Rabl-Stadler: "Habe kein Talent zur Frustration"

26. April 2013, 17:03
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Diesen Mittwoch war Helga Rabl-Stadler, seit 1995 Präsidentin der Salzburger Festspiele, zu Gast bei der Siemens Academy of Life

Zwei Tage, nachdem die Salzburger Festspiele mit dem International Opera Award als bestes Opernfestival der Welt ausgezeichnet wurden, war deren Präsidentin Helga Rabl-Stadler zu Gast bei der Siemens Academy of Life. Moderatorin Barbara Rett (ORF) führte sie - die Wiener Zeitung zitierend - als die "einzige Überlebende" ein.

Seit ihrem Antritt als Festspielpräsidentin im Jahr 1995, zur Zeit der Intendanz von Gerard Mortier, wurden nach dessen Weggang Peter Ruzicka, Jürgen Flimm, Markus Hinterhäuser und zuletzt Alexander Pereira zu Intendanten der Festspiele bestellt. Legendär schon Rabl-Stadlers konfliktreiche Auseinandersetzung mit Mortier, der sie einst als " Dirndlverkäuferin aus der Getreidegasse" bezeichnete. Auf die Frage, was sie denn heute dazu sage, antwortet Rabl-Stadler: "Man kann großzügig sein, wenn man seine Möchtegern-Mörder überlebt." Rabl-Stadler, die sich sonst bezüglich ihrer emotionalen Befindlichkeiten gerne bedeckt hält - " ich mache das lieber mit mir selbst aus" -, sprach am Mittwochabend zum Teil sehr offen aus, was sie gekränkt, womit sie persönlich gekämpft hat.

1948 wurde sie als Tochter der Kauffrau Rosl Resmann, Inhaberin des gleichnamigen Modehauses in Salzburg, geboren. Bis zu ihrem 21. Lebensjahr wähnte sie den Sägewerksbesitzer Wilfried Stadler als ihren Vater, bis sie erfuhr, dass ihr leiblicher Vater Gerd Bacher ist, der zu diesem Zeitpunkt schon ORF-Generalintendant war. Heute sagt sie: "Es ist eine dumme Idee, einem Kind erst so spät zu sagen, wer der richtige Vater ist. Mich hat das ein Jahr total beschäftigt." Erstaunlich sei, wie viele Gemeinsamkeiten sie und ihr Vater haben, "ohne dass er je Einfluss auf mich nehmen konnte", sagt sie.

Praktische Frauenpolitik

Vor der Zeit als Festspielpräsidentin hatte die heuer 65-Jährige bereits eine mehr als bewegte Karriere hingelegt: Nach dem Jus-Studium heuerte sie bei der Presse an, wechselte danach zur Wochenpresse, wo sie ihren Mann, den ehemaligen Kurier-Chefredakteur Peter Rabl, kennenlernte - aus dieser Beziehung gingen die beiden Söhne Sebastian und Maximilian hervor. Danach war sie Kolumnistin beim Kurier.

1978 verließ sie Wien, um im familieneigenen Modehaus zu arbeiten, und wurde 1985 Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg, 1988 dann deren Präsidentin. Ein heute ebenfalls schon legendäres Zitat zu dieser Zeit: "Vizepräsidentin bin ich geworden, weil ich eine Frau bin. Präsidentin, obwohl ich eine Frau bin." Den Grund für Letzteres sieht sie darin, dass "die Männer" sich beim Wettern um den Posten zerstritten hatten. "So wenig, wie eine Quote so etwas regeln sollte", sagt Rabl-Stadler, "so wenig sollte auch ein Streit eine Grundlage für solch eine Entscheidung sein." Nebensatz zur Quote: Ihre Frauenpolitik sei immer eine praktische gewesen: "Ich habe geschaut, dass Frauen in Positionen kommen." Von 1983 bis 1990 und dann noch kurz im Jahr 1994 war Rabl-Stadler für die ÖVP Abgeordnete zum Nationalrat - damals habe sie sich etwa um Themen wie die flexiblen Arbeitszeiten eingesetzt.

Rabl-Stadlers Vertrag als Festspielpräsidentin läuft noch bis 2014. Über die Zeit danach hält sie sich weitgehend bedeckt. Schreiben wäre eine Möglichkeit, sagt sie, "aber kein Buch". Ab ihrem zehnten Lebensjahr habe sie unter der Anleitung ihrer Mutter Tagebuch geschrieben: "Darin stehen ganz bemerkenswerte Dinge wie: ,Jetzt bin ich schon drei Tage brav, und niemand hat's bemerkt.'" Dass sie das Tagebuchschreiben später - " wie es dann spannend geworden ist" - aufgegeben habe, bereue sie heute manchmal. Ansonsten habe sie kein Talent zur Frustration und bohre auch nicht in alten Wunden, sagt sie. Auf gut Österreichisch "aufgelegt" war Rabl-Stadlers Antwort auf Retts Frage, welche archetypische Rolle sie für sich wählen würde. Ganz klar "Präsidentin". (Heidi-Atsuko Aichinger, DER STANDARD, 27.4.2013)

  • Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, bezeichnet sich selbst als "Einzel- kämpferin, die alles mit sich selbst ausmacht" . Diesen Mittwoch war sie zu Gast bei der Siemens Academy of Life. Moderatorin des Abends war Barbara Rett (li.).
    foto: standard/hendrich

    Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, bezeichnet sich selbst als "Einzel- kämpferin, die alles mit sich selbst ausmacht" . Diesen Mittwoch war sie zu Gast bei der Siemens Academy of Life. Moderatorin des Abends war Barbara Rett (li.).

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