Wie Blutstammzellen auf Notfälle reagieren

26. April 2013, 16:53
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Forscher fanden heraus, wie blutbildende Stammzellen auf Infektionen reagieren. Diese Erkenntnis könnte helfen, die Blutbildung von Patienten mit Knochenmarktransplantation künstlich zu beschleunigen

Paris - Ein deutsch-französisches Forscherteam hat eine unerwartete Rolle von blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen entdeckt: Neben ihrer Fähigkeit, unsere Blutkörperchen ständig zu erneuern, sind sie auch in der Lage, "auf Bestellung" und im Notfall weiße Blutkörperchen zu produzieren, die der Organismus zur Abwehr von Entzündungen oder Infektionen benötigt.

Seit vielen Jahren versuchen die Forscher zu ermitteln, wie bei Stammzellen dieser Prozess der Spezialisierung ausgelöst wird. Michael Sieweke und sein Team haben herausgefunden, dass sie sich nicht in beliebiger Reihenfolge in bestimmte Zellen differenzieren, sondern sich unter dem Einfluss von internen Faktoren und äußeren Signalen spezialisieren. Diese unerwartete Eigenschaft könnte dazu genutzt werden, Patienten mit einer Knochenmarkstransplantation vor Infektionen zu schützen, während sich ihr Immunsystem regeneriert.

"Wir haben entdeckt, dass ein biologischer Signalstoff, der während einer Infektion oder Entzündung in großen Mengen vom Körper produziert wird, den Weg für die Stammzellen vorgibt", sagt Sandrine Sarrazin, Co-Autorin der Veröffentlichung. Der Signalstoff M-CSF (Makrophagen-Kolonien-stimulierende Faktoren) wirkt direkt auf die Stammzellen ein und aktiviert dort den Hauptschalter (PU.1) für einen speziellen Entwicklungsweg bestimmter Blutzellen. Damit kann der Körper direkt auf einen akuten Bedarf reagieren und schneller genau die weißen Blutzellen produzieren, die vor Infektionen schützen.

"Da wir jetzt den Signalstoff kennen, der das Startsignal für die Bildung der weißen Blutzellen, sprich der Makrophagen, gibt, ist es in Zukunft vielleicht möglich, die Blutbildung und damit den Aufbau des Immunsystems künstlich zu beschleunigen, etwa bei Patienten, die eine Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation erhalten", so Michael Sieweke vom französischen CNRS. (red, derStandard.at, 26.4.2013)

  • Eine Kombination aus internen und externen Faktoren bestimmt, wie und wann sich blutbildende Stammzellen in verschiedene Blutkörperchen spezialisieren.

    Eine Kombination aus internen und externen Faktoren bestimmt, wie und wann sich blutbildende Stammzellen in verschiedene Blutkörperchen spezialisieren.

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