ÖBB-Rosskur zeigt Wirkung

25. April 2013, 19:07
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Bahn fährt nach Umbau in die schwarzen Zahlen. Inner- und außerhalb des Konzerns erwirtschaftete Einmalerlöse halfen auch

Wien - Die Bundesbahn ist der Verlustzone entflohen. Für 2012 wird der ÖBB-Vorstand rund um Generaldirektor Christian Kern heute, Freitag, der Öffentlichkeit überraschend tiefschwarze Zahlen präsentieren. Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) drehte von minus 27,9 auf plus 66 Millionen Euro. Das erfuhr der Standard in ÖBB-Kreisen unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

Gestiegenes Fahrgastaufkommen

Vor allem der Absatzbereich, also Personen- und Güterverkehr, waren deutlich zweistellig positiv: Die Personenverkehr AG fuhr mit 41,5 Mio. Euro einen mehr als doppelt so hohen Vorsteuergewinn ein als 2011, wo 15,9 Millionen auf der Habenseite standen. Das gestiegene Fahrgastaufkommen fand operativ Niederschlag, das Ebit stieg auf 74 Millionen Euro.

Bei der ÖBB wollte man die Zahlen unter Hinweis auf die laufende Aufsichtsratssitzung nicht kommentieren. Besser unterwegs war demnach auch die Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA). Deren Gewinn vor Steuern von minus 48,6 Millionen auf 56,3 Millionen Euro drehte und damit exakt jene Prognose trifft, die im November mangels Frachtaufkommen nach unten revidiert worden war. Allerdings dienten auch bei dieser Bergfahrt Einmaleffekte als Zusatzmotor: Wie berichtet, hat RCA tausende Güterwagons teils an ihre eigene Wagon-Tochter Iwag, teils an andere Unternehmen verkauft und damit rund 56 Millionen Euro erlöst. Außerdem wurden Verschubloks an den Schwesterkonzern ÖBB-Infrastruktur verkauft, was weitere 35 Millionen Euro in die RCA-Kassen spülte. Zudem gab es eine massive Bereinigung bei den Beteiligungsgesellschaften, die ebenfalls Erlöse brachte.

Ladenhüter Kontraktlogistik

Außerordentliche Erträge sind RCA übrigens auch heuer gesichert: Diverse Terminals, Logistikcenter und Verladestellen werden zumindest teilweise an den für Bau und Betrieb des Schienennetzes zuständigen Teilkonzern ÖBB-Infrastruktur verkauft. Das sollte RCA insbesondere bei den Personalkosten entlasten, denn mit den Terminals sollen Anfang Juli 220 (Alt-)Eisenbahner in die ÖBB-Infra transferiert werden.

Bleibt der Ladenhüter Kontraktlogistik (KL), also die personalintensiven Stückguttransporte ("Bahn-Express"). KL performt zwar besser, hängt aber noch immer in der Warteschleife. Aus dem Joint Venture mit dem Grazer Spediteur JCL Jöbstl dürfte nichts werden. Dafür könnte die mit EC-Logistik in Linz zu einer Geschäftseinheit mit 190 Mio. Euro Umsatz, 925 Mitarbeitern (davon 587 definitiv gestellten Eisenbahnern) gebündelte Unit an die RCA-Mutter ÖBB-Holding verkauft werden.

Alte und neue Köpfe

Das brächte RCA dem 2013 angestrebten 91-Millionen-Euro-Ergebnis (Ebit) wohl auch ein Stück näher. Das letzte Wort ist bei diesem Deal aber noch nicht gesprochen. Dafür steht die Führung des Vehikels fest, behaupten Auskenner: Der mit Abfindung als Konsulent hinauskomplimentierte Ex-RCA-Finanzchef Andreas Fuchs soll KL profitabel machen. Apropos Abgang: Der seit dem Wechsel von Arnold Schiefer zum Baukonzern Alpine vakante RCA-Vorstandsposten soll nachbesetzt werden, fixierte der Aufsichtsrat. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 26.4.2013)

  • Viele Altlasten hat der ÖBB-Güterverkehr bereits abtransportiert. Auf die Schrumpfkur muss nun eine Marktoffensive folgen, denn die private Konkurrenz fährt der Staatsbahn davon.
    foto: standard/cremer

    Viele Altlasten hat der ÖBB-Güterverkehr bereits abtransportiert. Auf die Schrumpfkur muss nun eine Marktoffensive folgen, denn die private Konkurrenz fährt der Staatsbahn davon.

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