Leder & Schuh: "Hart an der Struktur gearbeitet"

28. April 2013, 18:11
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Peter Simma will den Schuhkonzern in die Gewinnzone zurückführen. Im Vorjahr wurden 56 Standorte geschlossen

Wien - Junge Frauen bestellen im Netz mehrere Dutzend Paar Schuhe. Das Pakete-Auspacken daheim wird zur Party, um dann den Großteil der Schuhe bis auf wenige Modelle zu retournieren. Internetanbieter wie Zalando fahren traditionellen Schuhhändlern rasant um die Ohren. Und sie sind nicht die Einzigen, die der Branche Marktanteile abspenstig machen: Textilkonzerne von Primark bis Zara offerieren in ihren Shops zum Outfit vermehrt passendes Fußwerk.

Auch in eigenen Reihen wächst die Konkurrenz. So steigt heuer et- wa der polnische Schuhdiskonter CCC in Österreich ein. Sein erster Laden soll in Wien-Mitte eröffnen. Der kanadische Branchenriese Al- do hat mit drei Geschäften hierzulande bereits den Fuß in der Tür.

Nicht in der Defensive

Österreichs größte Schuhgruppe, Leder & Schuh, mit Vertriebslinien von Humanic über Stiefelkönig bis zu Shoe4You, Jello, Dominici und Corti, ist aus Sicht ihres neuen Vorstandschefs Peter Simma dennoch nicht in der Defensive. Er halte an sämtlichen bisherigen Vertriebsmarken fest, sagt der frühere Wolford-Finanzchef dem Standard. "Das Entscheidende auf dem Markt wird die Mindestgröße sein." Der Konzern sei gut aufgestellt und wolle weiter wachsen.

Leder & Schuh hat 2011 Verluste von acht Millionen Euro eingefahren. Im Vorjahr sollen sie sich annähernd verdoppelt haben, wobei die Hälfte der vor rund eineinhalb Jahren erworbenen Stiefelkönig-Kette zuzurechnen sei, wie in der Branche zu hören ist. Marktexperten machen beim Familienkonzern überzogene Expansion in Osteuropa aus, zu viele Vertriebslinien und hohe Overheadkosten. Aus der Bilanz 2011 geht hervor, dass Nettoverkaufserlöse, Margen wie Eigenkapital schmolzen - und sich "die Finanzierungskennzahlen deutlich verschlechterten".

Kürzer treten in Osteuropa

Für Simma ist das Bild des Konzerns ein anderes: Man habe hart an der Struktur gearbeitet, sei intern schlank aufgebaut und habe das schwierige Marktumfeld mittlerweile gut überbrückt. Stiefelkönig nicht mit eingerechnet, sei die Gruppe im Vorjahr operativ positiv gewesen, sagt Simma. Leder & Schuh werde heuer wieder insgesamt in die Gewinnzone zurückkehren. Das Eigenkapital liege bei "deutlich mehr als 30 Prozent".

Leder & Schuh habe im Vorjahr 56 Filialen geschlossen. Die Steirer zogen sich aus der Schweiz völlig zurück. In Polen ist man nur noch mit sechs Filialen vertreten. Stark verkleinert wurde das Netz an Shops in Ungarn. " Der Fokus liegt hier auf urbanen Konzepten." Aus Deutschland weicht Jello; einige Läden wurden zu Shoe4You. Simma sieht in Deutschland für Shoe4You wie für Humanic nach wie vor gute Expansionschancen. Vor vier Tagen eröffnete in München ein neuer Humanic.

Restrukturierung abgeschlossen

Leder & Schuh habe im Vorjahr 543 Millionen Euro umgesetzt, erläutert Simma. 2011 waren es 521 Millionen, allerdings war damals Stiefelkönig nicht mit dabei. Die Zahl an Filialen stieg mit dem Zukauf von 354 auf 378. Die Restrukturierung Stiefelkönigs sei nun abgeschlossen, sagt Simma. Die Zahl seiner Shops werde sich zwischen 45 und 50 einpendeln, heuer gebe es Gewinne. Dass Stiefelkönig als einstiger Erzrivale des Unternehmens vor allem aus Emotionalität heraus erworben wurde, nicht zuletzt auch, um die deutsche Reno in Österreich kleinzuhalten, das weist er entschieden zurück. "Es war klar ein strategischer Kauf."

Simma will mit Leder & Schuh ab 2015 in neue Märkte vorstoßen, die derzeit geprüft werden, wie er sagt. Seit Jahren gut unterwegs sei die Gruppe bei der Vernetzung des Onlinehandels mit stationären Filialen. Bis zu zehn Prozent ihres Umsatzes würden übers Netz generiert. Vermessene eingescannte Füße, Webzugang in Shops, Onlinereservierungen und kostenloser Versand sollen die Verschränkung vorantreiben. Damit das Ganze profitabel sei, brauche es "effiziente Logistik- und Kostenstrukturen". Partys in Schuhgeschäften sieht Simma eher skeptisch. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 29.4.2013)

  • 2011 rutschte Leder & Schuh in die Verlustzone. Deutsche Schuhketten wie Görtz gerieten ebenso ins Straucheln. Die Branche kämpft gegen Onlinehändler und branchenfremde Konkurrenz.
    foto: standard/corn

    2011 rutschte Leder & Schuh in die Verlustzone. Deutsche Schuhketten wie Görtz gerieten ebenso ins Straucheln. Die Branche kämpft gegen Onlinehändler und branchenfremde Konkurrenz.

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