Am Weg zum "Best Job in the World"

Interview26. April 2013, 10:07
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Ein Österreicher hat es in die zweite Runde beim Kampf um die "Best Jobs of the World" geschafft. derStandard.at hat mit dem Grazer Stefan Janisch gesprochen

Anfang April sind bei Tourism Australia mehr als 600.000 Registrierungen von fast 350.000 Personen aus 196 Ländern eingegangen, die sich um die "Best Jobs in the World" beworben haben (derStandard.at berichtete). Mittlerweile stehen jene Bewerber fest, die es in die zweite Runde geschafft haben. Der Grazer Stefan Janisch, der gerade ein Masterstudium der Sportwissenschaft absolviert, hat es als einziger Bewerber aus Österreich über die erste Hürde geschafft und kämpft nun gemeinsam mit 150 weiteren Teilnehmern darum, seinen Traum von einer Australienreise zu verwirklichen. Wir haben den Abenteurer gefragt, wie sein Weg zum "Besten Job der Welt" aussieht.

derStandard.at: Sie wurden gemeinsam mit 150 Teilnehmern in die Endauswahl für die "Best Jobs in the World" gewählt. Sie sind der einzige Bewerber aus Österreich, der es so weit geschafft hat. Wie ist das Video entstanden, das Sie dahin gebracht hat?

Janisch: Zuerst habe ich mir die Frage gestellt, was ein Outback Adventurer eigentlich alles mitbringen muss. Er muss zum Beispiel für jede Situation gerüstet sein, er muss neue Orte erkunden, er muss die Natur lieben und letztendlich auch abenteuerlustig sein. Aus diesen Überlegungen sind die wesentlichen Ideen für das Video entsprungen.

Das Video ist dann ziemlich spontan entstanden. Ich habe mich mit einem Freund im Park getroffen, und dort haben wir verschiedene Szene und Einstellungen gedreht, die zu meinen Ideen gepasst haben. Da ich schon seit meiner Kindheit ein "Indiana Jones"-Fan bin und dieser für mich der Inbegriff für Abenteuer ist, wollte ich auch ein paar Szenen in diese Richtung drehen. Zum Beispiel die berühmte Szene, in der Indiana Jones sich gerade noch durch das schließende Tor rollt und seinen Hut greift, wollte ich unbedingt in mein Video einbauen. Letztendlich hatte ich sogar viel zu viel Material und musste mich von einigen Szenen trennen, da das Video nur 30 Sekunden lang sein durfte.

derStandard.at: Gab es eine Hemmschwelle, sich im Internet vor so vielen Menschen zu präsentieren?

Janisch: Eigentlich keine. Gerade durch die ganzen Social-Media-Plattformen wie Facebook und Youtube war es für mich nichts Neues, mich über das Internet zu präsentieren.

derStandard.at: Wenn Sie unter den Finalisten ausgewählt werden, werden Sie sechs Monate lang in Australien leben und arbeiten. Was erwarten Sie sich davon?

Janisch: Natürlich Land, Leute und das australische Leben intensiv kennenzulernen. Durch das neue und doch etwas ungewohnte Umfeld erwarte ich mir, viele neue Erfahrungen zu sammeln und mich persönlich weiterzuentwicklen.

derStandard.at: Warum ausgerechnet als Outback Adventurer?

Janisch: Ich habe vor kurzem schon einmal eine Reise durchs Outback beziehungsweise das Northern Territory gemacht, und es hat mich irgendwie in den Bann gezogen. Das Northern Territory ist ungefähr 16-mal größer als Österreich, bei einer Einwohnerzahl von knapp mehr als 200.000 Menschen. Sogar Graz hat mehr Einwohner. Man fährt also manchmal stundenlang mit dem Auto, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen, geschweige denn Telefon- oder Internetempfang zu haben.

Gerade diese Erfahrung der Abgeschiedenheit, fernab von jedem Trubel der Welt, sowie auch die einzigartigen landschaftlichen Besonderheiten faszinieren mich. Schöne Strände oder pulsierende Städte gibt es häufiger auf der Welt, das Outback gibt es aber nur einmal.

derStandard.at: Wie können Sie eine so lange Reise mit Ihrem privaten und beruflichen Leben in Österreich vereinbaren?

