Neue These zur Magnetfeld-Orientierung bei Vögeln

25. April 2013, 19:38
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Forscher des Wiener IMP finden in Nervenzellen im Innenohr von Vögeln eisenhaltige Kügelchen - Vielleicht sind es die lange gesuchten Magnetrezeptoren

Wien - Wie sich Zugvögel am Magnetfeld der Erde orientieren, ist nach wie vor unklar, obwohl sich Wissenschafter bereits Jahrzehnte mit der Frage beschäftigen. Forscher im Labor von David Keays am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie haben nun einen heißen Kandidaten für den sechsten Sinn der Vögel entdeckt: Die Forscher haben eisenhaltige Kügelchen in bestimmten sensorischen Nervenzellen im Innenohr von Vögeln festgestellt, bei denen es sich um die lang gesuchten Magnetrezeptoren handeln könnte.

In ihrer in "Current Biology" publizierten Studie beschreiben die Wissenschafter eisenhaltige Kügelchen in speziellen Nervenzellen, sogenannten Haarzellen, die im Innenohr beim Hören und bei der Wahrnehmung der Schwerkraft eine Rolle spielen. Als besonders bemerkenswert stufen die Forscher ein, dass jede Haarzelle genau ein derartiges Eisenkügelchen besitzt und dass es in jeder Zelle an derselben Stelle, nämlich direkt unter den Sinneshaaren, sitzt.

"Das ist wirklich sehr aufregend", meint Mattias Lauwers, dem die Entdeckung gelungen ist. "Wir finden diese Eisenkügelchen bei allen untersuchten Vögeln, von der Taube bis zum Strauß, jedoch nicht beim Menschen." Obwohl an dem Thema seit vielen Jahrzehnten geforscht wird, wurden die auffälligen eisenhaltigen Gebilde noch nie zuvor bemerkt.

Plausible Kandidaten für Magnetsensoren

Erst im Vorjahr konnte die Gruppe von David Keays zeigen, dass eisenreiche Zellen im Vogelschnabel nicht, wie bisher vermutet, die gesuchten Magnetfeld-Sensoren sind, sondern schlicht Blutzellen. "Die nun gefundenen Zellen sind wesentlich plausiblere Kandidaten für die gesuchten Magnetsensoren, denn es handelt sich hier definitiv um Nervenzellen", so Keays.

Um den Magnetsinn wirklich zu verstehen, werde allerdings noch viel Forschungsarbeit nötig sein, betonen die Forscher. "Wir wissen zum Beispiel noch nicht, was genau die Funktion der mysteriösen Eisenkügelchen ist", so Keays, der es nur als Frage der Zeit sieht, bis das geklärt ist. (APA,red, DER STANDARD, 26.04.2013)

  • Die Mikroskop-Aufnahme zeigt Zellen aus dem Innenohr einer Taube. Durch den Einsatz eines speziellen Farbstoffes konnten die Eisenkügelchen direkt unter den Sinneshaaren sichtbar gemacht werden.
    foto: imp

    Die Mikroskop-Aufnahme zeigt Zellen aus dem Innenohr einer Taube. Durch den Einsatz eines speziellen Farbstoffes konnten die Eisenkügelchen direkt unter den Sinneshaaren sichtbar gemacht werden.

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