IBM nimmt Führungskräfte beim Recruiting in die Pflicht

26. April 2013, 17:13
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IBM hat in Bratislava ein Social-Media-Recruiting-Center für ganz Europa eingerichtet

Es seien nicht alle Führungskräfte sofort "enthusiasmiert" gewesen, sagt Simone Oremovic, Director Human Ressources IBM Österreich mit rund 2000 Mitarbeitern. Aber die Ausgangslage sei klar: IBM wolle "weg vom Jobprofil und hin zum Persönlichkeitsprofil".

Fachkenntnisse sind demnach Voraussetzung, die jeweilige Führungskraft muss - besser: darf - nun entscheiden, ob die Persönlichkeit ins Team passt. Der Weg, wonach man Jobprofile ewig kopiere und weiterschreibe, sodass die Neuen in die Profile der Alten passen, sei nicht mehr angemessen.

Im Grundablauf funktioniert das nun so: In Bratislava sitzen 15 Social-Media-Experten mit Kenntnissen der jeweiligen Länderspezifika in Europa. Gibt es ein "Hiring Ticket", also Besetzungserlaubnis, dann schickt Human Resources das erwünschte Persönlichkeitsprofil inklusive fachlicher Anforderungen an die Datenbank ins Center, welches daraufhin Vorschläge für die jeweils passenden Kanäle (spezifische Foren, Netzwerke, Twitter) macht.

Führung als Personalarbeit

Bewerbungen, die daraufhin eintreffen, landen bei der jeweiligen Führungskraft, das Center in Bratislava hat vorselektioniert, bei Absagen mit vorgegebenen Textbausteinen, die angepasst werden, geantwortet. Jetzt muss - darf - sich die zuständige Führungsstelle mit den Lebensläufen befassen. Oremovic: "Das ist nicht zurückzudelegieren an Human Resources." Abschieben geht also nicht, allerdings gibt es auf Anforderung Hilfe und Unterstützung beim Assessment. Erst bei der finalen Verhandlung und Fixierung kommen die Human Resources wieder ins Spiel.

Wie sicherzustellen sei, dass Abläufe und Interview-Inhalte professionell gehandhabt und gemanagt werden?

Führungskräfte seien speziell geschult worden, aber: "Ja, es ist eine Art des Loslassens. Die Führungskräfte müssen aber größtes Interesse haben, die jeweils Besten und Passendsten zu nehmen. Sie arbeiten ja dann mit ihnen. Es gibt ein Minimum an Dokumentation, aber sicher nicht ein solches, das permanente Kontrolle im Prozess sicherstellen soll."

Recruiter bei der IBM würden dadurch nicht arbeitslos, sondern seien intern um ein Level in "strategisches Recruiting" aufgewertet worden. Sei der gesamte Mediamix im Recruiting zu bedienen, dann liege das in diesen Händen. Ebenso wie "zehn Prozent am Anfang des Recruitingprozess und zehn Prozent am Ende. 80 Prozent dazwischen liegen bei der Führungskraft." Einmal wöchentlich findet laut Oremovic ein "Hiring Board" statt, in dem diesbezüglich Aktuelles ausgetauscht, besprochen, beschlossen werde. (kbau, DER STANDARD, 27./28.4.2013)

  • Weg vom Jobprofil, hin zum Persönlichkeitsprofil: IBM-Personaldirektorin Simone Oremovic. Ob sie es wollen oder nicht - Führungskräfte sind jetzt diejenigen, die sich mit Lebensläufen, Gesprächen und der Auswahl befassen.
    foto: ibm

    Weg vom Jobprofil, hin zum Persönlichkeitsprofil: IBM-Personaldirektorin Simone Oremovic. Ob sie es wollen oder nicht - Führungskräfte sind jetzt diejenigen, die sich mit Lebensläufen, Gesprächen und der Auswahl befassen.

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