Janisch: Da ich noch Student bin, wäre es beruflich eigentlich kein Problem. Ich müsste mir nur eine Auszeit vom Studium nehmen. Privat finde ich es so auch nicht so schlimm, da für mich sechs Monate keine so lange Zeit bedeuten. Besonders im Ausland vergeht die Zeit eigentlich schneller, als man denkt, und wenn man zurückkommt, ist in der Heimat meistens doch alles beim Alten geblieben. So habe ich es zumindest nach meinem Auslandsstudienjahr empfunden.

derStandard.at: Würden Sie sagen, dass Reisen zu Ihrem Leben gehört?

Janisch: Seit meinen Auslandsaufenthalten und meiner Entdeckung der Fotografie hat mich ein richtiges Reisefieber gepackt. Hätte ich mehr Geld und Zeit, würde ich sicher die ganze Zeit reisen.

derStandard.at: Wo liegen Ihre Interessen beim Reisen?

Janisch: Die Natur der verschiedensten Gegenden der Erde fasziniert mich immer wieder. Ich bin ein großer Fan von Nationalparks, aber auch große Städte verprühen eine gewissen Charme. Beim Reisen bevorzuge ich deshalb einen Mix aus Städten und Natur. Als leidenschaftlicher Sportler probiere ich, auch sportliche Aktivitäten einzubauen. Es muss also immer ein bischen Action geben. Die ganze Zeit nur an einem Strand zu liegen wäre auf die Dauer zu langweilig.

derStandard.at: Wollen Sie das Reisen zu Ihrem Beruf machen oder mit dem Beruf verknüpfen?

Janisch: Das Reisen zum Beruf zu machen wäre natürlich der Hammer. Reisefotograf könnte ich mir sehr gut vorstellen, aber das wird wahrscheinlich ein Traum bleiben. Ich hoffe zumindest, dass ich in meinen zukünftigen Jobs die Chance habe herumzureisen.

derStandard.at: Wie geht es jetzt weiter?

Janisch: Bis 8. Mai geht es darum, Fürsprecher zu finden. Diese Fürsprecher können die Familie, Freunde, Arbeitskollegen oder auch berühmte Persönlichkeiten sein, die den Kandidaten unterstützen. Sie geben eine Art Empfehlung ab. Man kann sich das wie ein Empfehlungsschreiben vorstellen, wobei es nicht unbedingt ein Schreiben sein muss, sondern auch in Form von Videos, Fotos, Tweets und Ähnlichem gestaltet werden kann. Zusätzlich ist es wichtig, dass sich die Kandidaten mit verschiedenen Aktionen etwa auf Social Media, Medienaktionen oder weiteren Videos selber promoten, um ihre Ambitionen für den Job zu zeigen. Die drei Besten werden dann zu einem letzten Bewerbungsgespräch nach Australien eingeladen.

derStandard.at: Sind Sie schon in dieser Richtung aktiv?

Janisch: Ja, ich bin gerade am Aufbauen einer Facebook-Seite und würde mich natürlich über Unterstützung in Form von Likes, Posts oder Shares freuen. Auf dieser Seite werde ich die verschiedensten Aktionen rund um mein Vorhaben posten.

derStandard.at: Wenn die Aktion im nächsten Jahr wiederholt werden sollte: Haben Sie Tipps, wie man es in die zweite Runde schafft?

Janisch: Man sollte es auf jeden Fall probieren, auch wenn die Chancen am Anfang sehr gering ausschauen. Man kann nur verlieren, wenn man nicht mitmacht. Da es auch unzählige Bewerbungen gibt, sollte man versuchen, sich von den anderen abzuheben. Ich glaube, es ist wichtig, mutig zu sein und auch Sachen und Ideen auszuprobieren, die aus dem Bauch herauskommen.

derStandard.at: Sollte es nichts werden mit den Traumjob in Australien - wohin geht die nächste Reise?

Janisch: Da ich noch nie in Asien war, würde ich gerne in diese Richtung meine nächste Reise beginnen. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 26.4.2013)

  • Ein gewisses Maß an Humor und Selbstironie gehört bei einer Bewerbung für den "Besten Job der Welt" dazu.
    foto: stefan janisch

    Ein gewisses Maß an Humor und Selbstironie gehört bei einer Bewerbung für den "Besten Job der Welt" dazu.

  • Wer es schafft, kann sich auf sechs Monate Abenteuer freuen.
    foto: stefan janisch

    Wer es schafft, kann sich auf sechs Monate Abenteuer freuen.

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