF
    Grundgesamtheit: Wahlberechtigte zur Tiroler Landtagswahl 2013
    Befragungsmethode: Telefonische Interviews (CATI)
    Befragungszeitraum: 26. April abends bis 28. April mittags
    Durchführung der Interviews: IPR Umfrageforschung
    Stichprobe: mindestens n=1.227, repräsentative Zufallsauswahl
    Gewichtung der Daten: soziodemografisch (Geschlecht, Alter, Bildung, Erwerb); Hochrechnung um 16.10 Uhr
    Schwankungsbreite für n=1.227: 2,8 Prozent
    Bei der Auswertung von Untergruppen muss berücksichtigt werden, dass die Schwankungsbreiten größer werden: für zum Beispiel 150 Personen maximal +/-8 Prozent.

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  • Peter Hajek: Wählerstruktur der Tirol-Wahl 2013

    Angaben zur Methodik
    Auftraggeber: ATV
    Methode: Telefonische Befragung
    Zielgruppe: Tiroler Bevölkerung ab 16 Jahren
    Stichprobengröße: 1.000 Befragte
    Maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse: +/-3,1 Prozent
    Feldarbeit: 24. bis 28. April

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  • Peter Hajek: Wählermotive zur Tirol-Wahl 2013.

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