Großer Krapfen

Einserkastl28. April 2013, 17:32
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Mistelbach lotet mit dem "größten Punschkrapferl der Welt" die Grenzen der Kunst aus

Kulturvermittlung im ländlichen Raum birgt eigene Herausforderungen. Aktuell lässt sich das an der Ausstellung des Museumszentrums Mistelbach erleben. Sie ist der Geschichte der Mehlspeise gewidmet und dürfte diesen Mittwoch (passend zum Staatsfeiertag) einen Höhepunkt erleben.

Da wird ein Konditor "das größte Punschkrapferl der Welt" vor dem Museum deponieren. Wenn das nicht Avantgarde ist! Nun mögen die Begriffe "Kunst" und "Krapfen" bislang eher mit Piero Manzonis "Merda d'artista" (1961) assoziiert werden - gerade in der Kunst aber wollen die Grenzen stetig neu ausgelotet werden.

"Außen rosa, innen braun"

Zwar wird man den traditionell aus Kuchenresten zusammengeklebten Süßziegel kaum als raffinierteste der Schöpfungen unserer welteinmaligen Zuckerbäckerkunst identifizieren - unterschätzen darf man ihn deshalb nicht, erst recht in solch kolossaler Ausformung.

Schließlich ist das Museumszentrum der Öffentlichkeit vor allem als Nitsch-Museum präsent. Und orgiastisch dürfte das kollektive Einschieben des Großkrapfens (800 kg, 1500 Portionen) allemal werden.

Dazu verweist der Termin am Staatsfeiertag direkt auf Robert Menasse und seine Definition der Zweiten Republik als Punschkrapfen - "außen rosa, innen braun und nur durch Alkohol neutralisiert". Plötzlich wird offenbar: Die Punschkrapferl-Bonanza von Mistelbach birgt Brisanz von staatskünstlerischer Dimension! (Severin Corti, DER STANDARD, 29.4.2013)

  • Ein Krapfen als Herausforderung für Manzoni?

    Ein Krapfen als Herausforderung für Manzoni?

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