Gipfel mit falschem Schnee

26. April 2013, 18:27
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"Fokus" in Innsbruck zeigt erstmals Arbeiten von Sonja Braas: fotografische Landschaften mit Hinwendung zum Katastrophischen

Innsbruck - Wenn Berge wie von Schnee "angezuckert" erscheinen, bekommen sie eine weiche Aura; wird der Schnee heftiger, sehen sie allerdings aus wie kantige Eisschollen. Solche Bilder und ihre Faszination vermag die junge deutsche Künstlerin Sonja Braas mit ihren fotografischen Werkgruppen zu erzeugen.

Dabei wird, wie jetzt in der aktuellen Ausstellung So Far im "Fokus" zu sehen ist, das Auge zunächst getäuscht. Der Blick fällt zwar auf scheinbar fotografierte beschneite Berge. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die etwas zu pudrige Oberfläche des Schnees. Und hier wird die Beschaffenheit der Bilderzeugung deutlich: Die Künstlerin nutzt ihre Kenntnisse aus der Malerei und dem Modellbau, um akribisch an der räumlichen Inszenierung jedes einzelnen fotografischen Bildes weiterzuarbeiten. So hat Braas z. B. für ihre Werkgruppe The Passage ein vier Meter breites und fünf Meter tiefes Modell gebaut. Entstanden sind 52 Fotoaufnahmen von konstruierten Polarlandschaften, die von hellen Weiten bis hin zu dunk- len, sternenüberfrachteten Nachtansichten des Polarkreises reichen. Es ist nicht Zucker, aber immerhin "Baking Soda" (Speisesoda), das Braas einsetzt. Dabei imitiert "Baking Soda" den Schnee; Wasser bringt es in die Form von Eisflächen; ähnlich dem Eismeer -Gemälde von Caspar David Friedrich (1823). Aber die Künstlerin setzt nicht nur ihre eigene Faszination in Szene, sondern auch jene, die kommerzielle Bildmedien vermitteln: die Vorliebe für Naturkatastrophen in Form von Eisstürmen oder Flutkatastrophen. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 27./28.4.2013)

  • Fotografien, auf denen Speisesoda die Gipfel verfeinert: Sonja Braas' Polarlandschaften. 
    foto: sonja braas

    Fotografien, auf denen Speisesoda die Gipfel verfeinert: Sonja Braas' Polarlandschaften. 

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